
Goldrausch in Asien: Singapur baut Tresore aus – London zittert

Singapur macht Ernst im Kampf um die Vorherrschaft am globalen Goldmarkt. Wie Bloomberg am Mittwoch berichtete, hat die DBS Group, Südostasiens größte Bank, ihre Tresorkapazitäten für physisches Gold in diesem Jahr ausgeweitet. Und sie bleibt offenbar nicht allein.
Die Bank begründete den Schritt demnach mit der wachsenden Nachfrage aus dem Private-Wealth-Bereich und von institutionellen Kunden. Auch die Oversea-Chinese Banking Corp. (OCBC) soll dem Bericht zufolge bereits bei Lagerdienstleistern angeklopft haben, um sich zusätzlichen Platz zu sichern – das berichten Personen, die mit dem Vorgang vertraut sein sollen.
Wenn der Stahlbeton knapp wird
Tresorraum ist zur knappen Ware geworden. Das ist die eigentliche Botschaft hinter dieser scheinbar technischen Meldung. Banken erweitern keine Hochsicherheitslager, weil ihnen langweilig ist, sondern weil vermögende Kunden physisches Metall verlangen – echte Barren, keine Papierversprechen.
Der Hintergrund ist eine regelrechte Staatsoffensive. Im Juni stellte Singapurs Vize-Premierminister Gan Kim Yong gemeinsam mit der Börse SGX und der Notenbank MAS ein Maßnahmenpaket vor, mit dem sich der Stadtstaat als asiatisches Goldhandelszentrum etablieren will.
Sechs Großbanken, ein Ziel
Bis Ende 2026 soll die SGX ein Clearing-System für außerbörslich gehandeltes, in Singapur gelagertes physisches Gold starten. Mit dabei als Clearing-Teilnehmer: DBS, Deutsche Bank, ICBC Standard Bank, JPMorgan, OCBC und UOB. Der Interbankenhandel soll ab 2027 folgen.
Noch bemerkenswerter: Ab Oktober will die Monetary Authority of Singapore ausländischen Zentralbanken und Staatsfonds die Lagerung ihrer Goldreserven anbieten. Zusätzlich fällt eine bisherige Fünf-Prozent-Obergrenze für physische Edelmetalle in steuerbegünstigten Fonds- und Family-Office-Strukturen weg.
Asien steht für rund 70 Prozent der weltweiten Goldnachfrage – doch der Preis wird weiterhin in London und New York gemacht.
Genau diese Lücke will Singapur schließen. Ersetzen wolle man die etablierten Handelsplätze nicht, hieß es im Juni – man wolle Brücke sein für die asiatischen Handelszeiten. Konkurrenz droht aus Hongkong, das ein eigenes Clearing-System aufbaut.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Singapur hat Sicherheit zum Geschäftsmodell gemacht: Anlage-Edelmetalle sind dort seit 2012 von der Mehrwertsteuer befreit, das Zollfreilager Singapore Freeport zählt zu den bekanntesten Adressen der Branche. Schon 2013 eröffnete die Deutsche Bank dort einen Tresor mit 200 Tonnen Kapazität.
Während Asien also Infrastruktur baut, diskutiert Europa über Bargeldobergrenzen und immer neue Meldepflichten beim Edelmetallkauf. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein aufschlussreicher Kontrast: Hier Standortpolitik, dort Misstrauen gegenüber dem eigenen Bürger.
Der Goldpreis liefert den Takt dazu. Marktdaten zufolge notierte die Feinunze Mitte September 2026 bei über 4.200 US-Dollar – nach Rekordmarken, die noch vor drei Jahren als Fantasie galten. Berichten zufolge flossen allein im August rund 18 Milliarden Dollar in Gold-ETFs, und Chinas Notenbank kaufte rund 20 Tonnen zu.
Der Trend ist eindeutig: Wer Vermögen sichern will, greift wieder zum Metall. Physisches Gold und Silber bleiben – als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio – ein bewährtes Fundament, gerade in Zeiten politischer Unwägbarkeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.
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