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Kettner Edelmetalle
14.08.2026
18:34 Uhr
KI-generiert

Luftschloss Gigawatt: Die KI-Blase hat ein Stromproblem

Luftschloss Gigawatt: Die KI-Blase hat ein Stromproblem
Symbolbild: KI-generiert

Der Boom der künstlichen Intelligenz steht auf tönernen Füßen — zumindest energetisch. Nach neuen Projektionen der Beratungsfirma Wood Mackenzie, über die Bloomberg am 12. August berichtete, wird der überwiegende Teil des Stroms, den US-Rechenzentren bei Netzbetreibern angemeldet haben, niemals fließen. Von 1.066 angefragten Gigawatt dürften Versorger und Netzbetreiber nur rund 28 Prozent tatsächlich zusagen.

Zur Einordnung: Ein Gigawatt entspricht ungefähr der Leistung eines klassischen Kernreaktors. Die angemeldete Menge entspricht laut US-Energiebehörde EIA rund 83 Prozent der gesamten industriellen Erzeugungskapazität der Vereinigten Staaten zum Jahresende.

„Phantom-Projekte": Ein Rechenzentrum, fünf Anträge

Wie kommt es zu solchen Fantasiezahlen? Ganz einfach: Viele Entwickler melden dasselbe Projekt gleich bei mehreren Versorgern an — und ziehen dort durch, wo Konditionen und Genehmigungstempo am besten sind. In der Branche heißen solche Mehrfachanmeldungen „Phantom"-Anträge.

Das Ergebnis ist ein statistisches Trümmerfeld. Glenn Schwartz von der Rapidan Energy Group wird mit der Einschätzung zitiert, Netzbetreiber wüssten schlicht nicht, welche Anfragen echt seien und welche nicht; er rechnet mit einer Realisierungsquote von 20 bis 30 Prozent. Reid Ramdathsingh von Rystad Energy hält im größten US-Netz PJM etwa die Hälfte der Anträge für glaubwürdig — im texanischen Netz dagegen nur 14 Prozent.

Texas zieht die Notbremse

In Texas hat der Realitätsschock bereits politische Konsequenzen. Gouverneur Greg Abbott ordnete am 3. August an, jedes Rechenzentrumsprojekt mit Netzzugangswunsch prüfen zu lassen — faktisch ein Genehmigungsstopp. Beim Netzbetreiber ERCOT stapeln sich rund 474 Gigawatt an Anschlussanfragen, etwa 90 Prozent davon aus der Rechenzentrumsbranche. Das Allzeithoch der tatsächlichen Spitzenlast lag bei rund 91 Gigawatt.

Nach Berechnungen von BloombergNEF stünden dadurch rund 13 Milliarden Dollar an Branchenumsätzen auf dem Spiel. Der Energieversorger Exelon strich im Juli seine Pipeline an Rechenzentrums-Anfragen um fast 40 Prozent zusammen — geblieben sind rund elf Gigawatt.

Wer die Zeche zahlt

Der unangenehme Teil betrifft nicht die Konzerne, sondern die Stromkunden. Netzausbau wird in der Regel über Netzentgelte refinanziert — wer auf Basis aufgeblähter Prognosen Leitungen und Kraftwerke plant, verteuert am Ende die Rechnung ganz normaler Haushalte. Ein Muster, das deutschen Verbrauchern nach Jahren teurer Energiewende-Experimente bekannt vorkommen dürfte.

Bemerkenswert nüchtern fällt auch die Analyse der Investmentbank Bernstein aus, die von rund 33 Prozent glaubwürdiger Bauprojekte im eigenen Datensatz ausgeht. Deren Analystin Madison Rezaei formuliert das Prinzip so:

„We’re infrastructure people, so we tend to skew conservative and not give meaningful credit for announcements before we see progress of builds."

Was Anleger daraus lernen sollten

Übersetzt heißt das: Pressemitteilungen sind keine Baukräne. Zwischen der markigen Ankündigung und dem tatsächlichen Transformator liegen Jahre, Milliarden und jede Menge Genehmigungen. Beobachter sehen darin ein Warnsignal für die gesamte KI-Euphorie an den Börsen — wenn ein erheblicher Teil der eingepreisten Wachstumsfantasie schlicht nicht gebaut wird, dürfte irgendwann jemand nachrechnen.

Für Sparer bleibt die alte Erkenntnis: Wer sein Vermögen ausschließlich auf Erzählungen setzt, lebt gefährlich. Physisches Gold und Silber liefern zwar keine Wachstumsstory — aber sie sind auch nicht auf einen Netzanschluss angewiesen und haben sich als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen über Jahrhunderte bewährt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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