
Kehrtwende beim Verbrenner-Aus: Berlin und Paris ziehen die Notbremse!

Der Verbrennungsmotor bekommt eine zweite Chance. Deutschland und Frankreich haben sich auf eine gemeinsame Linie verständigt, die das starre EU-Verbrenner-Aus ab 2035 deutlich aufweicht. Beide Regierungen bestätigten am Freitag, dem 16. Oktober 2026, ein entsprechendes Positionspapier, über das zuerst die Nachrichtenagentur AFP berichtet hatte.
Der Kern des Deals: Autobauer sollen ihre CO₂-Emissionen bis 2035 um 90 Prozent senken. Die restlichen zehn Prozent müssten sie aber nicht mehr ausgleichen. Für Millionen Autofahrer heißt das: Auch nach 2035 könnten neue Benziner und Diesel beim Händler stehen.
Vom Totalverbot zum Rückzieher
Rückblende: Die EU hatte 2022 beschlossen, dass Neuwagen ab 2035 im Betrieb kein Gramm CO₂ mehr ausstoßen dürfen. Technisch formuliert ging es um die sogenannten Flottengrenzwerte. Sie legen fest, wie viel Kohlendioxid die Neuwagen eines Herstellers im Jahresschnitt ausstoßen dürfen. Ab 2035 sollte dieser Wert auf null fallen. Faktisch war das ein Verbot des Verbrenners, denn wer trotzdem welche verkauft hätte, wäre an Strafzahlungen erstickt.
Im Dezember 2025 ruderte die EU-Kommission teilweise zurück. Ihr Vorschlag: Minus 90 Prozent gegenüber 2021 statt minus 100 Prozent. Die Lücke sollten die Hersteller allerdings schließen, etwa mit klimafreundlicherem Stahl oder alternativen Kraftstoffen. Damit hätte Brüssel einen neuen bürokratischen Rechenschieber eingeführt.
Genau diese Ausgleichspflicht wollen Berlin und Paris jetzt streichen. Für die Bundesregierung war die Abkehr vom Verbrenner-Aus die zentrale Forderung. Merz kann damit einen echten Verhandlungserfolg vorweisen.
Der Preis: „Made in Europe“
Geschenkt bekam Berlin das allerdings nicht. Im Gegenzug akzeptiert Deutschland eine strengere Auslegung des Prinzips „Made in Europe“. Unternehmen in strategischen Branchen, die öffentliche Gelder kassieren, müssten dann Komponenten aus der EU oder aus ausgewählten Partnerländern beziehen. Medienberichten zufolge sollen diese Kriterien aus dem geplanten Industrial Accelerator Act in das Autopaket übernommen werden.
Deutschland hatte lange darauf gedrängt, deutlich mehr Partnerländer einzubeziehen. Das hat seinen Grund: Die deutsche Industrie lebt vom Export und von weltweiten Lieferketten. Frankreich setzt traditionell stärker auf staatlich gelenkte Industriepolitik und Abschottung. Ob Berlin hier zu viel geopfert hat, wird sich erst zeigen, wenn die Details auf dem Tisch liegen.
Blockade in Brüssel gelöst
Mit dem Kompromiss räumen die beiden größten Volkswirtschaften der EU einen Streit ab, der zwei Gesetzgebungsverfahren in Brüssel zu lähmen drohte. Die gemeinsame Erklärung spricht von einem „umfassenden Paket“, das den „ehrgeizigen europäischen Dekarbonisierungspfad mit der nötigen regulatorischen Flexibilität“ verbinde. Emmanuel Macron schrieb auf X, er hoffe nun auf eine „schnelle“ Einigung mit den übrigen Partnern.
Noch ist nichts entschieden
Bis Dezember könnten sich die 27 Mitgliedstaaten auf eine gemeinsame Position verständigen. Danach muss das Europaparlament mitziehen, und dort liegen die Fraktionen noch weit auseinander. Der Weg ist also noch lang.
Gegenwind kommt erwartungsgemäß von Umweltschützern. Die Organisation Transport & Environment (T&E) wertet die Einigung als „in erster Linie ein Zugeständnis“ an die Chefs der Autokonzerne. Das Papier schwäche die Nachfrage nach europäischen Zukunftstechnologien „massiv“, heißt es von T&E Deutschland.
Man kann das auch anders sehen. Jahrelang wurde Politik am Markt vorbei gemacht. Brüssel schrieb den Bürgern vor, welche Technik sie kaufen sollen, statt den Wettbewerb entscheiden zu lassen. Die Folge: Werke stehen unter Druck, Zulieferer bauen Stellen ab, und chinesische Hersteller drängen auf den europäischen Markt. Wenn Berlin und Paris jetzt mehr Technologieoffenheit durchsetzen, ist das kein Verrat am Klima. Es ist schlicht späte Vernunft.
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