
Milliarden-Deal mit Israel: Was Berlin den Steuerzahlern verschweigt

Seit 2023 hat die Bundesregierung in Israel Rüstungsgüter für mehr als acht Milliarden Euro bestellt. Allein auf das Raketenabwehrsystem Arrow 3 entfallen mehr als sechs Milliarden Euro. Auch die deutschen Exporte nach Israel steigen deutlich: Im ersten Halbjahr 2026 waren sie viermal so hoch wie im gesamten Vorjahr. Viele Details hält die Regierung allerdings unter Verschluss.
Arrow 3: Der teuerste Schutzschild der Republik
Olaf Scholz kündigte den Kauf im August 2022 an, ein halbes Jahr nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Im November 2023 unterschrieb das Beschaffungsamt der Bundeswehr laut Verteidigungsministerium den ersten Vertrag über 3,6 Milliarden Euro. Bezahlt wurde aus dem Sondervermögen, also auf Pump.
Ende 2025 meldete die Luftwaffe im brandenburgischen Holzdorf die erste Einsatzbereitschaft. Nur zwei Wochen später gab der Haushaltsausschuss eine Erweiterung über 3,1 Milliarden US-Dollar frei, umgerechnet etwa 2,6 Milliarden Euro. Damit soll sich das System ungefähr verdoppeln. Das israelische Verteidigungsministerium nennt den Deal den größten Rüstungsexport in der Geschichte des Landes.
Ob er sich lohnt, ist umstritten. Das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung zweifelte schon 2023 daran, dass Arrow 3 überhaupt gegen russische Raketen und Marschflugkörper geeignet sei. Für diese Antwort zahlen die Bürger einen Milliardenbetrag.
Spike, PULS, Heron: Die Einkaufsliste wird länger
Arrow ist nur der größte Posten. Medienberichten zufolge bestellte Deutschland im Oktober 2025 über die Nato-Beschaffungsagentur Panzerabwehrraketen vom Typ Spike für rund zwei Milliarden Euro. Bei der Bundeswehr heißen sie MELLS. Lieferant ist EuroSpike, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rafael, Diehl und Rheinmetall. Ein Teil des Geldes bleibt also in Deutschland.
- PULS-Raketenartillerie: fünf Werfer für rund 65 Millionen Euro, gebaut von Elbit zusammen mit KNDS Deutschland. Sie ersetzen Systeme, die an die Ukraine abgegeben wurden.
- Heron-TP-Drohnen: seit 2018 von IAI geleast. Geplant war laut Bundestagsunterlagen etwa eine Milliarde Euro, die tatsächlichen Kosten sind geheim.
- Kleinere Aufträge: von 2020 bis September 2025 rund 516 Millionen Euro, davon 315 Millionen allein im Jahr 2025.
Exporte: Erst gebremst, dann stark gestiegen
Auch die Ausfuhren schwanken stark. 2022 genehmigte Berlin Rüstungsexporte nach Israel für 32 Millionen Euro. Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 waren es 326,5 Millionen Euro, 2024 dann 161 Millionen und 2025 nach vorläufigen Zahlen 201 Millionen Euro.
Im Sommer 2025 schränkte Kanzler Friedrich Merz Lieferungen ein, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Laut Wirtschaftsministerium wurden in dieser Zeit trotzdem Exporte für rund zehn Millionen Euro erlaubt. Inzwischen ist die Beschränkung wieder aufgehoben. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Genehmigungen bei 735,8 Millionen Euro, im ersten Halbjahr insgesamt bei 799 Millionen. Damit steht Israel auf Platz sechs der Empfängerländer.
Zwei Drittel davon gehen nach Angaben des Ministeriums auf ein großes Marineprojekt zurück. Gemeint sein dürfte das U-Boot INS Drakon, das die Kieler Werft TKMS im Juli 2026 übergab. Von März bis Juni 2026 wurden laut Regierung allerdings keine Kriegswaffen tatsächlich nach Israel geliefert.
U-Boote mit deutschem Zuschuss
Bei den U-Booten zahlt der Bund seit den Neunzigerjahren mit. Recherchen zufolge finanzierte Deutschland die ersten beiden Dolphin-Boote komplett, das dritte zur Hälfte und die drei folgenden zu einem Drittel. Für die drei neuen Boote der Dakar-Klasse, die rund drei Milliarden Euro kosten, übernimmt Berlin laut einer Vereinbarung von 2017 ein Drittel, höchstens aber 540 Millionen Euro.
Die Regierung begründet das mit Deutschlands besonderer Verantwortung für Israels Sicherheit. Kritiker weisen darauf hin, dass sich die Boote nach Einschätzung von Fachleuten mit atomar bestückten Marschflugkörpern ausrüsten ließen. Berlin erklärt, die Boote würden ohne Bewaffnung geliefert.
Geheimhaltung unter Berufung auf das Staatswohl
Was genau geliefert wird, sagt die Regierung nicht und verweist auf das Staatswohl. Die Auftragswerte für Arrow, Spike, PULS und die Heron-Drohnen sind als Verschlusssache eingestuft. Aus den Summen ließen sich sonst Stückzahlen und Fähigkeiten der Bundeswehr ableiten, heißt es zur Begründung.
Die Linke fordert einen vollständigen Exportstopp und wirft der Regierung „grenzenlose Doppelmoral“ vor. Die Koalition lehnt das ab. Aus Sicht unserer Redaktion bleibt eine grundsätzliche Frage: Wer mit Schulden aus dem Sondervermögen Milliarden ausgibt, sollte offenlegen, wofür. Die Regierung tut das bislang nur in Teilen.
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