
Kampfansage an Källenius: IG Metall droht mit Streiks in der Industrie!

Deutschlands mächtigste Gewerkschaft zeigt die Zähne. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat den Arbeitgebern in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie mit Streiks gedroht. Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben rund vier Millionen Beschäftigte. Ihre schärfsten Worte richtete sie allerdings an den Mercedes-Chef Ola Källenius.
Wenn die Arbeitgeber weiter mauerten, werde man den eigenen Forderungen Nachdruck verleihen, sagte Benner der Süddeutschen Zeitung. Das ist gewerkschaftlich verpackt, aber unmissverständlich gemeint.
Fünf Prozent – mitten in der dritten Rezession?
Auf dem Tisch liegt eine Forderung von fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit. Dazu kommen eine tarifliche Absicherung von Jobs und Standorten sowie eine Gewinnbeteiligung für Unternehmen, bei denen es gerade gut läuft. Gemeint sind laut IG Metall etwa Schiffbau, Schienenfahrzeuge, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt und vor allem die Rüstung.
Benner wirbt deshalb für einen Abschluss in zwei Teilen. Die allgemeine Lohnerhöhung solle so ausfallen, dass auch die kriselnde Autobranche sie verkraften könne. Wer boomt, solle über die Gewinnbeteiligung zusätzlich an seine Belegschaft abgeben.
Die Arbeitgeber halten das für realitätsfern. Gesamtmetall sieht nach eigenen Angaben keinen Spielraum zum Verteilen. Die Produktion liege rund 15 Prozent unter dem Stand von 2018, seitdem seien fast 350.000 Industriejobs verloren gegangen. Weitere 300.000 Arbeitsplätze seien akut bedroht. Der Verband NiedersachsenMetall nannte die Forderung schon vor dem Start „schlicht unrealistisch“.
„Pure Provokation“: Der Zoff um die 40-Stunden-Woche
Richtig zur Sache geht es bei der Arbeitszeit. Rufe nach längeren Arbeitszeiten, wie sie unter anderem bei Mercedes laut wurden, kanzelte Benner ab. Källenius wisse genau, was er tue, nämlich „pure Provokation“. Wolle er den Konflikt, könne er ihn haben.
Die Gewerkschaftschefin wirft den Automanagern vor, in der Vergangenheit viele Fehler gemacht zu haben. Sie wollten 40-Stunden-Wochen einführen, „aber selber weiterschlafen“. Statt die Belegschaften länger arbeiten zu lassen, müssten die Konzerne aus ihrer Sicht Bürokratie abbauen, investieren, Innovationen voranbringen und neue Märkte erschließen.
Eine pikante Pointe hat das Ganze: Ausgerechnet die Gewerkschaft fordert Bürokratieabbau. Nur eben in den Konzernzentralen und nicht in Berlin oder Brüssel. Dort ersticken nach Ansicht vieler Mittelständler gerade Berichtspflichten, Energiekosten und Regulierungswut die Wettbewerbsfähigkeit.
Volkswagen: 50.000 Stellen und viel verbrannte Erde
Auch bei VW knirscht es gewaltig. Benner widersprach dem Eindruck, die IG Metall habe dem Abbau von 50.000 Stellen zugestimmt. Wolle der Konzern etwas, müsse er mit der Gewerkschaft verhandeln.
„Statt Perspektiven kriegen die VW-Beschäftigen vom Vorstand ständig Schläge in den Nacken.“
Die Beschäftigten vermissten zu Recht Respekt für ihre Arbeit, so Benner.
Ab November drohen Warnstreiks
Die Uhr tickt. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober, ab dem 1. November sind Warnstreiks erlaubt. In Niedersachsen ist die zweite Verhandlungsrunde für den 27. Oktober angesetzt. Ein Angebot der Arbeitgeber gibt es bislang nicht.
Ein Blick zurück zeigt, wie solche Runden meist laufen: 2024 ging die IG Metall mit sieben Prozent ins Rennen. Am Ende standen 5,1 Prozent in zwei Stufen, verteilt auf 25 Monate.
Wer zahlt am Ende die Zeche?
Der Streit zeigt, wie es um den Standort steht. Auf der einen Seite stehen Beschäftigte, denen hohe Lebenshaltungskosten die Kaufkraft auffressen. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die nach eigener Darstellung fast dreimal so hohe Lohnkosten tragen wie Konkurrenten in vielen Nachbarländern. Und die Bundesregierung? Die Arbeitgeber werfen dem Arbeitsministerium vor, die im Koalitionsvertrag versprochene Reform des Arbeitszeitrechts zu verschleppen.
Ganz gleich, wie die Tarifrunde ausgeht: Mit Lohnprozenten allein lassen sich hohe Energiepreise, Steuern und Abgaben nicht wegverhandeln. Ohne echte Reformen in Berlin dürfte Deutschland weiter Industriejobs verlieren.
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