
Krawallnacht in Frankfurt: Hat der HR die Plünderer verharmlost?

Scherben, Feuer, mehr als 100 verletzte Polizisten: Nach den „Gen Z regelt“-Protesten am Samstagabend hat Frankfurt am Main eine Gewaltnacht erlebt, wie es sie dort lange nicht gegeben hat. Für Empörung sorgt jetzt aber auch der Hessische Rundfunk. Dessen Gerichtsreporterin Heike Borufka beschrieb die Randalierer in einem Interview als „erlebnisorientierte junge Menschen“.
„Ein bisschen ausgetobt“
Im Interview schilderte die Journalistin ein stundenlanges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Randalierern und Polizei. Sie habe sogar den Eindruck gehabt, dass einige Beteiligte großen Spaß an der Sache hatten. Ein in sozialen Netzwerken verbreiteter Mitschnitt gibt ihre Worte so wieder:
„Wenn es nicht so schlimm wäre, würde ich sagen, das waren erlebnisorientierte junge Menschen mit viel Adrenalin. Vor allen Dingen junge Männer, die sich da ein bisschen ausgetobt haben.“
Das Bemerkenswerte daran: Im selben Gespräch berichtete Borufka von „Jagdszenen“, brennenden Mülltonnen, fliegenden Gegenständen und zerstörten Schaufenstern. Sie selbst habe mehrfach Schutz suchen müssen. Wie passt das zu „ein bisschen ausgetobt“? Wer zwischen eingeschlagenen Scheiben in Deckung gehen muss, erlebt keinen Jugendstreich. Er erlebt einen Ausnahmezustand.
Die Bilanz einer Chaosnacht
Die nackten Zahlen zeigen, wie ernst die Lage war. Medienberichten zufolge nahm die Polizei 54 Personen fest, die jüngste davon erst 13 Jahre alt, die älteste 29. Mehrere Geschäfte wurden geplündert, darunter offenbar auch ein Waffengeschäft. Danach rückten Spezialeinsatzkräfte an.
- Rund 100 verletzte Einsatzkräfte, ein Beamter soll schwer verletzt worden sein
- 54 Festnahmen, ein 18-Jähriger sitzt Berichten zufolge in Untersuchungshaft
- Ausschreitungen auch in Hamburg und Köln
Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller sprach laut Medienberichten von einer neuen Dimension der Gewalt und nannte den Abend eine „Zäsur“ für die Polizei. Das ist ein deutlich anderer Ton als das Wort „erlebnisorientiert“.
Poseck nennt die Dinge beim Namen
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) ging erst gar nicht auf Abstand zu den Tatsachen. Er sprach von einem „gefährlichen Zusammenspiel von gewaltbereiten Linksextremisten und gewaltbereiten jungen Migranten“. In den ARD-„Tagesthemen“ ergänzte er Berichten zufolge, die Gewalt sei zunächst von Linksextremisten ausgegangen und später vor allem von migrantischen Jugendlichen. Es habe sich jeweils um kleine, sehr brutal vorgehende Tätergruppen gehandelt.
Der Minister geht auch die Organisatoren hart an: Die Versammlungsleiter hätten ihre Demonstrationen „nicht im Griff“. Ob die für den 20. November geplante Neuauflage überhaupt stattfinden dürfe, müsse geprüft werden. Seine Begründung: „Unsere Einsatzkräfte verdienen Schutz.“
Wut auf die Tastatur statt auf die Täter?
Auch die „Hessenschau“ steht in der Kritik. Sie meldete sich laut in sozialen Netzwerken verbreiteten Ausschnitten mit dem Satz „Wir haben genug gesehen“ ab. Nach einem anfangs „friedlichen Gen-Z-Protest“ sei „diese eigentlich so stabile Stadt im Chaos versunken“. Dann folgte noch ein Satz: Wenn man noch einmal „Darf man ja nicht mehr sagen“ lese, müsse man „vor Wut in meine Tastatur beißen“.
Kritiker verstehen das als Seitenhieb gegen alle, die die Herkunft vieler Randalierer offen ansprechen. Also genau das, was der Innenminister selbst getan hat. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das ein bekanntes Muster: Unbequeme Wahrheiten machen manchen offenbar mehr Ärger als geplünderte Läden und verletzte Beamte.
Ein Weckruf für die Politik
Die Rekordwerte der Polizeilichen Kriminalstatistik und die steigende Zahl von Messerangriffen sind längst bekannt. Für viele Bürger ist Frankfurt deshalb kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse: bei der Migration, bei der Integration und beim Rückhalt für die Polizei. Wer Ladenbesitzer vor den Trümmern ihrer Existenz stehen sieht, will keine Beschwichtigung hören. Er erwartet einen Staat, der Recht und Ordnung durchsetzt. Gerade von einem gebührenfinanzierten Sender dürfen die Bürger erwarten, dass er die Dinge klar benennt.
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