
Gold kämpft sich über 4.000 Dollar zurück – jetzt entscheidet Warsh!

Comeback nach dem Ausverkauf: Gold hat am Montag im späten US-Handel die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze zurückerobert. Silber hielt sich über 54 Dollar. Geholfen hat ein Ölpreis, der nachgab, weil am Golf wieder verhandelt wird. Bis zum Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch bleibt die Lage aber angespannt.
Erst der Absturz, dann die Gegenwehr
Die Vorwoche war für Edelmetall-Anleger hart. Medienberichten zufolge rutschte Gold erstmals seit dem Sommer unter die 4.000-Dollar-Schwelle. Rund eine Woche zuvor hatte die Feinunze noch um 4.180 Dollar notiert. Der Grund: steigende Ölpreise, Inflationsangst und eine Fed, die eher bremst als lockert.
Jetzt holen die Käufer zumindest einen Teil der Verluste zurück. Ein Selbstläufer ist das nicht. Renditen von US-Staatsanleihen, Dollar und Zinsausblick können jederzeit wieder gegen Gold arbeiten. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe lag zuletzt knapp unter 4,98 Prozent, der Dollar-Index legte zu.
Diplomatie am Golf: Das Öl verliert seinen Angstaufschlag
Wichtigster Treiber war der Nahe Osten. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan wollen die Gespräche mit Teheran wiederbeleben. Ziel sei es, eine weitere militärische Konfrontation zu verhindern und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder zu normalisieren. Durch dieses Nadelöhr läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels.
Gelöst ist allerdings nichts. Im Streit zwischen Washington und Teheran über Sanktionen, Seewege und regionale Sicherheit gibt es weiter keine Einigung. Hinzu kommen Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und anhaltende Drohungen gegen die Energieinfrastruktur am Golf.
Die Nordseesorte Brent schloss trotzdem 0,8 Prozent tiefer bei 115,81 Dollar je Barrel, nach drei Handelstagen mit Gewinnen in Folge. Die US-Sorte WTI kostete rund 102 Dollar. Das bleibt ein Preisniveau, bei dem jede Notenbank nervös wird.
Showdown bei der Fed: Pause jetzt, Zinshammer im Dezember?
Am Mittwoch um 14 Uhr Ostküstenzeit verkündet die Federal Reserve ihren Zinsentscheid. Danach tritt Fed-Chef Kevin Warsh vor die Presse. Die Märkte rechnen mehrheitlich mit einer Pause im Oktober. Bis zum Jahresende halten sie aber eine weitere Zinserhöhung für möglich. Medienberichten zufolge hatte die Fed die Zinsen zuletzt erstmals seit 2023 wieder angehoben.
Weil die Notenbanker vor der Sitzung schweigen müssen, bekommen die Konjunkturdaten umso mehr Gewicht:
- Dienstag: Auftragseingänge langlebiger Güter, Verbrauchervertrauen, Neubauverkäufe, Richmond-Fed-Index
- Mittwoch: Zinsentscheid und Pressekonferenz von Warsh
- Donnerstag: erste Schätzung zum US-Wachstum im dritten Quartal, PCE-Inflation für September, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, außerdem der Zinsentscheid der EZB
Die Logik dahinter ist einfach. Fallen die Inflationszahlen schwächer aus und klingt Warsh vorsichtiger, könnten Renditen und Dollar nachgeben. Davon würde Gold profitieren. Bleiben Wirtschaft und Preisdruck dagegen robust, spricht vieles für die nächste Zinserhöhung.
Börsen im Rausch – und die Charttechnik spricht mit
An den Aktienmärkten herrscht dagegen gute Laune. Der Dow Jones schloss bei 52.361 Punkten, der S&P 500 bei 7.676 Punkten. Der DAX legte rund 0,9 Prozent zu, gestützt von guten Firmenzahlen und besserer Stimmung in den deutschen Unternehmen. Ob die hohen Bewertungen, die vor allem die enormen KI-Investitionen nach oben treiben, steigenden Zinsen standhalten, ist offen.
Charttechniker sehen bei Gold die erste Hürde bei 4.032 Dollar. Danach folgt die Zone bis 4.075 Dollar. Gelingt der Ausbruch, wären 4.160 und 4.180 Dollar die nächsten Ziele. Unterstützung finden sie bei 3.963 und 3.946 Dollar. Für Silber nennen sie Widerstände bei 54,53 und 55,77 Dollar sowie Unterstützungen bei 53,46 und 52,41 Dollar.
Unser Fazit
Ölpreise über 100 Dollar, ein ungelöster Konflikt am Golf und Notenbanken, die die Inflation offenbar noch nicht im Griff haben: Für Sparer ist das eine schwierige Mischung. Gerade deshalb eignen sich physisches Gold und Silber als langfristige Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen. Kurzfristige Schwankungen ändern daran wenig.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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