
Maut auf dem Weltmeer: Teheran und Maskat teilen die Straße von Hormus neu auf – und Europa schaut wieder nur zu

Es sind 33 Kilometer Wasser an der engsten Stelle, durch die ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt. Wer diese Nadelöhr-Passage kontrolliert, hält die Hand an der Halsschlagader der Weltwirtschaft. Und genau dort, in der Straße von Hormus, wird derzeit eine neue Ordnung ausgehandelt – von Iran und Oman. Nicht von Brüssel. Nicht von Berlin. Sondern von zwei Staaten, die begriffen haben, dass Geografie Macht bedeutet.
Nach Angaben des Sprechers des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, hätten sich beide Seiten auf die geografischen Koordinaten einer neuen Route verständigt. Eine gemeinsame Erklärung befinde sich in der Endphase der Vorbereitung – sofern, so Baghaei, „bestimmte dritte Parteien“ den Prozess nicht behinderten. Wer damit gemeint sein dürfte, ist selbst dem politisch Uninteressierten klar.
Sicherheit? Nur auf dem Papier
Bemerkenswert ist die Ehrlichkeit, mit der Teheran seine eigene Vereinbarung relativiert. Eine Verständigung mit dem Oman bedeute noch keineswegs, dass die Meerenge für durchfahrende Schiffe sicher geworden sei, ließ Baghaei wissen. Es blieben „von den USA ausgehende Unsicherheitsfaktoren“, darunter eine Seeblockade sowie aggressive Maßnahmen gegen iranische Interessen. Übersetzt: Die Route steht, das Risiko bleibt. Und die Reederei, die durchfährt, zahlt am Ende die Rechnung – in Prämien, in Nerven, in Fracht.
Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters, gestützt auf eine hochrangige iranische Quelle und zwei regionale Beamte, sehe der Entwurf eine iranische Kontrolle über in den Golf einlaufende Schiffe vor. Strittig sei noch die Rolle Teherans bei auslaufenden Schiffen. Und was „Kontrolle“ überhaupt bedeuten solle, sei nicht einmal definiert. Ein Vertragswerk also, dessen zentraler Begriff im Nebel bleibt – man kennt das aus europäischen Gipfelerklärungen.
Fünf bis sieben Prozent des Ladungswerts
Der eigentliche Kern der Sache ist Geld. Teheran fordere laut Reuters Gebühren zwischen fünf und sieben Prozent des Ladungswerts, Oman schlage rund drei Prozent vor. Washington lehne jede Abgabe ab. Als Ausweg gelte die Konstruktion nominell freiwilliger Zahlungen – ein Euphemismus, der es verdient, im Wörterbuch der politischen Heuchelei verewigt zu werden. Denn wenn im Hintergrund die implizite Drohung iranischer Angriffe steht, wird kein Kapitän freiwillig auf die Zahlung verzichten. Das ist keine Gebühr. Das ist Schutzgeld mit diplomatischem Briefkopf.
US-Präsident Donald Trump erklärte laut AP am Dienstagabend in Kalifornien, eine Ankündigung könne „morgen oder übermorgen“ kommen, große Fortschritte seien erzielt. Zugleich stellte er klar, er werde keine Gebührenerhebung zulassen – wer Gebühren erhebe, bekomme selbst Gebühren aufgebrummt. Eine iranische Quelle formulierte gegenüber Reuters die Lage treffend:
Der Teufel steckt im Detail. Ein einziger Tweet von Trump könnte das Ganze zum Einsturz bringen.
Und was macht Deutschland?
Während im Persischen Golf über Zölle auf Öltanker verhandelt wird, diskutiert man in der Bundesrepublik über Wärmepumpenförderung und die grammatikalisch korrekte Ansprache aller Geschlechter. Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit bewundernswerter Konsequenz jeder eigenen Energiesouveränität entledigt: Kernkraft abgeschaltet, heimische Förderung verteufelt, Abhängigkeit von Lieferketten maximiert, die durch genau solche Meerengen führen. Wer nichts eigenes mehr produziert, muss nehmen, was der Weltmarkt ihm zu dem Preis anbietet, den andere festlegen.
Sollten die Gebühren tatsächlich Realität werden – ob „freiwillig“ oder erzwungen –, landen sie am Ende dort, wo in dieser Republik alles landet: beim Bürger. An der Tankstelle, in der Heizkostenabrechnung, im Supermarktregal. Historisch betrachtet ist die Straße von Hormus ein Dauerbrandherd: Vom Tankerkrieg der 1980er Jahre über die Minenlegungen bis zu den Beschlagnahmungen der letzten Jahre – jedes Mal reagierten die Energiemärkte reflexartig, und jedes Mal folgte die Inflation mit Verzögerung.
Warum Sachwerte in solchen Zeiten Konjunktur haben
Wenn Handelsrouten zum Verhandlungsobjekt werden, wenn Verträge von einem einzigen Kurznachricht-Impuls abhängen, dann zeigt sich der wahre Charakter von Papierversprechen. Währungen leben von Vertrauen, Vertrauen lebt von Stabilität – und Stabilität ist derzeit ein rares Gut. Physisches Gold und Silber kennen keine Durchfahrtsgebühr, keine Seeblockade und keinen Regierungswechsel. Sie sind seit Jahrtausenden das, was sie sind: Werte, die niemand durch Dekret entwerten kann. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen entfalten sie gerade dann ihre Wirkung, wenn die politische Landkarte ins Rutschen kommt.
Die Bürger dieses Landes hätten allerdings ein Anrecht darauf, dass ihre Regierung Vorsorge nicht dem Einzelnen überlässt, sondern selbst strategisch denkt. Bislang wartet man darauf vergeblich.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren, Risiken zu prüfen und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.












