
Millionenprojekt in Lüdenscheid: Neue Multifunktionshalle soll marode Innenstadt wiederbeleben
Nach jahrelangem Leerstand und gescheiterten Anläufen könnte die ehemalige P&C-Immobilie in Lüdenscheid endlich eine Zukunft haben. Der Projektentwickler Midstad, seines Zeichens Immobilienzweig von Peek & Cloppenburg, präsentierte kürzlich ambitionierte Pläne für einen kompletten Neubau. Das Konzept sieht neben Büroflächen, Handel und Gastronomie auch eine 500 Quadratmeter große Multifunktionshalle vor – ein Vorhaben, das die gebeutelte Innenstadt wiederbeleben soll.
Abriss und Neustart statt weiterer Verfall
Die Eckimmobilie an der Wilhelmstraße 2 bis 10 verfällt seit Jahren zusehends und wird von vielen Bürgern als Schandfleck empfunden. Nun soll der Bestandsbau schnellstmöglich abgerissen werden. An seiner Stelle plant das Architekturbüro Caspar eine deutlich reduzierte Bebauung mit zwei Teilbereichen: Ein drei- bis siebengeschossiges Bürogebäude zur Wilhelmstraße hin und ein flacheres Gebäudeensemble in Richtung Sauerfeld.
Insgesamt entstünden rund 4.500 Quadratmeter Bürofläche und etwa 3.000 Quadratmeter für den Einzelhandel. Sogar eine neue P&C-Niederlassung sei im Gespräch, heißt es aus Unternehmenskreisen. Ein grüner Innenhof mit Gastronomie und die besagte Multifunktionshalle für Sport, Kultur und Veranstaltungen bilden das Herzstück des Konzepts.
Stadt als Ankermieter – ein riskantes Geschäft?
Der Haken an der Sache: Die Stadt Lüdenscheid müsste als Hauptmieter fungieren und die Büroflächen für bis zu 30 Jahre anmieten. Rund 200 Arbeitsplätze könnten dort untergebracht werden. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) räumte bereits ein, dass dabei "ein finanzielles Delta" entstehe, bei dem die Stadt draufzahlen werde. Die entscheidende Frage sei, ob es der Stadt die Innenstadtentwicklung wert sei.
"Wir stehen nicht unter Druck", versicherte Wagemeyer gegenüber der Presse. Für Beratungen in den Fraktionen müsse hinreichend Raum sein.
Diese Aussage wirkt angesichts der desolaten Innenstadtsituation fast schon zynisch. Während überall in Deutschland die Innenstädte veröden und der Einzelhandel stirbt, leistet sich Lüdenscheid den Luxus, nicht unter Druck zu stehen? Die Bürger dürften das anders sehen.
Geschichte des Scheiterns
Die Liste der gescheiterten Projekte für das Grundstück liest sich wie eine Chronik des kommunalpolitischen Versagens. Bereits 2012 versandeten erste Pläne von P&C. 2019 lehnte die Politik einen 44 Meter hohen Stadtturm ab – für eine niedrigere Variante fand sich kein Investor. 2021 zog die Terragon AG ihre Pläne für eine Seniorenresidenz zurück und meldete später sogar Insolvenz an.
Nun also ein neuer Anlauf mit einem zweistelligen Millionenbetrag, den der Investor in die Hand nehmen will. Die Visualisierungen zeigen begrünte Dächer mit Solarmodulen und einen offenen Zugang zur Multifunktionshalle – alles sehr modern, sehr grün, sehr zeitgeistig.
Entscheidung nach der Kommunalwahl
Pikant ist der Zeitpunkt der Entscheidung: Die öffentliche Vorstellung der Pläne im Stadtplanungsausschuss erfolgt am 17. September – drei Tage nach der Kommunalwahl. Der neu gewählte Rat wird dann über das Schicksal des Projekts entscheiden müssen. Man darf gespannt sein, ob die Wähler den bisherigen Entscheidungsträgern noch einmal ihr Vertrauen schenken oder ob sie endlich Politiker wählen, die mutige Entscheidungen für ihre Stadt treffen.
Die Lüdenscheider Innenstadt braucht dringend neue Impulse. Ob ausgerechnet ein Projekt, bei dem die Stadt als Dauermieter draufzahlt, die Lösung ist, darf bezweifelt werden. Vielleicht wäre es sinnvoller, über grundsätzliche Alternativen nachzudenken – etwa über eine Stärkung des Mittelstands statt immer neuer Großprojekte, die am Ende doch wieder scheitern.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und steigender Inflation sollten Kommunen vorsichtig mit langfristigen finanziellen Verpflichtungen sein. Wer heute für 30 Jahre Mietverträge unterschreibt, bindet künftige Generationen an Entscheidungen, deren Tragweite noch gar nicht absehbar ist. Eine solide Vermögensabsicherung, beispielsweise durch physische Edelmetalle, wäre für viele Bürger vermutlich die bessere Alternative zu kommunalen Prestigeprojekten.
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