
Lagarde geht früher: Wer rettet jetzt den Euro vor Frankreich?

Christine Lagarde verlässt die Europäische Zentralbank vorzeitig: Am 7. Februar 2027 ist Schluss. Das gab die Französin am Donnerstag in Frankfurt bekannt, knapp neun Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027. Der Kampf um den mächtigsten Posten der europäischen Geldpolitik hat damit begonnen, und er fällt mitten in eine gefährliche Phase für den Euro.
Der Zeitpunkt ist brisant. Die Inflation in der Eurozone stieg im September laut Medienberichten auf ein Dreijahreshoch. Gleichzeitig steuert Frankreich auf eine handfeste Schuldenkrise zu.
Eine Bilanz mit Licht und viel Schatten
Lagarde führt die EZB seit 2019. In ihre Amtszeit fielen die Corona-Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine und mehrere Energiepreisschocks. 2022 lag die Inflation in der EU zeitweise über 11 Prozent. Erst danach beendete die Notenbank die Ära der Nullzinsen, die seit der Finanzkrise galt. Für deutsche Sparer kam das reichlich spät, denn ihre Ersparnisse hatten bis dahin schon jahrelang an Kaufkraft verloren.
Auch im eigenen Haus gab es Kritik. Bei einer Mitarbeiterbefragung im Jahr 2024 schnitt die Präsidentin Berichten zufolge schlecht ab. Viele Beschäftigte meinten, sie beschäftige sich zu oft mit Themen, die mit Geldpolitik nichts zu tun hätten. Lagarde selbst sagte zum Abschied, es sei für sie eine Quelle großen Stolzes gewesen, dieser Institution zu dienen. EU-Ratspräsident António Costa lobte ihre „beständige und entschlossene" Führung.
Knot oder de Cos: Falke gegen Kontinuität
Als Favoriten gelten zwei erfahrene Notenbanker. Klaas Knot leitete von 2011 bis 2025 die niederländische Zentralbank und war Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats der G20. Der Spanier Pablo Hernández de Cos führte von 2018 bis 2024 die Banco de España und ist heute Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.
Knot gilt als der härtere Inflationsbekämpfer. Während der Teuerungswelle brachte er sogar Zinsschritte von einem halben oder einem Dreiviertelprozentpunkt ins Gespräch. Seine Berufung würden die Märkte nach Einschätzung von Analysten als Signal für eine straffere Geldpolitik verstehen. Das könnte den Euro stützen, aber die Anleihen Frankreichs und der südlichen Euroländer zusätzlich unter Druck setzen. De Cos stehe dagegen eher für Kontinuität.
Ein Wort mitzureden haben am Ende vor allem die Regierungen der Eurozone, die den Spitzenposten besetzen. Bei ING heißt es, Knot dürfte mehr Unterstützung aus dem Norden bekommen. Offen sei, ob die spanische Regierung de Cos überhaupt unterstütze. Eines hätten beide Kandidaten Lagarde voraus: Sie bringen echte geldpolitische Erfahrung mit, die sich Lagarde nach Einschätzung des ING-Ökonomen erst im Amt aneignen musste.
Weitere Umbrüche an der EZB-Spitze
Auch Chefvolkswirt Philip Lane und Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, die für die Marktoperationen zuständig ist, scheiden 2027 aus. In den Gremien laufen dazu bereits Gespräche. Die Führung der Notenbank wird also nahezu komplett ausgetauscht.
Frankreich: Das Pulverfass vor der Haustür
Der eigentliche Prüfstein für den neuen Präsidenten liegt in Paris. Der Abstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen ist so groß wie seit der Euro-Schuldenkrise Anfang der 2010er-Jahre nicht mehr. Hinzu kommt die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. An den Märkten wird bereits diskutiert, ob die EZB mit einem ihrer Notfallinstrumente eingreifen müsste. Wer zahlt am Ende dafür? Auch die deutschen Steuerzahler und Sparer.
Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding sieht hier einen Vorteil für Knot. Die EZB habe allerdings weder das Mandat noch den Willen, französische Haushaltseskapaden zu finanzieren. Helfen werde sie aus seiner Sicht nur, wenn Paris zu einer solideren Haushaltspolitik zurückkehre. Nach den Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre bleibt allerdings offen, wie lange die Notenbank diese Haltung im Ernstfall durchhält.
Politische Ambitionen?
Lagarde gilt laut Medienberichten als Topkandidatin für den Vorsitz des Weltwirtschaftsforums. Eine eigene Kandidatur für das französische Präsidentenamt hat sie zuletzt heruntergespielt. Eine Quelle sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie trete früher ab, um sich freier zu politischen Fragen äußern und einen Kandidaten unterstützen zu können. Bestätigt ist das bislang nicht.
Für Anleger zeigt der Fall eines deutlich: Personalpoker, Schuldenberge und politischer Druck auf die Notenbank sind Risiken für jedes Papiergeldvermögen. Physisches Gold und Silber hängen von keiner Zentralbank und keinem Staatshaushalt ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, ein Vermögen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte informieren Sie sich selbst, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen. Für diese Entscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













