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Kettner Edelmetalle
17.02.2026
19:18 Uhr

Indien fordert die KI-Supermächte heraus – doch wie ernst ist es wirklich?

Während sich die Welt zunehmend um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz dreht, hat Indien diese Woche einen bemerkenswerten Vorstoß gewagt. Auf dem jährlichen globalen KI-Gipfel in Neu-Delhi, der am Montag begann, drängt die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi darauf, die Ressourcen hinter der Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu „demokratisieren". Ein ambitioniertes Ziel – oder doch nur geschickte Inszenierung?

Indiens Kampfansage an die Tech-Giganten

Dem Entwurf der Gipfelerklärung zufolge soll Künstliche Intelligenz für alle Länder der Welt erschwinglich und zugänglich gemacht werden. Die Formulierungen zielen unmissverständlich auf die amerikanischen und chinesischen Konzerne, die das Feld derzeit beherrschen. „Es ist wichtig, die Erschwinglichkeit und den Zugang zu KI-Ressourcen zu verbessern", heißt es in dem undatierten Entwurf. Rund um den Gipfelort in Neu-Delhi prangte auf Plakatwänden der Slogan: „Für Indien steht KI für allumfassend" – garniert mit einem Porträt Modis.

Dass ausgerechnet die beiden globalen Supermächte USA und China diese Sprache ablehnen dürften, überrascht kaum. Beide Nationen hatten sich bereits beim letzten KI-Gipfel in Paris 2025 geweigert, die Abschlusserklärung zu unterzeichnen. Es ist der dritte Gipfel dieser Art, nachdem die internationale Gemeinschaft 2023 in London erstmals über Regulierung und Sicherheit Künstlicher Intelligenz beraten hatte.

Open Source als Waffe gegen die Konzentration

Besonders bemerkenswert ist, dass der Deklarationsentwurf ausdrücklich Open-Source-KI-Systeme unterstützt – also frei verfügbare und modifizierbare Modelle wie Metas Llama, das französische Mistral oder Chinas DeepSeek. Die Erklärung betont, dass offene KI-Anwendungen zur Skalierbarkeit, Replizierbarkeit und Anpassungsfähigkeit von KI-Systemen über verschiedene Sektoren hinweg beitragen könnten.

Indiens Botschafter bei der EU, Saurabh Kumar, hatte die Stoßrichtung bereits im Februar umrissen: „Unser Hauptaugenmerk liegt auf Anwendungen, was mit der Demokratisierung der Künstlichen Intelligenz zusammenhängt. Wie können wir der breiten Bevölkerung Nutzen bringen?" Eine rhetorische Frage, die freilich leichter gestellt als beantwortet ist.

Kritiker wittern bloße Symbolpolitik

Denn nicht wenige Beobachter sehen in Indiens Demokratisierungsoffensive vor allem eines: geschicktes Marketing. Amber Sinha, Geschäftsführerin der Digitalrechteorganisation EDRi, bezeichnete den Vorstoß als „gute Optik". Zwar positioniere sich Indien damit als Anführer des Globalen Südens im weltweiten KI-Wettlauf, doch führe dies nicht zwangsläufig zu einer tatsächlich demokratischen Vision für Künstliche Intelligenz. Auch stelle es Indien nicht wirklich gegen die US-amerikanischen Tech-Riesen auf, so Sinha.

Die Realität scheint ihr recht zu geben. Denn gleichzeitig entsenden die größten amerikanischen KI-Unternehmen – darunter OpenAI, Google und Microsoft – ihre Spitzenmanager nach Neu-Delhi. Sie werden voraussichtlich über ihre Investitionen und Aktivitäten in Indien berichten. „Ein großer Teil des Gipfel-Pitches dreht sich darum, Investitionen anzulocken", merkte Sinha trocken an.

Die unbequeme Wahrheit hinter der Fassade

Besonders entlarvend wirkt eine Beobachtung von Shweta Rajpal Kohli, Präsidentin des India Startup Policy Forum. Wenn sie indische Gründer frage, ob sie sich über die Dominanz der US-Konzerne Sorgen machten, laute die Antwort regelmäßig: „Können Sie mir ein Treffen mit OpenAI organisieren? Können Sie mich in einen Raum mit Nvidia bringen?" So viel also zur Rebellion gegen die Tech-Hegemonie.

Was bleibt, ist ein Gipfel, der am Donnerstag seinen Höhepunkt erreichen wird – unter anderem mit der Teilnahme des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Verhandlungen über die Abschlusserklärung laufen weiter. Ob am Ende mehr als wohlklingende Worte herauskommen, darf bezweifelt werden.

Was bedeutet das für Europa und Deutschland?

Für Deutschland und Europa sollte dieser Gipfel ein Weckruf sein. Während Indien zumindest den Anspruch formuliert, im globalen KI-Rennen mitzumischen, droht der alte Kontinent weiter zurückzufallen. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt, doch ob davon nennenswerte Summen in die KI-Forschung fließen werden, steht in den Sternen. Stattdessen beschäftigt sich die deutsche Politik lieber mit Regulierung und Bürokratie – während die Musik längst anderswo spielt.

Die Konzentration von KI-Ressourcen und -Fähigkeiten bei wenigen Nationen und Konzernen, die der Gipfel zu Recht beklagt, ist auch eine Folge europäischer Untätigkeit. Wer jahrelang Innovation durch Überregulierung erstickt und gleichzeitig Milliarden in ideologische Projekte steckt, statt in Zukunftstechnologien zu investieren, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende nur noch zuschauen kann. Die Frage ist nicht, ob Indien die KI-Dominanz der USA und Chinas brechen kann – sondern ob Europa überhaupt noch im Spiel ist.

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Wer ist: Ernst Wolff

Ernst Wolff ist ein renommierter Wirtschaftsjournalist und Autor. Geboren in 1950 in China, in der Stadt Tianjin, zog er schon als Kleinkind mit seiner Familie nach Südkorea und von dort nach Deutsch…
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