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Kettner Edelmetalle
29.07.2026
08:52 Uhr

Libyens Lichter gehen aus – und Europas Gasversorgung wackelt mit

Libyens Lichter gehen aus – und Europas Gasversorgung wackelt mit

Wenn nachts der Strom ausfällt, die Klimaanlagen verstummen und die Kühlschränke auftauen, dann interessiert sich niemand mehr für die Verlautbarungen einer Übergangsregierung. In Libyen hat sich dieser Frust nun in einer Aktion entladen, die Europas Energieplaner elektrisiert haben dürfte: Demonstranten drangen in der Nacht zum Dienstag in den Mellitah-Komplex ein, rund 90 Kilometer westlich von Tripolis, und drehten kurzerhand jene Gasleitungen zu, die die Kraftwerke des Landes speisen. Wer glaubt, das sei ein exotisches Problem am Südrand des Mittelmeers, sollte einen Blick auf die Landkarte werfen – und auf die Unterseepipeline nach Sizilien.

Ein Komplex, der Italien versorgt – und Libyen am Laufen hält

Der Mellitah-Komplex ist ein Gemeinschaftsunternehmen der staatlichen libyschen Ölgesellschaft NOC und des italienischen Energieriesen Eni. Von dort aus fließen nach Angaben eines internationalen Dienstleisters täglich rund 30 Millionen Standardkubikmeter Gas durch eine Röhre unter dem Mittelmeer hinüber nach Sizilien. Zusätzlich betreibt Mellitah das Ölfeld El Feel, das unter normalen Umständen zwischen 80.000 und 90.000 Barrel pro Tag liefert. Nach der Störung stand die Förderung an den Feldern El Feel und Wafa still, inzwischen laufe sie wieder an, wie die NOC mitteilte. Die Regierung in Tripolis erklärte, Sicherheitskräfte hätten die Anlage zurückerobert, die Gaszufuhr zu den Kraftwerken sei wiederhergestellt.

Die Behörden hatten zuvor gewarnt, das Abdrehen der Leitungen könne in mehreren Landesteilen einen kompletten Blackout auslösen und die Stabilität des gesamten Netzes gefährden. Mehrere Generatoren fielen laut NOC aus. Der staatliche Stromversorger versprach, das Netz werde nach Wiederaufnahme des Betriebs schrittweise stabilisiert. Das klingt beruhigend – solange man nicht in Sawija oder Misrata im Dunkeln sitzt.

Wut auf der Straße, Rücktrittsforderungen im Regierungsviertel

Seit Tagen protestieren Menschen in Tripolis, Sawija, Misrata und weiteren Städten im Westen des Landes gegen stundenlange Stromausfälle. Sie verlangen eine funktionierende Versorgung – und den Rücktritt von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbeibah. Man muss kein Nahost-Experte sein, um zu erkennen: Wo der Staat nicht einmal die Grundversorgung garantiert, verliert er zuerst die Legitimität und dann die Kontrolle.

Die Gewerkschaft der Beschäftigten verurteilte das Zudrehen der Leitungen scharf. Es habe erhebliche technische und betriebliche Risiken geschaffen und das Leben der Arbeiter gefährdet, hieß es. Gefordert wurden strengere Sicherheitsvorkehrungen und juristische Konsequenzen für die Beteiligten. Ein Gasleitungssystem ist kein Wasserhahn – wer daran herumdreht, riskiert Explosionen, nicht nur Symbolpolitik.

Ein Land, zwei Regierungen, unzählige Interessen

Man darf an dieser Stelle daran erinnern, wie Libyen in diesen Zustand geraten ist. Seit dem Sturz Muammar al-Gaddafis im Jahr 2011 – damals von westlichen Hauptstädten als Beginn einer strahlenden demokratischen Zukunft gefeiert – ist das Land zwischen rivalisierenden Machtzentren zerfallen. Im Westen regiert die international anerkannte Regierung Dbeibahs, im Osten leitet Osama Hammad die Verwaltung, flankiert vom Einfluss des Militärkommandeurs Chalifa Haftar. Milizen und ausländische Akteure halten auf beiden Seiten die Hand am Hebel. Die Bilanz einer Intervention, deren Architekten sich heute nur noch ungern daran erinnern lassen.

Wer ein Land zerschlägt, ohne einen Plan für den Tag danach zu haben, erntet fünfzehn Jahre später Blackouts, Bandenherrschaft und Migrationsdruck an Europas Südgrenze.

Was das mit Deutschland zu tun hat

Sehr viel. Denn während in Tripolis um Kilowattstunden gekämpft wird, hat Berlin die eigene Energiebasis freiwillig verschmälert: Kernkraft abgeschaltet, Kohle im Auslaufmodus, die Klimaneutralität bis 2045 inzwischen sogar im Grundgesetz verankert – und die Versorgungslücke wird mit Erdgas gefüllt, das über Pipelines und Tanker aus Regionen kommt, in denen ein wütender Mob binnen einer Nacht die Ventile schließen kann. Italien spürt solche Ereignisse unmittelbar, und in einem europäischen Verbundmarkt spürt es am Ende jeder.

Die neue Bundesregierung aus Union und SPD hat zwar die Rhetorik geändert, an der strukturellen Abhängigkeit aber wenig. Stattdessen wird ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt, dessen Zinsen künftige Generationen über Steuern und Abgaben abtragen dürfen – jener Friedrich Merz, der vor der Wahl noch Schuldendisziplin versprach, hat diesen Vorsatz bemerkenswert schnell zu den Akten gelegt. Wer glaubt, Versorgungssicherheit ließe sich mit Absichtserklärungen und Fördertöpfen herbeireden, wird von der Realität eingeholt. In Libyen dauerte das eine Nacht.

Warum Sachwerte in solchen Zeiten Konjunktur haben

Jede Störung an einer Pipeline, jeder Aufstand in einem Förderland, jede politisch verordnete Verknappung schlägt am Ende in Preisen durch – und Preise, die steigen, entwerten Guthaben, deren Kaufkraft von Notenbanken und Haushaltspolitik abhängt. Genau hier liegt der Reiz physischer Edelmetalle: Gold und Silber kennen keinen Ausfall von Generatoren, keine Bonitätsprüfung und keine Regierung, die nachts das Ventil zudreht. Sie sind, anders als Papierversprechen, nicht auf das Funktionieren einer Verwaltung angewiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen erfüllen sie damit eine Aufgabe, die kaum eine andere Anlageklasse in dieser Form leisten kann: Sie sichern Substanz, wenn die Kulisse wackelt.

Libyen ist eine Warnung, kein Randthema. Ein Staat, der seine Bürger nicht mit Strom versorgen kann, produziert Wut. Und ein Kontinent, der seine Energieversorgung von der Stabilität solcher Staaten abhängig macht, sollte sich nicht wundern, wenn die Rechnung eines Tages präsentiert wird.

Hinweis in eigener Sache

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen dar. Er ist keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Jede Anlageentscheidung – ob in Edelmetalle, Rohstoffe, Wertpapiere oder andere Vermögenswerte – erfordert eine eigene, sorgfältige Prüfung und gegebenenfalls die Hinzuziehung qualifizierter Berater. Für Vermögensdispositionen und deren Folgen trägt jeder Anleger selbst die Verantwortung; eine Haftung für Verluste wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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