
Kupfer-Poker in Washington: 10.000 oder 18.000 Dollar je Tonne?

Ein einziger Federstrich im Weißen Haus könnte den Kupferpreis fast verdoppeln oder ihn kräftig abstürzen lassen. Die US-Regierung lässt die Welt weiter warten, ob raffiniertes Kupfer mit Einfuhrzöllen belegt wird. Gleichzeitig liegen in amerikanischen Lagerhäusern inzwischen mehr als eine Million Tonnen des roten Metalls.
Wie groß die Unsicherheit ist, zeigt die australische Investmentbank Macquarie. Sie setzt die mögliche Preisspanne bei 10.000 bis 18.000 US-Dollar je Tonne an. Zwischen den beiden Szenarien liegen also 8.000 Dollar, und fast alles hängt an einer politischen Entscheidung.
Ein Markt im Schwebezustand
Das Szenario von Macquarie ist einfach: Kommen keine Zölle, droht nach Einschätzung der Bank ein Rückgang auf 10.000 Dollar. Kommen sie, sind bis zu 18.000 Dollar denkbar. Für Minenbetreiber wird die Planung damit schwierig. Wer soll bei einer solchen Spreizung noch verlässlich Margen und Cashflows berechnen?
Bei 10.000 Dollar wären auch Minen mit hohen Gesamtkosten (All-in Sustaining Costs) noch rentabel. Bei 18.000 Dollar würden sogar die teuersten Projekte zu Goldgruben. Ob ein Projekt gebaut wird oder in der Schublade bleibt, hängt damit stärker vom Weißen Haus ab als von Geologie und Ingenieurskunst.
Déjà-vu aus dem Jahr 2025
Die Lage ist nicht neu. Schon im Sommer 2025 setzten Händler auf hohe US-Zölle und brachten riesige Mengen Kupfer in die Vereinigten Staaten. Dann kam die Überraschung: Medienberichten zufolge verhängte Präsident Donald Trump zwar Zölle von 50 Prozent auf Kupferprodukte, nahm raffiniertes Metall aber aus. Der Preisaufschlag an der US-Börse brach ein. Anfang 2026 wurde Kupfer in London zeitweise sogar teurer gehandelt als in New York.
Danach blieb die Option auf gestaffelte Zölle bestehen: laut Berichten 15 Prozent ab Anfang 2027 und 30 Prozent ab 2028. Eine Entscheidung war eigentlich bis Ende Juni 2026 angekündigt. Sie steht bis heute aus.
Was die Profis jetzt sagen
Mehrere Analysehäuser warnen vor einer Prämie, die vor allem auf Hoffnung beruht:
- Natixis sieht den Preisaufschlag vor allem von Zollerwartungen getrieben. Dahinter träten Minenangebot, Schmelzlöhne und die Nachfrage aus China zurück.
- Händler agierten laut Berichten von Bloomberg zunehmend vorsichtig, weil die Dekrete aus Washington weiter auf sich warten ließen.
- Barchart verweist auf den Einbruch von 2025, als auf einen ähnlichen Lageraufbau ein deutlicher Rückschlag folgte.
- StoneX stellt fest, dass der Aufschlag an der US-Börse CME gegenüber der Londoner LME kleiner sei als der diskutierte Zollsatz von 15 Prozent. Der Markt rechne also bereits mit Verzögerungen, niedrigeren Sätzen oder Ausnahmen.
Gefahr in beide Richtungen
Bleiben die Zölle aus, drücken die gewaltigen US-Vorräte auf den Preis, und der amerikanische Aufschlag dürfte verschwinden. Kommen sie, haben die Verarbeiter längst Vorräte angelegt, und ihre Nachfrage könnte in den folgenden Quartalen deutlich nachlassen. Für die Richtung des Preises sind nun drei Größen entscheidend: wie schnell die Lagerbestände in die Industrie abfließen, wie sich der Abstand zwischen CME und LME entwickelt und wann Washington entscheidet.
Auch Europa spürt die Folgen. Weil so viel Metall in die USA fließt, ist es außerhalb Amerikas knapper geworden. Branchenberichten zufolge zahlen Abnehmer auch hierzulande Rekordaufschläge. Für eine Industrienation wie Deutschland, die Kupfer für Stromnetze, Maschinenbau und Elektromobilität dringend braucht, sind das schlechte Nachrichten.
Fazit: Politik schlägt Fundamentaldaten
Der Kupfermarkt zeigt, wie stark politische Entscheidungen heute Rohstoffpreise bestimmen. Wer sein Vermögen gegen solche Schwankungen schützen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber können dabei eine sinnvolle Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung sein: Sie sind seit Jahrhunderten bewährt und hängen nicht vom Zollkalender einer einzelnen Regierung ab.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rohstoffen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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