
Krieg gegen den Iran: Wie der Konflikt die US-Wirtschaft ins Wanken bringt – und was das für Europa bedeutet

Während die Welt gebannt auf den Nahen Osten blickt, beginnen die ökonomischen Schockwellen des Iran-Konflikts nun auch in den Vereinigten Staaten spürbar zu werden. Mehr als sechs Wochen nach Beginn der Kampfhandlungen zeichnet sich ein Bild ab, das Ökonomen nervös macht – und das auch für Deutschland und Europa weitreichende Konsequenzen haben dürfte.
Explodierende Energiekosten als Brandbeschleuniger
Die offensichtlichste Auswirkung des Konflikts trifft die Amerikaner dort, wo es am meisten wehtut: an der Zapfsäule. Der nationale Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin liegt mittlerweile bei 4,10 Dollar. Der Ölpreis für die US-Referenzsorte West Texas Intermediate notierte zuletzt bei rund 91 Dollar pro Barrel – deutlich unter dem kurzzeitigen Höchststand von 115 Dollar Anfang April, aber immer noch auf einem Niveau, das Verbrauchern und Unternehmen gleichermaßen zusetzt.
Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM, habe eine klare Schmerzgrenze gezogen: Bei 125 Dollar pro Barrel werde der Ölpreis zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Problem. Ab diesem Niveau beginne die Nachfragezerstörung sich zu beschleunigen und auszubreiten. Man sei zwar noch ein Stück davon entfernt, doch die Unsicherheit über das Ausmaß der Schäden an der physischen Produktions- und Raffineriekapazität im Nahen Osten bleibe besorgniserregend.
Wachstum unter Druck – aber noch kein Kollaps
Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass der Krieg das US-Bruttoinlandsprodukt nur moderat beeinträchtigen werde – um einige Zehntel Prozentpunkte. Goldman Sachs hat seine BIP-Prognose für das laufende Jahr bereits auf 2,0 Prozent gesenkt, gemessen vom vierten Quartal zum vierten Quartal, was einer Reduktion um einen halben Prozentpunkt gegenüber der vorherigen Schätzung entspricht. Die Atlanta Fed prognostiziert für das erste Quartal ein Wachstum von lediglich 1,3 Prozent.
Mike Skordeles, Leiter der US-Volkswirtschaft bei Truist Advisory Services, brachte es auf den Punkt: Der Krieg werde zwar einen Teil des Wachstums auffressen, aber man werde es überstehen. Das eigentliche Problem sei die Unsicherheit. Und genau diese Unsicherheit hängt wie ein Damoklesschwert über der amerikanischen Wirtschaft – seit Präsident Trumps „Liberation Day"-Zöllen vom April 2025 und einer zunehmend aggressiven Außenpolitik.
Die entscheidende Frage: Hält die Waffenruhe?
Sollte der aktuelle Waffenstillstand Bestand haben, dürften die inflationären Auswirkungen abklingen. Flammt der Konflikt jedoch erneut auf, wird die Zukunft erheblich ungewisser. Das fragile Wachstum der vergangenen beiden Quartale stünde dann auf dem Spiel. Es ist diese binäre Unsicherheit, die Märkte und Notenbanker gleichermaßen in Atem hält.
Inflation: Das Schreckgespenst kehrt zurück
Die Inflationsdaten zeigen ein gemischtes Bild. Der Verbraucherpreisindex stieg im März um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, was die Jahresrate auf 3,3 Prozent katapultierte. Bereinigt man jedoch um Nahrungsmittel und Energie, lag der monatliche Anstieg bei nur 0,2 Prozent und die Kernrate bei 2,6 Prozent – immer noch über dem Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve, aber zumindest in die richtige Richtung tendierend.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz bei den Inflationserwartungen der Verbraucher. Während die berüchtigte University-of-Michigan-Umfrage die Einjahreserwartung auf 4,8 Prozent taxierte, lag die deutlich weniger volatile Erhebung der New Yorker Fed bei 3,4 Prozent. Die Michigan-Umfrage zeigte zudem ein historisches Rekordtief beim Verbrauchervertrauen – das niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1950er Jahren, schlimmer als während der Stagflation der 1970er, nach den Terroranschlägen vom 11. September oder in der globalen Finanzkrise.
