
Gratis-Ärzte an der Charité: Medizinstudenten gehen auf die Straße!

Sie behandeln Patienten, schieben lange Schichten und bekommen dafür keinen Cent. Am Mittwoch haben Medizinstudenten vor dem Bettenhochhaus der Berliner Charité in Mitte gegen Millionenkürzungen des Senats und fehlenden Lohn im Praktischen Jahr demonstriert. Der Protest gehört zu einer bundesweiten Aktionswoche, und er trifft die Hauptstadt mitten in den Koalitionsverhandlungen.
109 Millionen weg, 60 Studienplätze gestrichen
Das Motto der Kundgebung war bissig: „Praktisches Jahr? Praktisch unbezahlbahr!“ Aufgerufen hatte die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Los ging es um 11 Uhr, angesetzt war die Kundgebung bis etwa 12.45 Uhr.
Auslöser sind die Sparbeschlüsse des Berliner Senats. Nach Angaben der Organisatoren fehlen der Charité zwischen 2026 und 2028 rund 109 Millionen Euro, die ihr vertraglich eigentlich zugesagt waren. Die Folgen sind schon da: Statt 600 Studienplätzen in der Humanmedizin gibt es pro Jahr nur noch 540.
Das muss man sich vor Augen führen. Seit Jahren warnen Fachleute vor dem Ärztemangel, Landarztpraxen finden keine Nachfolger, Notaufnahmen arbeiten am Limit. Und ausgerechnet Europas bekannteste Uniklinik bildet jetzt weniger Mediziner aus. Wer soll uns in zehn Jahren behandeln?
Die einzige Uniklinik, die gar nichts zahlt
Das Praktische Jahr (PJ) ist das letzte Jahr des Medizinstudiums. Die angehenden Ärzte arbeiten dabei ganztags auf den Stationen, nehmen Blut ab, untersuchen Patienten und dokumentieren. Viele Kliniken zahlen ihnen dafür eine Aufwandsentschädigung. Die Charité zahlt nichts. Die Organisatoren sagen, sie sei damit inzwischen die einzige Universitätsklinik in Deutschland ohne eine solche Zahlung.
„Es kann nicht sein, dass wir vormittags unbezahlte Hilfskräfte in der Klinik sind und nachmittags arbeiten gehen, um uns das PJ leisten zu können.“
So beschreibt es Bente Bierbaß, die ihr Praktisches Jahr gerade selbst an der Charité macht. Fatima Salih von der Fachschaftsinitiative Medizin sagt, es gehe um mehr als Geld, nämlich auch darum, gute Studienbedingungen zu erhalten. Ein Studium ohne Existenzängste dürfe kein Luxus sein. Die Kürzungen träfen am Ende alle Berliner, weil die Ärzte stärker belastet würden und Nachwuchs fehle.
Wahlversprechen auf dem Prüfstand
Politisch kommt der Protest genau zur richtigen Zeit. Gut einen Monat nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen abgeschlossen, wie berichtet wird. Jetzt verhandeln sie über eine Koalition.
Die Studenten erinnern die Parteien daran, was sie im Wahlkampf versprochen haben. Laut Salih saßen CDU, Linke, SPD und Grüne noch vor wenigen Monaten an derselben Stelle. Sie hätten sich gegenseitig darin überboten, wer die Kürzungen schneller zurücknehme und zuerst eine Aufwandsentschädigung einführe. Werde das jetzt nicht umgesetzt, wäre das aus ihrer Sicht ein „extremer Vertrauensbruch“.
Was verspricht man nicht alles, solange gewählt wird. Ob die neue Koalition liefert, ist offen. Zur Kundgebung angekündigt waren auch der CDU-Abgeordnete Christian Zander, der Linken-Abgeordnete Tobias Schulze sowie Vertreter des Marburger Bundes und der Charité.
Die Forderungen der Studenten
- Die Kürzungen an der Charité sollen zurückgenommen werden.
- Im Praktischen Jahr soll es bundesweit eine einheitliche Mindestvergütung auf Bafög-Niveau geben.
- Die ärztliche Approbationsordnung soll reformiert werden und verbindliche Standards für die praktische Ausbildung festlegen.
Wer Leistung will, muss sie auch bezahlen
Der Streit ist nicht neu. Schon 2019 standen Medizinstudenten mit ähnlichen Forderungen vor der Charité. Seitdem ist viel geredet und wenig geändert worden. Bundesweit protestieren Studenten seit Jahren für ein faires PJ, die große Reform des Medizinstudiums lässt weiter auf sich warten.
Für die Redaktion ist der Fall typisch für ein Land, das Leistung fordert, aber nicht bezahlen will. Junge Menschen, die Verantwortung für Patienten übernehmen, arbeiten umsonst, während der Staat an anderer Stelle mit Milliarden plant. Wer gute Ärzte will, muss sie fair ausbilden. Dafür braucht es Taten, Sonntagsreden helfen nicht.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #SPD
- #Grüne
- #CDU-CSU
- #Linke
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













