
Gold schlägt Aktien: Deutsche entdecken den Werterhalt wieder

Es gibt Momente, in denen die nüchternen Zahlen einer Umfrage mehr über den Zustand eines Landes verraten als jede politische Sonntagsrede. Die jüngste Forsa-Erhebung im Auftrag von pro aurum gehört genau in diese Kategorie. Seit sechzehn Jahren misst das Meinungsforschungsinstitut die Stimmung der Bundesbürger zu langfristigen Geldanlagen – und die Ergebnisse aus dem Mai 2026 zeichnen ein deutliches Bild: Die Deutschen verlieren das Vertrauen in das Papiergeldsystem und suchen ihr Heil zunehmend im gelben Edelmetall.
Gold thront wieder an der Spitze
Insgesamt 1.002 erwachsene Bundesbürger wurden im Rahmen computergestützter Telefoninterviews befragt – und das Resultat dürfte so manchem Finanzminister die Stirn in Falten legen. Stolze 30 Prozent der Befragten trauen Gold auf Sicht von mindestens drei Jahren den höchsten Gewinn zu. Aktien kommen lediglich auf 26 Prozent, Fondsanteile auf 17 Prozent. Festgeld und Termingeld (6 Prozent) sowie Anleihen (4 Prozent) dümpeln am unteren Ende der Tabelle vor sich hin.
Bemerkenswert ist der Blick auf die langfristige Entwicklung: Seit dem Beginn der Datenerhebung im Jahr 2011 hat Gold mindestens den zweiten Platz belegt – und neunmal sogar die Pole-Position erobert. Während in den Anfangsjahren der Vorsprung mit zwölf bzw. 18 Prozentpunkten besonders deutlich ausfiel, manifestiert sich heute eine neue Erkenntnis bei den Anlegern: Gold ist eben nicht nur Krisenmetall, sondern ebenso eine ernstzunehmende Renditeanlage.
Warum die Bürger an die Realität glauben
Wer sich fragt, woher dieser Sinneswandel rührt, muss nur einen Blick auf die wirtschaftliche und politische Großwetterlage werfen. Zwar hat sich die Inflation gegenüber den Extremwerten der vergangenen Jahre beruhigt, doch die explodierten Energiepreise – ein hausgemachtes Problem dank verfehlter Energiepolitik – schicken die Sorgen vieler Anleger zurück auf den Plan. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, ein eskalierender Nahost-Konflikt, die nicht endende Auseinandersetzung in der Ukraine und nicht zuletzt die schwindelerregenden Staatsschulden Deutschlands, die durch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Großen Koalition unter Friedrich Merz auf ein neues Rekordniveau gehievt werden.
Bemerkenswert ist die Doppelbödigkeit dieser Politik: Vor der Wahl hatte Merz noch hoch und heilig versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Heute werden Generationen von Steuerzahlern auf Jahrzehnte verpflichtet, die Zinsen dafür zu bedienen. Wer in einer solchen Konstellation noch Vertrauen in das Papiergeld setzt, glaubt vermutlich auch an pünktliche Züge der Deutschen Bahn.
Zinspapiere im freien Fall der Beliebtheit
Klassische zinstragende Sparanlagen führen ein trauriges Schattendasein. Während 2011 noch 22 Prozent der Bundesbürger Fest- oder Termingeld als besonders aussichtsreich einstuften, sind es heute nur noch sechs Prozent. Der Wert hat sich mehr als gedrittelt. Auch Anleihen mit lediglich vier Prozent spielen praktisch keine Rolle mehr im Bewusstsein der Anleger.
Das überrascht insofern, als die Zinsen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen sind. Doch die Bundesbürger sind klüger geworden: Sie haben verstanden, dass nominale Zinsen wenig nützen, wenn die reale Kaufkraft durch Inflation und Steuerbelastung Jahr für Jahr abgeknabbert wird. Negative Realzinsen, ausufernde Staatsschulden und die berechtigte Sorge vor einer schleichenden Geldentwertung haben das Vertrauen in Zinspapiere nachhaltig erschüttert.
Edelmetalle erobern die Portfolios
Doch nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch der tatsächliche Besitz von Edelmetallen wächst kontinuierlich. Mittlerweile geben 21 Prozent der Befragten an, Gold oder Silber zu besitzen – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 16 Prozent. Bei Goldbarren oder -münzen meldeten 18 Prozent ihren Besitz (Vorjahr: 13 Prozent), während zehn Prozent Silberbarren oder -münzen halten (Vorjahr: 8 Prozent). Seit 2016 hat sich der Anteil der Gold- und Silberbesitzer damit verdreifacht – eine bemerkenswerte Entwicklung.
Dennoch klafft eine bezeichnende Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität: Während Gold bei den Renditeerwartungen mittlerweile Spitzenwerte erreicht, halten weiterhin deutlich mehr Menschen Tagesgeldkonten (47 Prozent), Immobilien (36 Prozent), Fondsanteile (32 Prozent) und Lebensversicherungen (30 Prozent). Diese Diskrepanz lässt sich allerdings durchaus positiv deuten: Das Nachfragepotenzial für physische Edelmetalle ist also bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.
Ein Vermögensbaustein ohne Kontrahentenrisiko
Was Gold und Silber von nahezu allen anderen Vermögenswerten unterscheidet, ist die Abwesenheit eines Kontrahentenrisikos. Wer physisches Edelmetall besitzt, ist nicht auf das Wohlwollen einer Bank, eines Brokers, eines Staates oder einer Zentralbank angewiesen. In einer Zeit, in der Vertrauen in Institutionen immer mehr zur Mangelware wird, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Die Forsa-Umfrage zeigt eindrucksvoll: Die Bundesbürger spüren instinktiv, dass es in unsicheren Zeiten klug ist, einen Teil des Vermögens in greifbarem Sachwert zu halten – und nicht ausschließlich in digitalen Buchungspositionen, die mit einem Federstrich entwertet werden können.
Physische Edelmetalle eignen sich daher hervorragend als Beimischung in einem gesunden, breit gestreuten Anlage-Portefeuille zur langfristigen Vermögenssicherung. Wer in turbulenten Zeiten ruhig schlafen möchte, weiß spätestens jetzt, warum.
Wichtiger Hinweis
Die in diesem Artikel dargestellten Inhalte stellen ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Sie spiegeln allein die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eine eigene, sorgfältige Recherche und liegt in der alleinigen Verantwortung des Anlegers. Für etwaige Verluste oder Schäden, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











