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Laser-Krieg gegen die Mücke: Chinas KI-Kanone für 1.000 Dollar

Laser-Krieg gegen die Mücke: Chinas KI-Kanone für 1.000 Dollar
Symbolbild: KI-generiert

Ein Start-up aus dem chinesischen Changzhou will der Stechmücke mit Hightech den Garaus machen. Photon Matrix hat nach eigenen Angaben ein rund 1.000 Dollar teures Gerät entwickelt, das Mücken per künstlicher Intelligenz aufspürt und mit einem Laser vom Himmel holt. Wie die New York Times berichtet, liegen bereits 5.000 vorausbezahlte Bestellungen vor. Die Serienfertigung soll bald anlaufen.

Science-Fiction fürs Schlafzimmer? Offenbar nicht mehr. Fliegenklatsche und Elektroverdampfer bekommen ernsthafte Konkurrenz.

Technik aus dem autonomen Auto

Das Unternehmen vermarktet seine Erfindung unter dem martialischen Namen „Laser Mosquito Air Defense System“, also als Luftabwehr gegen Mücken. Das Herzstück stammt aus der Welt der selbstfahrenden Autos: Lidar, eine Art Radar mit Licht, überwacht einen festgelegten Bereich und erkennt winzige bewegte Ziele.

Dafür feuert das Gerät pro Sekunde 100.000 schwache Laserimpulse ab. Hat es ein Insekt geortet, schickt es einen deutlich stärkeren Strahl auf dessen Flügel. Bei einer Vorführung sollen die Mücken laut dem Bericht im Sekundentakt abgestürzt sein, jedes Mal begleitet von einem kurzen farbigen Lichtblitz.

Ein Detail wirkt fast makaber. Der Strahl macht die Tiere flugunfähig, tötet sie aber nicht zwingend sofort. Firmengründer Wang Chuan zufolge könnten manche der getroffenen Mücken noch tagelang weiterleben.

Die heikle Frage: Wie sicher ist ein Klasse-4-Laser?

Genau hier liegt der Haken. Das System arbeitet mit einem Laser der Klasse 4, der höchsten Gefahrenstufe. Solche Strahlen können das Auge fast augenblicklich schwer schädigen. Für ein Gerät, das im Wohnzimmer oder auf der Terrasse stehen soll, ist das eine gewaltige Hürde.

Photon Matrix will das Risiko mit mehreren Schutzschichten in den Griff bekommen:

  • Kameras und Sensoren sollen Menschen, Tiere und gefährliche Spiegelungen erkennen und den Laser dann automatisch sperren.
  • Käufer müssen einen verpflichtenden Sicherheitstest bestehen.
  • Erst danach lässt sich das Gerät per Fingerabdruck freischalten.

Schwächere Laser habe man zuvor ausprobiert, so Wang. Sie hätten aber nicht zuverlässig funktioniert. Die Ingenieure hätten sich deshalb für extrem kurze Impulse eines stärkeren Lasers entschieden, ein Kompromiss zwischen Wirkung und Unfallrisiko.

Brüssel als nächste Front

Bevor die Laser-Abwehr auch in deutschen Gärten surren darf, braucht sie Zulassungen in China, Europa und den USA. Daran arbeite das Unternehmen derzeit, heißt es. Man darf gespannt sein, wie lange die europäischen Behörden für ihre Prüfung brauchen. Während Peking-nahe Tüftler Prototypen bauen und vorfinanzierte Aufträge einsammeln, glänzt die EU vor allem mit Regelwerken.

Bedarf gäbe es auch hierzulande. Die Asiatische Tigermücke breitet sich seit Jahren in Deutschland aus, und weltweit gehören Mücken als Überträger von Malaria, Dengue und anderen Krankheiten zu den tödlichsten Tieren überhaupt.

Ein alter Traum – und ein militärischer Unterton

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon 2010 präsentierte das US-Unternehmen Intellectual Ventures ein ähnliches Konzept, das jedoch nie in den Handel kam. Photon Matrix setzt nun darauf, dass Fortschritte bei KI, Sensorik und Fertigung den Durchbruch ermöglichen.

Brisant ist der Blick über den Mückenschutz hinaus. Laut dem Bericht könnte dieselbe Technik auch dazu dienen, kleine Drohnen zu erkennen und abzufangen. In Zeiten, in denen Drohnen über Kasernen, Flughäfen und Industrieanlagen kreisen, ist das kein Randaspekt. Wer Mücken trifft, trifft womöglich auch Quadrocopter.

Für Europa bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Wieder einmal kommt eine technologische Neuheit mit möglicher Doppelnutzung nicht aus Stuttgart oder München, sondern aus China. Ob das 1.000-Dollar-Gerät hält, was es verspricht, muss sich erst zeigen. Der Anspruch dahinter ist jedenfalls unübersehbar.

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