
Genfer Doppelgipfel: Wie die USA die Weltpolitik diktieren – und Europa nur zusehen darf
Es ist ein diplomatisches Schauspiel von historischer Dimension, das sich an diesem Dienstag am Genfer See abspielt. Innerhalb weniger Stunden prallen dort zwei der gefährlichsten Konflikte unserer Zeit aufeinander: die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm und die Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Krieges. Und während die Vereinigten Staaten auf beiden Bühnen die Regie führen, bleibt Europa – einmal mehr – auf der Zuschauertribüne sitzen. Ein Armutszeugnis für einen Kontinent, der sich so gerne als geopolitischer Akteur inszeniert.
Atompoker mit Teheran: Diplomatie im Schatten der Flugzeugträger
Am Vormittag eröffneten die Gespräche zwischen Washington und Teheran. US-Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, vertreten die amerikanische Seite. Trump selbst sei „indirekt" eingebunden, wie er vorab verkündete. Irans Außenminister Abbas Araghtschi betonte, er bringe „reale Ideen für ein faires und ausgewogenes Abkommen" mit – eine Kapitulation unter Drohungen komme jedoch nicht in Frage.
Die Mullahs in Teheran hätten in den vergangenen Tagen Bereitschaft signalisiert, ihr hochangereichertes Uran zu verdünnen. Im Gegenzug verlange der Iran umfassende Sanktionslockerungen. Das Raketenprogramm stehe aus iranischer Sicht nicht zur Disposition. Araghtschi traf zudem den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, zu „tiefgehenden technischen Gesprächen" über Irans Bestände.
Doch wer glaubt, Washington setze allein auf die Macht des Wortes, der irrt gewaltig. Parallel zur diplomatischen Charmeoffensive hat das Pentagon seine Luft- und Seestreitkräfte in der Region massiv verstärkt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Entweder Teheran lenkt ein – oder die militärische Option liegt auf dem Tisch. Diplomatie und Drohkulisse als zwei Seiten derselben Medaille. Eine Strategie, die an die Zeiten der Kanonenbootpolitik erinnert, aber in der Realität des 21. Jahrhunderts womöglich die einzige Sprache ist, die das Regime der Mullahs versteht.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte derweil keinen Hehl aus seinem Misstrauen. Ein tragfähiges Abkommen müsse aus seiner Sicht die vollständige Entfernung angereicherten Urans, den Abbau der Anreicherungsinfrastruktur sowie harte Beschränkungen des iranischen Raketenprogramms beinhalten. US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich ebenfalls zurückhaltend über die Erfolgsaussichten. Die Skepsis ist berechtigt – schließlich hat die Geschichte gezeigt, dass Abkommen mit dem iranischen Regime die Haltbarkeit von Milch bei Zimmertemperatur haben.
Ukraine-Verhandlungen: Moskau will Territorien, Kiew will Garantien
Kaum waren die Atomgespräche angelaufen, richtete sich der Fokus auf das Hotel Intercontinental, unweit des UN-Sitzes. Dort fand die dritte Runde trilateraler Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA statt – nach vorangegangenen Treffen in Abu Dhabi.
Der Zeitpunkt hätte kaum zynischer gewählt sein können. Nur Stunden vor Verhandlungsbeginn meldete Kiew massive russische Angriffe. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von fast 400 eingesetzten Drohnen und Dutzenden Raketen binnen 24 Stunden. Energie- und zivile Infrastruktur seien gezielt attackiert worden. Verhandeln, während die Bomben fallen – das ist die brutale Realität dieses Krieges.
Auf russischer Seite führt Putin-Berater Wladimir Medinski die Delegation an. Moskau wolle vor allem über Territorien sprechen – also über die 2014 und 2022 annektierten ukrainischen Gebiete, darunter Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Russland kontrolliert derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets. Kiew hingegen fordere zunächst belastbare Sicherheitsgarantien durch die USA und europäische Partner, bevor überhaupt über territoriale Fragen gesprochen werden könne. Auch der Status des Atomkraftwerks Saporischschja und mögliche westliche Truppen im Fall eines Waffenstillstands zählten zu den heikelsten Punkten.
Trump dränge offenbar auf eine rasche Einigung, inklusive Wahlen in der Ukraine bis Mitte Mai. Ukrainische Vertreter klagten in der einheimischen Presse, dass gerade Washington den größten Druck auf sie ausübe, Zugeständnisse zu machen. Man mag von Trumps Verhandlungsstil halten, was man will – aber zumindest verfolgt der amerikanische Präsident eine klare Linie: Ergebnisse statt endloser Gesprächsrunden.
Europas geopolitische Bedeutungslosigkeit
Und wo bleibt Europa in diesem Machtpoker? Genau dort, wo es in den letzten Jahren immer stand: am Katzentisch. Weder Frankreich noch Deutschland noch Großbritannien – allesamt selbsternannte Wortführer der sogenannten „Koalition der Willigen" – nehmen offiziell an den Gesprächen teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte im Vorfeld noch tapfer betont, Frieden ohne Europa werde keinen dauerhaften Bestand haben. Schöne Worte, die in Genf allerdings niemanden interessieren.
Ursprünglich sei der Verhandlungsort Genf vor allem in Paris als Chance verstanden worden, die Europäer näher an den Gesprächstisch zu bringen als frühere Treffen in der Türkei oder im Golfraum. Doch Pustekuchen. Auch in der Schweiz bleibt der EU nur die Beobachterrolle – und das bei einem Konflikt, der unmittelbar die europäische Sicherheitsarchitektur betrifft.
Man muss sich diese Absurdität auf der Zunge zergehen lassen: Ein Krieg tobt auf europäischem Boden, europäische Steuerzahler finanzieren Milliarden an Hilfsgeldern, europäische Bürger tragen die wirtschaftlichen Konsequenzen der Sanktionen – und trotzdem sitzen die Europäer nicht mit am Tisch, wenn über Frieden verhandelt wird. Das ist die bittere Quittung für Jahre außenpolitischer Selbstverzwergung, für eine EU, die sich lieber mit Genderrichtlinien und Heizungsverboten beschäftigt hat, als eine ernstzunehmende Sicherheits- und Verteidigungspolitik aufzubauen.
Deutschland als geopolitischer Zwerg
Besonders beschämend ist die Rolle Deutschlands. Unter der neuen Großen Koalition von Friedrich Merz wurde zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen, doch die Bundesrepublik spielt auf der weltpolitischen Bühne weiterhin keine nennenswerte Rolle. Die jahrelange Vernachlässigung der Bundeswehr, die naive Energiepolitik der Vorgängerregierungen und die chronische Unfähigkeit, nationale Interessen klar zu formulieren, rächen sich nun. Während Trump in Genf gleichzeitig zwei Krisen managt, steht Berlin am Spielfeldrand und schaut zu.
Die Genfer Doppelverhandlungen sind ein Weckruf – nicht nur für die europäische Diplomatie, sondern für jeden Bürger, der verstehen will, wie die Machtverhältnisse in der Welt tatsächlich verteilt sind. Die USA diktieren, Russland und China agieren, und Europa reagiert. Bestenfalls. In Zeiten solcher geopolitischer Unsicherheit, in denen Konflikte eskalieren und die Weltwirtschaft unter dem Druck von Sanktionen, Zöllen und militärischen Spannungen ächzt, zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Vermögenswerte. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch stets ihre Funktion als sicherer Hafen unter Beweis gestellt – als Schutzschild gegen die Unwägbarkeiten einer Welt, in der diplomatische Lösungen alles andere als garantiert sind.

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