
Lufthansa streicht 550 Stellen: Wenn der Kranich die Flügel einzieht, ist das kein Zufall, sondern eine Diagnose

Es beginnt, wie es in deutschen Konzernen immer beginnt: mit einem freundlichen Programmnamen. „New Ways“ heißt das Instrument, mit dem die Deutsche Lufthansa AG nun den ersten Spatenstich für den bereits im vergangenen September angekündigten Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bis 2030 setzt. Neue Wege also. Der Weg führt allerdings nicht in eine glänzende Zukunft, sondern zunächst einmal aus dem Unternehmen hinaus – für bis zu 550 Vollzeitstellen bei der Kernmarke Lufthansa Airlines und in den Zentralbereichen des Konzerns.
Freiwilligkeit mit Hintertür
Laut einem internen Schreiben an die Belegschaft, über das berichtet wurde, stehen den Betroffenen zwei Varianten offen: ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung – oder ein Aufhebungsvertrag mit unwiderruflicher bezahlter Freistellung, samt Erlaubnis zur Nebentätigkeit außerhalb der Lufthansa Group. Es gelte, so heißt es, das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: Sowohl der Mitarbeiter als auch die Führungskraft müssten zustimmen.
Doch der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Denn selbst melden darf sich niemand. Wer für „New Ways“ infrage komme, werde von der eigenen Führungskraft angesprochen – ab dem 27. Juli. Freiwilligkeit sieht anders aus. Wer angetippt wird, weiß, wo er steht. Wer nicht angetippt wird, darf hoffen. Über konkrete Abfindungssummen schweigt sich das Unternehmen aus; die Modalitäten basierten auf einem vereinbarten Rahmen, ergäben sich aber aus individuellen Faktoren und würden in persönlichen Gesprächen mit HR-Consultants erläutert. Übersetzt: Verhandelt wird einzeln, und die Verhandlungsmacht liegt nicht beim Beschäftigten.
Der Abbau soll nicht allein über freiwillige Instrumente laufen, sondern auch über Fluktuation und den bewussten Verzicht auf Nachbesetzungen. Altersteilzeit? Wird nicht angeboten.
Symptom, nicht Ursache
Man könnte das nun als betriebswirtschaftliche Routine abtun. Ein Konzern strafft, spart, optimiert – so ist Marktwirtschaft. Nur wäre das zu kurz gesprungen. Denn wer sich fragt, warum ausgerechnet der einstige Stolz der deutschen Luftfahrt an der Kostenschraube dreht, landet unweigerlich bei einem Standort, der seine eigenen Unternehmen behandelt wie lästige Bittsteller.
Deutschland ist zum teuersten Ort Europas geworden, um ein Flugzeug in die Luft zu bekommen. Luftverkehrsteuer, Standortgebühren, Luftsicherheitskosten, dazu eine europäische Klimaregulatorik samt Beimischungsquoten für synthetische Kraftstoffe, die es real kaum gibt – die Summe dieser politischen Entscheidungen ergibt ein Preisschild, das kein Controller wegzaubern kann. Während Billigflieger deutsche Standorte reihenweise ausdünnen und Verkehr in die Nachbarländer verschieben, verwandelt sich der Himmel über Deutschland langsam in ein Naturschutzgebiet für Kerosinvermeider. Man nennt es Klimapolitik. Man könnte es auch Deindustrialisierung nennen.
Und die Politik? Beschäftigt sich mit sich selbst
Statt die Kostenlast zu senken, hat die neue Bundesregierung ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt und die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert. Schulden, die künftige Generationen über Steuern und Abgaben abstottern werden – von einem Kanzler, der im Wahlkampf noch versprochen hatte, genau das nicht zu tun. Für Unternehmen wie die Lufthansa bedeutet das: höhere Inflation, höhere Lohnforderungen, höhere Energiepreise, höhere Abgaben. Und dann wundert man sich, dass Stellen gestrichen werden.
Der Kranich ist ein Symbol. Wenn er die Flügel einzieht, dann nicht, weil ihm die Lust am Fliegen vergangen wäre, sondern weil ihm die Luft ausgeht. 550 Stellen sind nur der Auftakt – 4.000 sollen es bis 2030 werden. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Familien, Lebensläufe, Existenzen. In einem Land, das sich einst über Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit definierte.
Was der Einzelne daraus mitnehmen sollte
Wer jetzt noch glaubt, der Arbeitsplatz sei die sicherste Form der Altersvorsorge, hat die letzten Jahre verschlafen. Automobilzulieferer, Chemie, Maschinenbau, nun die Luftfahrt: Die Liste der Branchen, die still und leise Personal abbauen, wird länger, während die Kaufkraft des Ersparten von einer Inflation zermahlen wird, die schuldenfinanzierte Politik zuverlässig produziert.
Genau in solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle seit Jahrtausenden ihren Platz in einem breit gestreuten Vermögen behaupten. Gold und Silber kennen keine Restrukturierungsprogramme, keine Aufhebungsverträge und keine Sondervermögen. Sie sind das Gegenteil eines Versprechens – sie sind Substanz. Als Beimischung zu einem gesunden Portfolio können sie das leisten, was Papierwerte in Krisenzeiten regelmäßig schuldig bleiben: Werterhalt ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Einschätzung unserer Redaktion dar und ist ausdrücklich keine Anlageberatung. Wir sprechen keine Empfehlungen für einzelne Unternehmen, Wertpapiere oder Anlageprodukte aus. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und liegt allein in der Verantwortung des Anlegers. Für Vermögensverluste jeder Art wird keine Haftung übernommen.
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