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Journalistenpreis für Hayali: Ehrt sich das ZDF jetzt selbst?

Journalistenpreis für Hayali: Ehrt sich das ZDF jetzt selbst?
Symbolbild: KI-generiert

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat am Donnerstagabend in Hamburg den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis bekommen, einen der wichtigsten Preise für Fernsehjournalismus in Deutschland. Sie teilt sich die Auszeichnung mit ihrer Senderkollegin Sarah Tacke. Dabei musste das ZDF wegen Hayalis Sendungen allein in diesem Jahr mehrfach korrigieren und sich entschuldigen.

Die Jury lobt ihren Mut

Laut Jury hat sich Hayali vor allem um die Meinungs- und Pressefreiheit verdient gemacht. Die Moderatorin von „heute journal“ und „Morgenmagazin“ lasse sich von Anfeindungen und Hass nicht einschüchtern, heißt es in der Begründung. Tacke leitet die ZDF-Redaktion Recht und Justiz. Das Preisgeld von 5.000 Euro geht laut Berichten zu gleichen Teilen an beide.

Den Vorsitz der Jury hat Sandra Maischberger. Der Verein begründet die Wahl mit einer düsteren Lage: Journalismus, der auf Fakten beruht, stehe unter nie dagewesenem Druck. In zwei Bundesländern stehe eine Partei kurz vor der Macht, die versprochen habe, den Medienstaatsvertrag zu kündigen.

Eine Bilanz mit Kratzern

Bei genauerem Hinsehen staunt man. 2026 gab es rund um Hayalis Sendungen auffällig viele Pannen:

  • Februar: Ein von ihr moderierter Beitrag über die US-Einwanderungsbehörde ICE zeigte Medienberichten zufolge veraltete Aufnahmen und KI-Material ohne Kennzeichnung. Nach heftiger Kritik entschuldigte sich das ZDF und löschte den Beitrag.
  • Juli: Die Deutsche Bahn beanstandete die Doku „Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“. Der Sender korrigierte unter anderem eine Zahl zu digitalen Stellwerken und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Nach eigenen Angaben tat er das als Entgegenkommen und ohne eine Rechtspflicht anzuerkennen. Anfang September verzichtete die Bahn auf weitere juristische Schritte.
  • Fall Kirk: Nach dem gewaltsamen Tod des konservativen US-Aktivisten Charlie Kirk im Herbst 2025 hatte Hayali dessen politische Haltung scharf verurteilt. Das ZDF räumte damals ein, manche ihrer Aussagen könnten als Billigung der Tat verstanden werden. Eine solche Absicht habe Hayali aber nicht gehabt.

Für die Jury scheint das keine Rolle gespielt zu haben. Kritiker werfen der Moderatorin seit Jahren vor, zu links und zu einseitig zu berichten. Ausgerechnet jetzt kommt die Auszeichnung für kritischen Journalismus. Ironischer könnte der Zeitpunkt kaum sein.

Der Satz, der zum Bumerang wird

Der Preis ist nach Hanns-Joachim Friedrichs benannt, dem legendären Moderator der „Tagesthemen“. Er starb 1995, seitdem wird die Auszeichnung vergeben. Bis heute zitiert die Branche seinen bekanntesten Satz:

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“

Genau an diesem Satz messen Kritiker die Preisträgerin. Hätte Friedrichs seinen eigenen Leitsatz in dieser Wahl wiedererkannt? Darüber darf man streiten. Aus Sicht unserer Redaktion zählt Haltung im Fernsehen inzwischen offenbar mehr als sauberes Handwerk.

Preise im eigenen Haus?

Ein Blick auf die früheren Preisträger lohnt sich: Petra Gerster, Anne Will, Maybrit Illner, Sandra Maischberger, Marietta Slomka, Oliver Welke, Claus Kleber, Ina Ruck und Elmar Theveßen. Alle diese Namen stehen für ARD oder ZDF.

Eine frühere Preisträgerin leitet heute die Jury. Beide Hauptpreise gehen an das ZDF. Der Sonderpreis geht an die NDR-Medienredaktion „Zapp“, der Förderpreis an einen NDR-Journalisten. Viele Beobachter sehen darin einen Betrieb, der sich vor allem selbst lobt.

Die Rechnung zahlt der Bürger

Das ist mehr als Branchenklatsch. Millionen Haushalte zahlen jeden Monat den Rundfunkbeitrag, ob sie wollen oder nicht. Sie dürfen erwarten, dass Fakten stimmen, Bilder echt sind und Meinung als Meinung erkennbar ist. Vertrauen gewinnt man nicht mit Preisen im eigenen Umfeld, sondern mit sorgfältiger Arbeit. Das Publikum merkt sich den Unterschied.

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