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Kettner Edelmetalle
14.07.2026
07:02 Uhr

Größenwahn auf hoher See: Reeder wetten mit 600 Öltankern auf das Chaos

Es gibt Momente in der Wirtschaftsgeschichte, in denen sich die Gier so laut Bahn bricht, dass selbst nüchterne Beobachter kurz die Luft anhalten. Ein solcher Moment spielt sich derzeit in den Werften dieser Welt ab. Denn während die Straße von Hormus zum geopolitischen Pulverfass wird, greifen die Reedereien beherzt in die Kassen und bestellen Öltanker in einer Größenordnung, wie sie die Branche noch nie gesehen hat.

Ein Boom mit fatalem historischen Vorbild

Mehr als 600 Öltanker stünden inzwischen in den Orderbüchern der weltweiten Werften, so berichten es die Schiffsmanager des Datenanbieters Veson Nautical sowie die Analysten der Beratungsfirma AXS Marine. Zum Vergleich: Ende 2023 seien es gerade einmal 80 Bauaufträge gewesen. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass sich die Zahl innerhalb kürzester Zeit nahezu verachtfacht hat.

Doch der wahre Nervenkitzel liegt im historischen Déjà-vu. Einen vergleichbaren Bestellrausch gab es zuvor nur ein einziges Mal – und zwar unmittelbar vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008. Damals wie heute glaubten die Akteure, der Markt kenne nur eine Richtung: nach oben. Wie das ausging, dürfte den meisten noch in schmerzhafter Erinnerung sein.

Wer auf dem Höhepunkt der Krise das teuerste Stahlungetüm bestellt, sollte sich nicht wundern, wenn er es Jahre später zu Ramschpreisen wieder loswerden muss.

Der Krieg als Geschäftsmodell

Auslöser dieser riskanten Wette ist der seit Februar tobende Irankrieg. Die Eskalation im Nahen Osten hat die Frachtraten in die Höhe schnellen lassen, und wo Geld winkt, ist die Reederei-Branche schnell zur Stelle. Dass US-Präsident Donald Trump zwischenzeitlich sogar mit einer Seeblockade iranischer Häfen und Gebühren von 20 Prozent für die Passage der Straße von Hormus liebäugelte, macht die Sache nicht übersichtlicher.

Und genau hier liegt das Problem: Die Reeder wetten darauf, dass die Versorgungskrise anhält. Ihr Geschäftsmodell setzt gewissermaßen auf den Fortbestand des Chaos. Sollte sich die Lage rund um Hormus beruhigen, sollten Diplomatie und Rahmenabkommen tatsächlich greifen, dann stünden plötzlich Hunderte frisch gebauter Kolosse auf einem Markt, der sie schlicht nicht mehr braucht.

Warum die Folgen Jahrzehnte nachwirken

Ein Öltanker ist kein Kleinwagen, den man bei Nichtgefallen zurückgibt. Diese Schiffe werden über Jahrzehnte betrieben. Wer heute im Überschwang bestellt, prägt das globale Frachtangebot bis weit in die 2040er Jahre hinein. Fällt die Nachfrage weg, drohen ein brutaler Überkapazitäten-Kollaps, purzelnde Charterraten und Abschreibungen in Milliardenhöhe. Es ist das klassische Muster einer zyklischen Branche, die aus ihren eigenen Fehlern offenbar nichts lernen möchte.

Man fragt sich unwillkürlich: Ist es kluge unternehmerische Weitsicht oder blanke Zockermentalität, sein Kapital auf die Fortdauer eines Krieges zu setzen? Die Antwort dürfte irgendwo dazwischen liegen – doch der schmale Grat zwischen Boom und Bust war selten so gut sichtbar wie in diesen Orderbüchern.

Was der kluge Anleger daraus lernt

Die Lektion, die sich aus diesem maritimen Wettlauf ziehen lässt, gilt weit über die Seefahrt hinaus. Wer sein Vermögen an spekulative Zyklen, an Kriege und geopolitische Zufälle kettet, spielt ein gefährliches Spiel. Papierwerte, Frachtraten und Unternehmensbeteiligungen können über Nacht dahinschmelzen, wenn sich die Großwetterlage dreht.

Beständigkeit sucht man in solchen Zeiten anderswo. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen keiner Werften-Euphorie und keiner Charterraten-Panik. Sie haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie Krisen überdauern – ohne dass ihr Besitzer auf das Andauern eines Konflikts hoffen müsste. Als solider Baustein eines breit gestreuten Portefeuilles bieten sie genau jene Ruhe, die den zockenden Reedern derzeit abhandengekommen zu sein scheint.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Verluste jeglicher Art übernehmen wir keine Haftung.

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