
ifo-Index klettert: Hoffnungsschimmer oder Stimmungs-Strohfeuer?

Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer steigt weiter. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Oktober auf 90,2 Punkte, nach 89,9 im September. Volkswirte hatten nur mit 90,0 gerechnet. Laut Medienberichten ist es der sechste Anstieg in Folge. Ein Grund zum Jubeln ist das aber nur bedingt.
Die Zahlen hinter der Schlagzeile
Wer genauer hinsieht, erkennt ein gespaltenes Bild. Getragen wird der Anstieg allein von der Hoffnung: Die Geschäftserwartungen sprangen von 90,4 auf 91,6 Punkte. Die Einschätzung der aktuellen Lage fiel dagegen von 89,5 auf 88,8 Punkte.
Anders gesagt: Die Firmen glauben an bessere Zeiten, spüren davon im Tagesgeschäft aber noch wenig. Das ifo-Institut, das jeden Monat rund 9.000 Unternehmen befragt, spricht trotzdem davon, dass sich die Konjunkturbelebung fortsetze.
Lichtblick Industrie: Erstmals seit drei Jahren im Plus
Die eigentliche Nachricht kommt aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Dort legte der Index nach Angaben der Münchner Forscher deutlich zu. Sowohl die Lageeinschätzung als auch die Erwartungen drehten erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ins Positive. Die Auftragseingänge seien gestiegen, die Betriebe planten deshalb, mehr zu produzieren.
Für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, das jahrelang unter Energiepreisen, Bürokratie und Abwanderung gelitten hat, ist das ein beachtliches Signal. Aber ist es schon die Wende?
Gemischte Lage in den übrigen Branchen
- Dienstleister: Das Klima bekam einen Dämpfer, weil die laufenden Geschäfte schlechter liefen. Die Erwartungen stiegen dagegen. Besonders gut schnitten die IT-Dienstleister ab.
- Handel: Der Index blieb unverändert. Die Lage wurde schlechter, der Ausblick etwas besser bewertet. Der Großhandel lag vor dem Einzelhandel.
- Bau: Der Index stieg. Die Firmen waren mit ihren Geschäften spürbar zufriedener, auch die Erwartungen legten leicht zu.
Erholung von einem tiefen Absturz
Ein Blick zurück relativiert die guten Nachrichten. Im April war der Index wegen des Iran-Kriegs und der folgenden Energiepreiskrise auf 84,4 Punkte eingebrochen. Das war der tiefste Stand seit Mai 2020, also seit den Corona-Lockdowns. Ökonomen warnten damals offen vor einer Rezession, die Bundesregierung halbierte ihre Wachstumsprognose für 2026 auf magere 0,5 Prozent.
Seitdem geht es Stück für Stück aufwärts: von 86,7 im Juli über 88,8 im August bis zu den aktuellen 90,2 Punkten. Das ist eine Erholung, aber kein Aufschwung. Hinzu kommt, dass die Energiepreise hoch bleiben. Die Bundesregierung reagierte mit einem Tankrabatt von 17 Cent je Liter, der seit dem 1. Oktober gilt. Der Staat dreht damit an Symptomen, die Ursachen der Standortschwäche bleiben.
Wen fragt das ifo eigentlich nicht mehr?
Ein Einwand wird in Leserkommentaren immer lauter: Unternehmen, die pleite sind, dichtgemacht haben oder ins Ausland abgewandert sind, tauchen in keiner Umfrage mehr auf. Statistiker nennen das den Survivorship Bias. Steigt die Stimmung, liegt das also womöglich auch daran, dass nur noch die Überlebenden befragt werden.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Oktober-Wert deshalb vor allem eines: ein Hoffnungsschimmer auf niedrigem Niveau. Schuldenfinanzierte Investitionsprogramme der Großen Koalition können die Stimmung kurzfristig heben. Wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Regulierung und niedrigere Abgaben ersetzen sie nicht.
Fazit: Vorsicht bleibt Trumpf
Zuversicht ist gut, Vorsorge ist besser. Wer sich gegen Krisen, Inflation und politische Fehler absichern will, setzt auf Werte, die kein Konjunkturzyklus aufzehrt. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur Vermögenssicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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