
Maut-Milliarden umgeleitet: Lkw zahlen, die Bahn kassiert

Fast sechs Milliarden Euro aus der Lkw-Maut flossen allein im Jahr 2024 nicht in Asphalt und Brücken, sondern in die Schiene. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Stefan Henze hervor, über die zuerst berichtet wurde. Gezahlt haben die Spediteure – profitiert hat die Deutsche Bahn.
12,96 Milliarden kassiert, 5,95 Milliarden umgeleitet
Die Zahlen sind eindeutig: Rund 12,96 Milliarden Euro nahm der Bund 2024 über die Lkw-Maut ein. Knapp 5,95 Milliarden Euro davon – etwa 43 Prozent der Nettomaut-Ausgaben – landeten in der Schieneninfrastruktur.
2025 kletterten die Einnahmen auf rund 13,39 Milliarden Euro, für die Schiene wurden dem Bericht zufolge knapp 1,47 Milliarden Euro eingesetzt, also rund zwölf Prozent. Bis Ende August 2026 hat der Bund bereits etwa 8,5 Milliarden Euro eingenommen; für die Schiene sind in diesem Jahr 2,516 Milliarden Euro vorgesehen.
Legal – dank einer Formulierung im Gesetz
Rechtlich ist das nicht zu beanstanden. Das Bundesfernstraßenmautgesetz schreibt lediglich vor, dass die Hälfte des Mautaufkommens zweckgebunden den Bundesfernstraßen zugutekommen muss. Der Rest darf in den „Bereich Mobilität“ fließen – und dort „ganz überwiegend“ in die Bundesschienenwege.
Anders gesagt: Der Gesetzgeber hat sich die Umverteilung selbst genehmigt. Möglich wurde der Geldregen für die Schiene durch die Maut-Reform vom Dezember 2023, als ein CO2-Aufschlag von 200 Euro je Tonne eingeführt wurde. Seit Juli 2024 gilt die Mautpflicht zudem schon ab 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse, auch auf Bundesstraßen – erfasst unter anderem über die sogenannten „blauen Blitzer“.
Und die Brücken? Bröckeln weiter
Während Milliarden auf die Schiene wandern, wächst der Sanierungsstau auf der Straße. Nach Angaben des Verkehrsministeriums müssen in den kommenden zehn Jahren rund 4.000 Autobahnbrücken saniert oder ersetzt werden. Berichten zufolge liegt die Modernisierung deutlich hinter dem eigenen Zielpfad zurück: Statt der angepeilten 400 Teilbauwerke pro Jahr rechnete die Autobahn GmbH für 2026 mit etwa 200.
Auch beim Empfänger des Geldes ist der Erfolg überschaubar. Die Bahnchefin räumte Medienberichten zufolge im Januar 2026 ein, 2026 werde bei der Pünktlichkeit ein schwieriges Jahr; im März sprach sie von rund zehn Jahren, die die Sanierung des Netzes brauche. Für Verspätungen zahlte der Konzern 2025 laut Berichten 156 Millionen Euro Entschädigung an Fahrgäste.
„Zweckentfremdet“ – die Kritik
Der Abgeordnete Henze kritisierte die Praxis mit deutlichen Worten:
„Solange die überkommenen Strukturen der Deutschen Bahn nicht aufgebrochen und modernisiert worden sind, hat es wenig Sinn, in das Unternehmen zu investieren. Schon gar nicht, wenn dafür Einnahmen aus dem Straßenverkehr zweckentfremdet werden, die dort dringend für die Sanierung von Brücken und Fahrbahnen gebraucht werden.“
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorgang ein Grundmuster deutscher Verkehrspolitik offen: Erst wird eine Abgabe mit dem Versprechen erhoben, die belastete Infrastruktur zu erhalten – dann wandert das Geld dorthin, wo es politisch besser aussieht. Die Kosten trägt am Ende der Verbraucher, denn jede Mauterhöhung schlägt über Frachtraten auf die Preise im Regal durch.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Rechts- oder Steuerberatung noch eine Anlageberatung dar. Wer Vermögen aufbauen oder absichern möchte – etwa durch physische Edelmetalle als Beimischung –, sollte eigenständig recherchieren und entscheidet eigenverantwortlich.
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