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Hacker-Hitze im Kühlregal: Angriffswelle erreicht Niederbayern!

Hacker-Hitze im Kühlregal: Angriffswelle erreicht Niederbayern!
Symbolbild: KI-generiert

In der Nacht zu Montag sind in einem Edeka-Markt im niederbayerischen Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau) Kühltruhen, Kühlschränke und Frischetheken auf bis zu 50 Grad Celsius hochgefahren. Die Inhaberin spricht von einem Cyberangriff. Bestätigt sich das, ist Deutschland jetzt Teil einer Angriffsserie, die seit Wochen durch Europas Supermärkte zieht.

„Wie krank ist das bitte?“

Auf der Facebook-Seite des Marktes macht der Betreiber seiner Wut Luft. Er fragt, in was für einer kranken Welt man eigentlich lebe. Die Bilanz ist bitter:

„Die traurige Folge: Unmengen an Lebensmitteln mussten in die Tonne.“

Helfer von Foodsharing holten zwar kurzfristig ab, was sich noch retten ließ. Der Großteil von Fleisch, Wurst, Milchprodukten und Tiefkühlkost sei aber im Müll gelandet. Ab Dienstag sollen die Regale wieder mit frischer Ware gefüllt sein.

Gegenüber der Mediengruppe Bayern zeigte sich Inhaberin Christina Ernst überzeugt: Es sei „definitiv“ ein Cyberangriff gewesen. Die Täter hätten die Warnfunktion ausgehebelt und die Kühlung auf warm geschaltet. Von ihren elf Märkten sei nur Reisbach betroffen. Das Polizeipräsidium Niederbayern bestätigte den Vorfall. Die Anlage sei mit dem Internet verbunden, ein Angriff liege also im Bereich des Möglichen. Einen Nachweis gebe es bisher aber nicht.

Von Sizilien bis Finnland: Ein Kontinent taut auf

Den Anfang machte Frankreich. Am 12. Oktober fielen dort in Hunderten Filialen von Intermarché und Coopérative U die Kühlanlagen aus. Sämtliche gekühlte und gefrorene Ware musste vernichtet werden. Seitdem breitet sich das Muster aus, wie Behörden und Händler berichten:

  • Belgien: Delhaize, Carrefour, Colruyt, Intermarché und Spar betroffen, allein bei Carrefour rund 15 Filialen. Die Täter hätten die Anlagen in den Abtau-Modus geschaltet. Auch eine Ikea-Filiale in Mons meldete einen Angriff.
  • Schweden: Bei Ica in Sjöbo seien die Geräte auf 50 Grad gestellt worden, Coop meldete Probleme an sechs von 800 Standorten.
  • Luxemburg, Finnland, Estland: vier Delhaize-Märkte, mehrere kleine Läden der Kesko-Gruppe, mindestens ein estnischer Supermarkt.
  • Italien: mindestens vier Coop-Märkte auf Sizilien sowie ein Restaurantbetrieb in der Toskana.

Am Montag meldeten außerdem Irland, die Niederlande und Portugal ähnliche Attacken. Zu den Taten bekannte sich bislang niemand. Lösegeld wurde nach bisherigen Berichten auch nicht gefordert.

Uralt-Technik mit offener Hintertür

Das eigentliche Problem liegt tiefer, und es ist hausgemacht. Laut dem Kühltechnik-Anbieter Kitman Coldtech handelt es sich bei den betroffenen Geräten in Frankreich und Finnland um ältere Modelle. Die französische Cyberbehörde nannte Medienberichten zufolge Steuerungen der Hersteller Danfoss und Copeland. Danfoss erklärte demnach, viele dieser Geräte bekämen längst keine Sicherheitsupdates mehr. Die Schwachstellen sollen seit August öffentlich bekannt gewesen sein.

IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker bringt es auf den Punkt: „Über Jahrzehnte wurde vernetzt, ohne an Sicherheit zu denken.“ Ein britischer Sicherheitsforscher sagte der Agentur Reuters sogar, die Angriffe seien so einfach gewesen, dass auch „Kinder, die herumspielen“, dahinterstecken könnten. Das ist für alle Beteiligten ein beschämender Befund.

Brüssel besorgt, Berlin gefordert

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem „bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben“. Die Häufung sei „zutiefst besorgniserregend“. Die Lebensmittelsicherheit in Europa sei derzeit aber nicht gefährdet.

Beruhigend klingt das nur bedingt. Brüssel überzieht Händler und Mittelständler mit einer Flut an Dokumentationspflichten. Trotzdem hängt die Kühlkette offenbar an veralteten Steuerungen, die über das Internet erreichbar sind. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnte bereits nach dem Angriff in Frankreich, dass jedes Land betroffen sein könne und Nachahmer jederzeit möglich seien. Jetzt steht womöglich der erste Fall in Bayern im Raum.

Klar ist: Weniger Formulare würden hier mehr helfen als neue Vorschriften. Gebraucht werden digitale Grundhygiene und eine Politik, die die kritische Infrastruktur endlich ernst nimmt. Wer die Bilder aus Reisbach sieht, versteht auch, warum vorausschauende Bürger beim Thema Vorsorge lieber auf sich selbst setzen als auf staatliche Beschwichtigungen.

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22.06.2026
9 Min.

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