
Hyatt-Chef tritt wegen Epstein-Verbindungen zurück – die Dominosteine fallen
Es ist ein Rücktritt, der es in sich hat: Thomas J. Pritzker, seit über zwei Jahrzehnten Vorstandsvorsitzender der Hyatt Hotels Corporation und Spross einer der reichsten Familien Amerikas, hat am 16. Februar mit sofortiger Wirkung seinen Posten geräumt. Der Grund? Seine Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell. Was Pritzker selbst als „schreckliches Urteilsvermögen" bezeichnete, wirft einmal mehr ein grelles Scheinwerferlicht auf die Verflechtungen der globalen Machtelite.
Ein spätes Eingeständnis mit bitterem Beigeschmack
In einem Schreiben an seine Vorstandskollegen räumte der 75-jährige Pritzker ein, den Kontakt zu Epstein und Maxwell zutiefst zu bereuen. Es gebe „keine Entschuldigung" dafür, sich nicht früher distanziert zu haben. Er verurteile die Taten und das Leid, das Epstein und Maxwell ihren Opfern zugefügt hätten, und empfinde „tiefe Trauer" über deren Schmerz. Schöne Worte – doch sie kommen reichlich spät.
Denn die veröffentlichten Dokumente zeigen unmissverständlich: Pritzker und Epstein tauschten noch nach dessen Verurteilung im Jahr 2008 wegen der Anwerbung einer minderjährigen Prostituierten freundschaftliche E-Mails aus. Man fragt sich unweigerlich: Wie „schrecklich" kann das eigene Urteilsvermögen sein, wenn man mit einem verurteilten Kinderschänder weiterhin herzlich korrespondiert?
Die Epstein-Akten bringen das Establishment ins Wanken
Pritzkers Abgang ist bei weitem kein Einzelfall. Seit das US-Justizministerium unter der Trump-Administration Millionen von Dokumenten aus dem Epstein-Komplex freigegeben hat, purzeln die Köpfe in den Chefetagen der amerikanischen Wirtschafts- und Politikelite wie reife Äpfel im Herbst. Die Veröffentlichung dieser Akten – ein Versprechen, das Donald Trump bereits im Wahlkampf gegeben hatte – entfaltet nun ihre volle Sprengkraft.
Kathryn Ruemmler, Chefjuristin von Goldman Sachs, kündigte ihren Rücktritt an, nachdem E-Mails mit Epstein öffentlich wurden. Talent-Manager Casey Wasserman, der einflussreiche Anwalt Brad Karp sowie weitere hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Diplomatie – sie alle mussten ihre Posten räumen, nachdem ihre Kommunikation mit Epstein oder Maxwell ans Tageslicht kam.
Ein System der Verstrickungen
Was sich hier offenbart, ist weit mehr als eine Ansammlung individueller Fehltritte. Es ist das Bild eines Systems, in dem die Mächtigen dieser Welt offenbar jahrelang einen Mann in ihrer Mitte duldeten – ja, pflegten –, dessen kriminelle Machenschaften ein offenes Geheimnis waren. Jeffrey Epstein wurde 2019 wegen Sexhandels verhaftet und starb wenig später in seiner Gefängniszelle in Manhattan. Der offizielle Befund lautete: Suizid. Ein Urteil, das bis heute von vielen Menschen angezweifelt wird.
Ghislaine Maxwell, Epsteins langjährige Vertraute und Mittäterin, wurde 2021 schuldig gesprochen, minderjährige Mädchen für sexuellen Missbrauch rekrutiert und vorbereitet zu haben. Sie verbüßt eine Haftstrafe von 20 Jahren.
Hyatt geht zur Tagesordnung über
Bei Hyatt selbst gibt man sich betont professionell. Der bisherige Präsident und CEO Mark S. Hoplamazian übernimmt mit sofortiger Wirkung auch den Vorsitz des Verwaltungsrats. Man danke Pritzker für seine „Führung und sein Engagement", ließ das Unternehmen verlauten. Pritzker hatte die Hotelkette seit 2004 als Vorstandsvorsitzender geführt und war über vier Jahrzehnte mit dem Konzern verbunden. Unter seiner Ägide ging Hyatt an die Börse und expandierte weltweit.
Pritzker selbst erklärte, er wolle sich künftig seiner Familienstiftung und „anderen Aktivitäten" widmen. Strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn persönlich bestehen nicht – zumindest bislang.
Die unbequeme Wahrheit
Die Epstein-Affäre ist ein Lehrstück darüber, wie tief die Verfilzung in den obersten Etagen der westlichen Gesellschaft reicht. Dass es ausgerechnet die Freigabe von Dokumenten unter der aktuellen US-Regierung brauchte, um diese Verstrickungen ans Licht zu bringen, spricht Bände über den Zustand unserer vermeintlich transparenten Demokratien. Jahrelang wurden diese Akten unter Verschluss gehalten – von Institutionen, die eigentlich dem Schutz der Schwächsten verpflichtet sein sollten.
Man darf gespannt sein, welche Namen als nächstes fallen werden. Die Dominosteine sind in Bewegung geraten, und das Beben dürfte noch lange nicht vorbei sein. Für die Opfer von Epstein und Maxwell mag das ein schwacher Trost sein – aber immerhin ein Anfang.

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