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Job-Beben in Deutschland: Industrie streicht, Zeitarbeit jubelt!

Job-Beben in Deutschland: Industrie streicht, Zeitarbeit jubelt!
Symbolbild: KI-generiert

Ein kleines Plus auf dem Papier, aber noch lange kein Aufschwung: Das ifo-Beschäftigungsbarometer ist im Oktober 2026 von 95,1 auf 95,5 Punkte gestiegen. Deutschlands Unternehmen wollen damit etwas weniger Stellen streichen als im September. Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt allerdings einen tief gespaltenen Arbeitsmarkt.

Ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht

Selbst die Münchner Wirtschaftsforscher bremsen die Euphorie. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, ordnet die Zahlen nüchtern ein:

„Die Unternehmen werden beim Stellenabbau etwas vorsichtiger. Für einen breiten Beschäftigungsaufbau fehlt dem Aufschwung aber noch die Stärke.“

Wichtig ist dabei, was das Barometer misst. Gefragt wird nach den Personalplänen der Firmen für die kommenden drei Monate. Wie viele Jobs tatsächlich verschwinden oder neu entstehen, lässt sich daran nicht ablesen. Es ist also ein Stimmungsbild und keine Bilanz.

Dienstleister drehen auf

Die Dienstleister melden die deutlichste Verbesserung. Ihr Beschäftigungssaldo kletterte von 0,70 Punkten im September auf 3,37 Punkte im Oktober. So hoch lag er zuletzt im Mai 2025. Ein positiver Saldo heißt: Mehr Unternehmen wollen Personal aufbauen als abbauen. Noch im Juni lag der Wert im Minus.

Zeitarbeit als Krisenseismograf

Besonders aufschlussreich ist eine Sonderauswertung des ifo-Instituts, über die in Medienberichten zu lesen war. Demnach hellen sich die Pläne der Zeitarbeitsfirmen auf, im Frühjahr hatte dort noch der Abbau überwogen. Das könnte darauf hindeuten, dass Betriebe in unsicheren Zeiten lieber flexible Kräfte holen, statt sich langfristig zu binden. Belegen lassen sich die Motive mit den Salden allein jedoch nicht.

Andere Branchen kühlen ab. Die IT-Branche will weniger einstellen als vor einem Jahr. Rechts- und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer suchen zwar weiter Personal, aber mit weniger Elan. In Werbung und Marktforschung, im Mobilien-Leasing, im Gastgewerbe und im Straßengüterverkehr planen die Firmen unter dem Strich sogar Stellenabbau.

Autoland Deutschland im Rückwärtsgang

In der Industrie hat sich die Lage im Jahresvergleich zwar spürbar verbessert, der Saldo stieg von minus 19,15 im Oktober 2025 auf minus 9,93 Punkte. Gegenüber September (minus 9,39) ging es aber wieder leicht bergab. Zuletzt hatte die Industrie nach ifo-Angaben Anfang 2023 Personal aufbauen wollen. Das ist eine Ewigkeit für eine Exportnation.

Am härtesten trifft es die Autobauer. Allein Volkswagen will bis 2030 rund 47.000 Stellen streichen. Seit 2019 sind in der Branche etwa 142.000 Arbeitsplätze verschwunden. Lichtblicke gibt es nur bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen, die wieder mehr Leute einstellen wollen.

Kaum besser sieht es im Handel aus, wo die Flaute anhält. Im Bauhauptgewerbe fiel der Saldo von minus 1,53 auf minus 3,74 Punkte, so tief wie seit Februar 2025 nicht mehr. Ausgerechnet am Bau, wo das 500-Milliarden-Sondervermögen der Bundesregierung doch Schwung bringen soll. Kritiker dürften fragen, wann die versprochenen Milliarden eigentlich bei den Baufirmen ankommen.

Drei Millionen Arbeitslose und trotzdem offene Stellen

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im September rund drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Warum viele freie Stellen trotzdem unbesetzt bleiben, erklären BA-Chefin Andrea Nahles und Vorstand Daniel Terzenbach in einem Beitrag im ifo Schnelldienst. Ihrer Darstellung nach passen die Qualifikationen der Arbeitsuchenden oft nicht zu dem, was die Unternehmen brauchen.

Dazu kommt ein räumliches Problem. Neue Jobs entstehen selten dort, wo alte wegfallen. Hohe Mieten, lange Pendelwege und familiäre Bindungen machen einen Umzug schwer. Wer in Wolfsburg seinen Job verliert, zieht nicht ohne Weiteres in eine teure Großstadt.

Unterm Strich zeigt sich ein Arbeitsmarkt mit zwei Geschwindigkeiten. Die Industrie, über Jahrzehnte das Rückgrat des deutschen Wohlstands, schrumpft weiter, während Zeitarbeit und einzelne Dienstleister zulegen. Ob die Politik diesen Strukturwandel aktiv gestaltet oder ihn nur verwaltet, wird sich an den Industriezahlen der kommenden Monate zeigen.

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