Verbraucher: Pessimistisch reden, optimistisch handeln
Doch hier offenbart sich ein faszinierendes Paradoxon. Trotz des historischen Stimmungstiefs stiegen die Ausgaben über Debit- und Kreditkarten im März um 4,3 Prozent – der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren, wie Daten der Bank of America zeigen. Zwar wurde dieser Sprung maßgeblich durch einen Anstieg der Tankstellenausgaben um 16,5 Prozent getrieben, doch auch ohne Benzin lag das Wachstum bei soliden 3,6 Prozent.
David Kelly, globaler Chefstratege bei JPMorgan Asset Management, stellte nüchtern fest, dass ein Rückgang des Verbrauchervertrauens noch nie ein verlässlicher Indikator für das tatsächliche Konsumverhalten gewesen sei. Er erwarte, dass die realen Konsumausgaben weiter wachsen würden – wenn auch langsam, mit 0,8 Prozent im laufenden Jahr und 1,7 Prozent im Jahr 2027. Ein Faktor, der die Konsumenten stützen dürfte, seien die höheren Steuererstattungen infolge des „One Big Beautiful Bill Act" – die durchschnittliche Rückerstattung liege dieses Jahr bei 3.521 Dollar, ein Plus von 11,1 Prozent.
Die Fed in der Zwickmühle
Für die Federal Reserve wird die Lage zunehmend heikel. Vor dem Konflikt war die Erwartung, dass die Notenbank die Zinsen weiter senken würde, um einen schwächelnden Arbeitsmarkt zu stützen. Nun steht die hartnäckige Inflation dem entgegen. Goldman Sachs erwartet dennoch zwei Zinssenkungen im September und Dezember, getrieben durch steigende Arbeitslosigkeit und nachlassende Zolleffekte. Die Marktpreise hingegen signalisieren keine Senkung vor Mitte 2027 – eine bemerkenswerte Divergenz.
Goldman prognostiziert zudem, dass die Arbeitslosenquote bis Jahresende auf 4,6 Prozent steigen könnte, nur 0,3 Prozentpunkte über dem März-Niveau. Das schwächere Wachstum werde sich unweigerlich in geringerer Einstellungsbereitschaft niederschlagen.
Asien und Europa: Die eigentlichen Verlierer
Und hier wird es für uns in Europa besonders relevant. Während die USA zwar einen Preisschock, aber keinen echten Versorgungsschock erleben, trifft es andere Regionen ungleich härter. Asien wird regelrecht durchgeprügelt, wie Skordeles es formulierte, da der Kontinent massiv von nahöstlichen Energiequellen abhängig sei. Aber auch Europa, das seine Energieversorgung nach dem Bruch mit russischen Gaslieferungen ohnehin mühsam diversifiziert hat, steht vor enormen Herausforderungen.
Der Global Supply Chain Pressure Index der New Yorker Fed erreichte im März den höchsten Stand seit Januar 2023. Die Lieferketten, die sich nach der Pandemie gerade erst erholt hatten, geraten erneut unter Druck. In den kommenden Monaten dürften sich die Auswirkungen verschärfen, wenn Rohstoffflüsse enger werden und die höheren Energiekosten durchgereicht werden.
Was bedeutet das für Deutschland?
Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft kommen diese Entwicklungen zur denkbar ungünstigsten Zeit. Das von der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen soll zwar die Infrastruktur modernisieren, doch steigende Energiekosten und eine mögliche globale Wachstumsverlangsamung könnten diese Bemühungen konterkarieren. Die Inflation, die man in Deutschland bereits durch die expansive Fiskalpolitik befeuert, droht durch den Energiepreisschock zusätzlich angeheizt zu werden – eine toxische Kombination für den deutschen Steuerzahler, der ohnehin schon unter einer der höchsten Abgabenlasten weltweit ächzt.
Gold als Fels in der Brandung
In Zeiten geopolitischer Verwerfungen, explodierender Energiekosten und einer Inflation, die sich hartnäckig über den Zielmarken der Notenbanken hält, zeigt sich einmal mehr der zeitlose Wert physischer Edelmetalle. Während Aktienmärkte nervös schwanken und Anleiherenditen von den Launen der Zentralbanken abhängen, bieten Gold und Silber genau jene Stabilität und Wertbeständigkeit, die Anleger in unsicheren Zeiten suchen. Wer sein Portfolio gegen die Unwägbarkeiten eines eskalierenden Nahostkonflikts und die damit verbundenen wirtschaftlichen Turbulenzen absichern möchte, findet in physischen Edelmetallen eine bewährte Ergänzung zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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