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Kettner Edelmetalle
27.07.2026
11:55 Uhr

Kalte Progression im Ruhestand: Fast jeder zweite Rentner muß beim Finanzamt nachlegen

Kalte Progression im Ruhestand: Fast jeder zweite Rentner muß beim Finanzamt nachlegen

1.326 Euro. So viel überweisen deutsche Rentner im Schnitt nach, wenn der Steuerbescheid ins Haus flattert. Nicht der Beamte im gutversorgten Ruhestand, nicht der Politiker mit Ministerpension – sondern der Mann, der vierzig Jahre in der Werkhalle stand, und die Frau, die drei Kinder großgezogen und nebenbei gearbeitet hat. Eine Auswertung einer mittleren fünfstelligen Zahl von Steuerbescheiden aus dem Jahr 2025 zeigt: Bei rund 41 Prozent der untersuchten Rentner wurde eine Nachzahlung fällig. Etwa 45 Prozent erhielten eine Erstattung, im Durchschnitt 1.383 Euro, bei etwa 14 Prozent ging die Rechnung glatt auf.

Der Staat kassiert dort, wo am wenigsten übrig ist

In der Hälfte der Nachzahlungsfälle blieb es bei höchstens 499 Euro. Klingt harmlos? Für einen Rentner mit 1.200 Euro netto ist das ein halbes Monatsbudget. Und der Grund für die unangenehme Post ist von erfrischender Schlichtheit: Auf die gesetzliche Rente führt niemand vorab Steuern ab. Beim Arbeitslohn wird die Lohnsteuer direkt einbehalten, im Ruhestand kommt die volle Last erst mit dem Bescheid – als Rechnung im Nachhinein, gerne verbunden mit künftigen Vorauszahlungen, die das Finanzamt anschließend festsetzt.

Besonders betroffen sind jene, die vorgesorgt haben. Fast jeder zweite Rentner in der Stichprobe hatte weitere Einkünfte: Nebenjobs, Mieteinnahmen, Einkünfte aus Gewerbe oder Selbständigkeit. Wer also brav gespart, vermietet oder weitergearbeitet hat, statt die Hand aufzuhalten, wird zuverlässig zur Kasse gebeten. Man könnte es Ironie nennen. Man könnte es auch Systemlogik nennen.

Die stille Steuererhöhung heißt Rentenerhöhung

Der eigentliche Skandal steckt in einem Satz, der so unscheinbar daherkommt, daß man ihn beinahe überliest: Jede Rentenerhöhung hebt den steuerpflichtigen Anteil der Rente an – der einmal festgelegte Freibetrag bleibt hingegen unverändert. Übersetzt: Der Staat gleicht mit einer Rentenanpassung notdürftig die Inflation aus, die er durch seine eigene Schuldenpolitik befeuert hat, und holt sich einen Teil davon über die Steuer zurück. Jahr für Jahr rutschen so mehr Ruheständler über den Grundfreibetrag und werden überhaupt erst steuerpflichtig. Ein Automatismus, der ohne einen einzigen Bundestagsbeschluß funktioniert. Die eleganteste Steuererhöhung ist die, die niemand beschließen muß.

Die Steuerpflicht darf nicht allein deshalb entstehen, weil die Inflation durch Rentenerhöhungen ausgeglichen wird – so die Forderung des Bundes der Steuerzahler, der Änderungen an der nachgelagerten Rentenbesteuerung verlangt.

Wenn Milliarden fließen – nur nicht zu den Rentnern

Man muß sich das Gesamtbild vor Augen halten. Dieselbe Politik, die ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufspannt, die Klimaneutralität ins Grundgesetz schreibt und Zahlungsverpflichtungen erschafft, die noch die Enkel abstottern werden, findet keinen Weg, den Grundfreibetrag der Rentner sauber zu dynamisieren. Ein Kanzler, der versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen, hat bei den Milliarden für Prestigeprojekte erstaunlich flinke Finger – bei der Entlastung derjenigen, die dieses Land aufgebaut haben, hingegen bemerkenswert schwerfällige.

Hinzu kommt die strukturelle Ungerechtigkeit, die in der Debatte gern verschwiegen wird: Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer konnten ihre Beiträge über Jahrzehnte nicht unbegrenzt absetzen, versteuern die daraus resultierende Rente aber inzwischen praktisch vollständig. Beamte kennen dieses Problem nicht. Zwei Klassen, ein Steuerrecht – und die Vermutung liegt nahe, wer die Gesetze schreibt.

Was bleibt dem Bürger?

Wer heute in Rente geht, erlebt eine bittere Lektion: Nominale Zuwächse sind kein Vermögensschutz. Was die Rentenanpassung gibt, nimmt die Inflation zur einen und der Fiskus zur anderen Seite. Wer sein Erspartes gegen die schleichende Entwertung des Papiergeldes absichern will, kommt an physischen Edelmetallen als Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios kaum vorbei. Gold und Silber kennen keine kalte Progression, keinen Steuerbescheid im Frühjahr und keine politischen Versprechen, die nach der Wahl vergessen werden. Sie liegen im Tresor – und nicht in den Händen einer Regierung, die mit fremdem Geld erstaunlich großzügig, mit dem eigenen Bürger aber erstaunlich streng umgeht.

Es braucht eine Politik, die den Fleiß von Generationen respektiert statt ihn abschöpft. Diese Ansicht ist nicht bloß die unserer Redaktion – sie dürfte bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung längst Konsens sein.

Haftungsausschluß

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag stellt ausdrücklich keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Er spiegelt die Auffassung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wider. Steuerliche und rechtliche Fragestellungen sind stets vom Einzelfall abhängig; für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Aussagen zu Vermögenswerten stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, Chancen und Risiken selbst zu bewerten und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen allein. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausgeschlossen.

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