
Krieg im Nahen Osten schickt Öl Richtung 100 Dollar – warum ein kleiner Rücksetzer bei Gold niemanden erschrecken sollte

Es sind Tage wie diese, an denen sich der Spreu vom Weizen trennt. Während an den Rohstoffmärkten der Puls hämmert, weil der Ölpreis mit über fünf Prozent Plus in Richtung der psychologisch bedeutsamen 100-Dollar-Marke schnellt, gerieten Gold und Silber am Donnerstag kurzzeitig ins Rutschen. Doch bevor die üblichen Untergangspropheten das Ende der Edelmetalle ausrufen, lohnt ein nüchterner Blick auf die Fakten – und der zeigt: Hier verkauft niemand aus Verzweiflung.
Ein neuer Kriegsschauplatz und die Nervosität der Märkte
Auslöser der jüngsten Turbulenzen ist ein weiterer Eskalationsschritt im Nahen Osten. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen hätten laut Berichten zwei saudische Öltanker im Roten Meer ins Visier genommen, während sich die USA und der Iran mittlerweile den zwölften Tag in Folge gegenseitig mit Schlägen überzögen. Das ist keine Randnotiz. Das ist ein Pulverfass, das die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt.
Comex-Gold für die Augustlieferung verlor am Donnerstagvormittag zeitweise bis zu 2,6 Prozent und notierte bei rund 4.050 US-Dollar je Feinunze. Damit endete eine zweitägige Erholung, die den Goldpreis am Mittwoch noch auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 4.165 Dollar getragen hatte. Silber erwischte es härter: Der Septemberkontrakt sackte um bis zu 4,9 Prozent ab, ehe sich der Verlust auf gut vier Prozent einpendelte.
Warum steigende Zinsen kurzfristig belasten
Der Mechanismus dahinter ist so alt wie die Finanzmärkte selbst. Wenn das Öl teurer wird, steigt die Inflationsangst – und prompt spekulieren die Händler darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen schon nächste Woche wieder anheben könnte. Die Terminmärkte preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund einem Drittel für eine Zinserhöhung ein, für September gilt ein solcher Schritt bereits als beschlossene Sache.
Steigende Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold auf dem Papier weniger attraktiv – doch wer nur auf die kurzfristige Zinsbrille schaut, verpasst das große Bild.
Analysten führen die Erholung dieser Woche ohnehin nicht auf einen frischen Kaufrausch zurück, sondern schlicht auf das Eindecken von Leerverkäufen und antizyklisches Nachkaufen, nachdem die technischen Unterstützungslinien während des vorangegangenen Ausverkaufs gehalten hätten. Manch einer sieht Gold nun kurzfristig in Richtung 3.900 Dollar rutschen, mit Widerstand bei 4.200 Dollar.
Ein Fünftel Wertverlust – und trotzdem eine Erfolgsgeschichte
Man muss die Zahlen in den richtigen Kontext setzen. Seit die USA und Israel Ende Februar ihre Angriffe auf den Iran starteten, hat das gelbe Metall etwa ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Das klingt zunächst dramatisch. Doch dieser Rücksetzer folgt auf eine mehrjährige Rekordjagd, die Gold im Januar auf sagenhafte 5.600 Dollar katapultiert hatte. Silber erreichte am 12. Januar mit 85,73 Dollar ebenfalls einen historischen Höchststand.
Anders gesagt: Wer vor der Rally eingestiegen ist, sitzt trotz der aktuellen Delle auf beträchtlichen Gewinnen. Die Fundamentaldaten haben sich nicht verändert – im Gegenteil. Solange geopolitische Krisen die Welt erschüttern, Staaten sich immer tiefer verschulden und Notenbanken zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturangst hin- und hergerissen sind, bleibt physisches Edelmetall der Fels in der Brandung. Und während in Deutschland die neue Große Koalition ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenprogramm durchpeitscht, obwohl der Kanzler einst das Gegenteil versprochen hatte, dürfte die Nachfrage nach werthaltigen Sachwerten kaum abreißen.
Die Minenaktien folgen dem Metall nach unten
Wenig überraschend gaben auch die Aktien der Edelmetallproduzenten nach. Namhafte Goldminen verloren zwischen einem und drei Prozent, wobei jene mit hohem Silberanteil besonders litten. Das ist ein Lehrstück, das jeder Anleger verinnerlichen sollte: Papierwerte, die sich auf Rohstoffe stützen, tanzen weit hektischer und riskanter als das physische Metall selbst. Wer die Substanz will, hält sie am besten in der Hand – nicht als Buchung im Depot.
Fazit: Ruhe bewahren, Substanz sichern
Kurzfristige Schwankungen sind das Salz in der Suppe der Märkte. Sie sind kein Grund zur Panik, sondern oft eine Gelegenheit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie Kaufkraft bewahren, wenn Währungen und politische Versprechen zerbröseln. Als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie ein bewährtes Instrument zur Vermögenssicherung – gerade in einer Welt, die zwischen Kriegen, Schuldenbergen und geldpolitischer Ratlosigkeit taumelt.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Die genannten Kurs- und Marktentwicklungen sind keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Bei Bedarf sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.

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