
HSBC kappt Goldprognose erneut: Ist die Gold-Rally jetzt vorbei?

Die britische Großbank HSBC hat ihre Goldpreisprognosen innerhalb von knapp drei Monaten zum zweiten Mal gesenkt. Für 2026 rechnen die Analysten Medienberichten zufolge nur noch mit einem Durchschnittspreis von 4.490 US-Dollar je Feinunze. Als Grund nennt die Bank eine straffe US-Notenbank, einen starken Dollar und hohe Anleiherenditen. Wer genauer hinsieht, findet in derselben Prognose allerdings auch erstaunlich viel Zuversicht.
Zweimal gestutzt in drei Monaten
Den ersten Schritt machte HSBC am 9. Juli. Damals senkte die Bank ihre Durchschnittsprognose für 2026 von 4.864 auf 4.560 Dollar und für 2027 von 5.000 auf 4.925 Dollar. Für den Rest des Jahres erwartete sie eine Handelsspanne von 3.800 bis 4.700 Dollar.
Am 1. Oktober folgte die zweite Kürzung, diesmal auf 4.490 Dollar für 2026 und 4.825 Dollar für 2027. Zu Wochenbeginn kostete Gold rund 4.140 Dollar. Ende Januar hatte der Preis noch einen Rekord von 5.594,82 Dollar erreicht. Seitdem hat Gold mehr als 20 Prozent verloren.
Die Fed bremst das Gold
Gold bringt keine Zinsen. Steigen die Renditen von Anleihen, wird es für Anleger also teurer, Gold zu halten. Genau das passiert gerade. Berichten zufolge hat der Konflikt zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis nach oben getrieben und die Angst vor Inflation geschürt. Die Federal Reserve hob daraufhin erstmals seit drei Jahren die Zinsen an.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Ökonomen von HSBC rechnen im Dezember mit einer weiteren Zinserhöhung. Bereits im Juli hatte die Bank erklärt, dass die veränderte Sicht auf die US-Geldpolitik und deren Folgen für den Dollar wesentliche Gründe für die Verkäufe und Kursverluste seien.
Auch große Finanzanleger halten sich zurück. Laut Berichten fielen die Netto-Long-Positionen spekulativer Investoren im September auf den tiefsten Stand seit Ende Juli. Aus Gold-ETFs flossen weiter Bestände ab.
Das Kleingedruckte: Ist ein Boden in Sicht?
Liest man die gesamte HSBC-Analyse, klingt sie weniger düster als die Überschriften. Die Bank sieht Gold nach eigenen Angaben womöglich nahe an einem Boden. Mehrere langfristige Stützen bestünden weiter:
- wachsende Haushaltsdefizite und hohe Staatsschulden weltweit
- anhaltende wirtschaftspolitische Unsicherheit
- starke Investmentnachfrage aus China und eine sich erholende Nachfrage in Indien
- Zentralbanken, die nach Einschätzung der Bank langfristig weiter Gold kaufen dürften
Auch die gesenkte Prognose für 2027 liegt rund 16 Prozent über dem aktuellen Preis. Andere Häuser sind noch optimistischer. JP Morgan etwa nennt für das Schlussquartal 2026 weiterhin einen Durchschnittspreis von 6.000 Dollar. Schon im Juli hatte HSBC betont, dass Kursverluste wegen des Iran-Konflikts allein nach ihrer Einschätzung nicht lange anhalten dürften.
Was das für Anleger in Deutschland bedeutet
Kursrückgänge von 20 bis 40 Prozent sind in langen Aufwärtsphasen beim Gold nichts Ungewöhnliches. In der Finanzkrise 2008 fiel der Preis um rund ein Drittel. Drei Jahre später erreichte er ein neues Rekordhoch.
Die Schuldenlast, die HSBC als langfristigen Treiber nennt, gibt es auch in Deutschland. Die Bundesregierung plant ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, obwohl der Kanzler vor der Wahl solide Finanzen versprochen hatte. Bezahlen werden das künftige Steuerzahler. Für Sparer ist das ein Grund mehr, einen Teil ihres Vermögens außerhalb des Papiergeldsystems anzulegen.
Bankprognosen ändern sich oft, die Gründe für Gold als Vermögensschutz bleiben bestehen. Physisches Gold und Silber sind deshalb vor allem als langfristiger Baustein in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll und weniger als Instrument für schnelle Gewinne. Wer in Ruhe und schrittweise kauft, muss nicht auf jede Äußerung der Fed reagieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich. Vergangene Kursentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.












