
Indiens KI-Gipfel versinkt im Chaos – wenn Hightech-Visionen an der Realität scheitern
Es sollte das strahlende Aushängeschild des Globalen Südens werden, ein technologisches Großereignis von historischer Dimension. Doch was sich am Eröffnungstag des „AI Impact Summit" in Neu-Delhi abspielte, glich eher einem organisatorischen Fiasko als einem Meilenstein der Menschheitsgeschichte. Premierminister Narendra Modi persönlich eröffnete den fünftägigen Gipfel, an dem mehr als 100 Länder teilnehmen – und der mit stundenlangen Warteschlangen, gesperrten Zugängen und sogar Diebstählen an Messeständen für Schlagzeilen sorgte.
Große Worte, kleine Taten
Modi verkündete bei der Eröffnung vollmundig, der Gipfel demonstriere „das außerordentliche Potenzial von KI, indischem Talent und Innovation". Indien wolle Lösungen „nicht nur für Indien, sondern für die Welt" entwickeln. Schöne Worte. Doch während der Premierminister seine Vision einer KI-getriebenen Zukunft zeichnete, standen draußen Zehntausende Besucher in der Schlange – teilweise ab sieben Uhr morgens. Vor dem Eintreffen Modis sei es sogar zu einer „vollständigen Evakuierung" gekommen, wie der Gründer der Plattform Reskill berichtete.
Rund 70.000 Besucher strömten allein am ersten Tag auf das Gelände. Ein KI-gestütztes Zugangssystem namens DigiYatra, das mit Gesichtserkennung und QR-Codes arbeiten sollte, kapitulierte unter dem Ansturm. Die Ironie könnte kaum größer sein: Ein Gipfel, der die Überlegenheit künstlicher Intelligenz feiern will, scheitert an einem KI-basierten Einlasssystem. Sicherheitskontrollen dauerten in Spitzenzeiten bis zu 45 Minuten.
Gestohlene Produkte und verschlossene Türen
Die Beschwerden in den sozialen Medien nahmen schnell überhand. Maitreya Wagh, Mitgründer des KI-Start-ups Bolna, schilderte auf der Plattform X, er habe seinen eigenen Messestand nicht betreten können, weil Zugänge gesperrt worden seien. Noch gravierender: Dhananjay Yadav, Gründer des Wearable-Start-ups NeoSapiens, gab an, dass Produkte von seinem Stand in der Hochsicherheitszone gestohlen worden seien. Hochsicherheitszone – man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.
Soumya Sharma, Gründer von Livo AI, brachte die Frustration vieler Teilnehmer auf den Punkt. Wichtige Diskussionen hätten hinter verschlossenen Türen stattgefunden, Sitzungen seien wegen Überfüllung abgebrochen worden. Sein vernichtendes Urteil: „Solange wir die Grundlagen nicht beherrschen, können wir nicht behaupten, KI voll auszuschöpfen." Treffender lässt sich das Debakel kaum zusammenfassen.
Minister entschuldigt sich – und feiert sich selbst
IT-Minister Ashwini Vaishnaw versuchte am Dienstag auf einer Pressekonferenz Schadensbegrenzung zu betreiben. Er entschuldigte sich bei den Ausstellern für „jegliche Unannehmlichkeiten" und kündigte die Einrichtung eines sogenannten „War Room" zur Problemlösung an. Gleichzeitig konnte er sich jedoch nicht verkneifen, die Veranstaltung als „größten KI-Gipfel der Welt" mit „phänomenaler Resonanz" zu preisen. Die Organisation sei allerdings „sehr langsam" gewesen, räumte er ein. Eine bemerkenswerte Untertreibung.
Zu dem Gipfel werden unter anderem Technologiegrößen wie OpenAI-Chef Sam Altman und Alphabet-CEO Sundar Pichai sowie mehr als 20 Staats- und Regierungschefs erwartet. Ob diese illustre Gästeschar die chaotischen Zustände des Eröffnungstages vergessen machen kann, bleibt abzuwarten.
Ein Lehrstück – auch für Europa
Das Debakel von Neu-Delhi ist mehr als nur eine peinliche Panne. Es offenbart ein grundsätzliches Problem, das auch hierzulande nur allzu bekannt ist: den Graben zwischen politischer Rhetorik und praktischer Umsetzung. Während Regierungen weltweit mit großen KI-Strategien und milliardenschweren Investitionsprogrammen aufwarten, hapert es an den elementarsten Grundlagen – sei es bei der Infrastruktur, der Organisation oder schlicht beim gesunden Menschenverstand. Deutschland, das im globalen KI-Wettrennen ohnehin kaum eine Rolle spielt und sich lieber mit Regulierung als mit Innovation beschäftigt, sollte dieses Schauspiel aufmerksam verfolgen. Denn wer nicht einmal die Logistik einer Großveranstaltung beherrscht, wird die technologische Revolution der kommenden Jahrzehnte kaum anführen können.
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