
Harald Schmidt kontert Sexismus-Doku: „Hätte mich erschossen!“

Er wird als einer der „Bösewichte“ des 90er-Jahre-Fernsehens gezeigt und lacht darüber. Bei einem Auftritt im Format „Deutschlandfunk Kultur on Tour“ im September in Schwerin hat eine Zuschauerin Harald Schmidt auf die Dokumentation „Was haben wir gelacht“ angesprochen. Seine Antwort geht jetzt im Netz viral, und mit ihr flammt eine Debatte neu auf, die eigentlich schon abgeklungen schien.
Ein Film, der mit der Vergangenheit abrechnet
Die Dokumentation der Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider läuft seit Mitte Juli 2026 in den Kinos und dauert rund 96 Minuten. Sie blickt auf das Unterhaltungsfernsehen der Neunziger zurück, das von Männern dominiert war. Zu Wort kommen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins.
Ausschnitte aus „Wetten, dass..?“, „Herzblatt“ und der „Harald Schmidt Show“ sollen eine Ära belegen, in der Frauen vor allem Assistentinnen, Ansagerinnen oder die Pointe waren. Die Showmaster selbst hat der Film allerdings nicht konfrontiert. Zu Wort kommen sie darin nicht. Eine Anklage ohne Verteidigung also? Kritiker dürften genau das bemängeln.
„Muss ich nicht sehen“
Ob er den Film gesehen habe, wollte die Frau im Theaterzelt des Mecklenburgischen Staatstheaters wissen. Schmidt verneinte trocken:
„Nein, muss ich nicht sehen, weil ich hab ja die Witze gemacht in dieser Dokumentation.“
Das Publikum lachte. Als die Fragestellerin nachsetzte, das mache er ja heute noch, spielte Schmidt den Verwunderten und legte nach: Eine „Tante“ könne sich doch „mal ein bisschen aufbrezeln“, wenn sie in die Show komme. Applaus. Moderator Korbinian Frenzel merkte an, Schmidt habe sich bislang noch nicht um Kopf und Kragen geredet, schaffe es aber nun zum Schluss.
Die „Hauptbösewichte“ und ein Grimme-Preis
Der 69-Jährige empfahl den Film trotzdem nachdrücklich und nannte ihn eine Hommage an die goldene Zeit der deutschen Fernsehunterhaltung. Die vier Hauptbösewichte seien Kulenkampff, Carrell, Gottschalk und er selbst. „Und wenn ich da nicht dabei gewesen wäre, hätte ich mich erschossen.“
Und dann kam die Pointe, die sitzt: Alle Damen, die sich im Film äußerten, seien gern gesehene Gäste in seiner Show gewesen, Hella von Sinnen wohl zehn- oder elfmal. Von Bettina Böttinger habe er sogar seinen ersten Grimme-Preis bekommen. Einen Skandal gebe es bei ihm nicht aufzudecken, denn alles sei vor der Kamera passiert. Verona Feldbusch habe er live übers Gesicht geleckt, „weil sie es wollte“.
Das Netz feiert, Kritikerinnen grollen
Die YouTuberin Nina Kirsch und der Creator Walter Elsässer haben den Mitschnitt veröffentlicht. Binnen kürzester Zeit kamen mehr als 10.000 Likes zusammen. Kirsch nannte die Reaktion „genial“, weil Schmidt nicht ausweiche, sondern schlagfertig auf die Vorwürfe und die Doppelmoral dahinter antworte. Frauke Ludowig und Simone Thomalla applaudierten in den Kommentaren.
Bemerkenswert ist, wie viele Frauen ihm beipflichten. „Als Frau finde ich ihn immer noch genial“, schreibt eine Nutzerin. Kritische Stimmen gibt es auch, man muss sie aber suchen. Eine Userin sieht in Schmidt einen „gekränkten alten Mann“, der Film habe niemanden angeklagt.
Satire gegen Zeitgeist
Der Fall zeigt, wie groß der Graben ist zwischen den moralischen Rückblicken mancher Kulturschaffender und dem Humor, mit dem ein Millionenpublikum groß geworden ist. Schmidt bedankte sich sogar spöttisch für die Gratis-PR: Er habe „einen unglaublich präsenten, medialen Sommer“ gehabt, ohne etwas dafür zu tun.
Pikant ist auch der Rahmen. Der Konter fiel ausgerechnet auf einer Bühne des öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunks, also eines Senderverbunds, der sonst gern selbst mit sensibler Sprache voranschreitet. Dort zeigte ein Altmeister der Satire, dass Ironie die schärfste Antwort auf Belehrungen sein kann. Sein Schlusswort klang entsprechend: Die Völker der Welt sollten den Film ruhig ansehen, aber nicht vergessen, wer der Star sei.
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