
Kahlschlag bei Otto: Hamburger Handelsriese streicht erneut hunderte Arbeitsplätze

Es ist ein Trauerspiel, das sich in der deutschen Wirtschaftslandschaft mit erschreckender Regelmäßigkeit wiederholt: Der Hamburger Handelsriese Otto, einst stolzes Aushängeschild des deutschen Versandhandels, greift erneut zum Rotstift. Knapp 460 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden – vornehmlich am Stammsitz Hamburg. Betroffen seien insbesondere die Bereiche Marketing, Controlling und Technologie. Und das Bittere daran: Es ist bei weitem nicht die erste Entlassungswelle.
Ein Traditionsunternehmen im Überlebenskampf
Man muss sich die Dimension vor Augen führen. Erst im vergangenen Jahr wurden bereits 480 Arbeitsplätze durch die Schließung von Kundencentern vernichtet. Nun folgt der nächste Aderlass. Die Betriebsratsvorsitzende Grit Marlow-Buchholz sprach vom größten Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens. Ein Satz, der schwer wiegt – und der die ganze Dramatik der Lage offenbart.
„Es ist ein schwerer Schlag für die Beschäftigten", so die Betriebsratsvorsitzende. Man habe hart verhandelt und Teilerfolge in einigen Bereichen erzielen können.
Teilerfolge. Ein Wort, das nach Trostpflaster klingt, nicht nach Aufbruch. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei „angespannt" – eine diplomatische Umschreibung für das, was in den Fluren und Büros des Hamburger Konzerns tatsächlich herrschen dürfte: blanke Existenzangst.
Transformation als Euphemismus für Schrumpfkur
Otto selbst verpackt den massiven Personalabbau in die wohlklingende Sprache moderner Unternehmensberatung. Von einem „Transformationsprogramm" ist die Rede, von der Vereinfachung interner Strukturen, vom Abbau von Bürokratie. Die jährliche Kostenbasis solle bis zum Geschäftsjahr 2027/28 um satte 110 Millionen Euro auf dann 500 Millionen Euro gesenkt werden. Das Unternehmen wolle sich zur „technologiegetriebenen Plattform" weiterentwickeln und seine Investitionsfähigkeit steigern.
Klingt modern. Klingt zukunftsgewandt. Doch hinter den geschliffenen Formulierungen verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit: Der nach Amazon zweitgrößte Onlineshop Deutschlands kämpft ums Überleben in einem Markt, der von amerikanischen und zunehmend chinesischen Giganten dominiert wird. Während Plattformen wie Temu und Shein den europäischen Markt mit Billigware fluten und Amazon seine Marktmacht ungebremst ausbaut, geraten deutsche Unternehmen immer stärker unter Druck.
Sozialverträglicher Abbau – oder leere Versprechen?
Otto kündigte an, die Veränderungen „so fair, respektvoll, transparent und sozialverträglich wie möglich" zu gestalten. Für die betroffenen Mitarbeiter soll es Altersteilzeit-Angebote, Aufhebungsverträge und die Möglichkeit eines Wechsels in eine Transfergesellschaft geben. Letztere übernimmt Arbeitnehmer befristet, qualifiziert sie weiter und versucht, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu vermitteln – im günstigsten Fall. Im ungünstigsten Fall landen sie in der Arbeitslosenstatistik.
Symptom einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise
Der Fall Otto ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom. Deutschland erlebt derzeit eine Welle von Stellenstreichungen, die quer durch alle Branchen geht. Die Gründe sind vielfältig: explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratielast, eine Steuerpolitik, die Unternehmen eher vertreibt als anzieht, und ein wirtschaftspolitisches Umfeld, das Innovation bestraft statt belohnt. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht hat – finanziert auf Pump und zu Lasten kommender Generationen –, fehlt es an echten strukturellen Reformen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähig machen würden.
Die Frage, die sich stellt, ist so einfach wie unbequem: Wie viele Traditionsunternehmen müssen noch schrumpfen, wie viele Arbeitsplätze müssen noch verschwinden, bevor die Politik begreift, dass wohlklingende Transformationsprogramme kein Ersatz für eine vernünftige Wirtschaftspolitik sind? Die Mitarbeiter bei Otto in Hamburg kennen die Antwort bereits. Sie spüren sie jeden Tag.
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