
Ăl-Rekord mit leeren Tanks: Wie fragil ist das Wunder der Emirate?

Die Vereinigten Arabischen Emirate feiern mitten im Iran-Krieg einen Förderrekord. Nach SchĂ€tzung der Internationalen Energieagentur (IEA) pumpte das Land im September 5,3 Millionen Barrel Ăl pro Tag, so viel wie nie zuvor. Eine Branchenanalyse vom 22. Oktober kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis: GasgeschĂ€ft, Petrochemie und vor allem die Treibstoffreserven seien schwer angeschlagen.
Die âSchweiz des Golfsâ unter Beschuss
Jahrelang galten die Emirate als sicherer Hafen in einer unruhigen Region. Das Jahr 2026 hat dieses Bild zerstört. Laut der US-Energiebehörde EIA sank die Rohölförderung von rund 4,0 Millionen Barrel tÀglich zu Jahresbeginn auf durchschnittlich 2,4 Millionen zwischen MÀrz und Mai. Das ist ein Einbruch um 40 Prozent.
Die Liste der SchÀden liest sich wie ein Rundgang durch die Industrie des Landes:
- Raffineriekomplex Ruwais: Brand am 10. MĂ€rz, danach Stillstand
- Sauergasanlage Shah (KapazitÀt 1,28 Milliarden Kubikfuà pro Tag): Brand am 16. MÀrz
- AluminiumhĂŒtte von Emirates Global Aluminium: Ausfall am 28. MĂ€rz
- Gaskomplex Habshan: Treffer am 3. und am 8. April
- Petrochemiewerk von Borouge: beschÀdigt am 5. April
- Stromanlage am Atomkraftwerk Barakah: Drohnentreffer am 17. Mai
Besonders schwer wiegt das Schicksal von Fujairah. Der Hafen wurde gebaut, damit die Emirate ihr Ăl unabhĂ€ngig von der StraĂe von Hormus exportieren können. Reuters zĂ€hlt dort mindestens 19 Angriffe seit Kriegsbeginn. Nach einem Treffer am 4. Mai verlieĂ bis zum 1. Juni nur noch ein einziger Produktentanker den Hafen.
Einsatzbereit, aber ohne Arbeit
Beim Rohöl ist die Erholung gelungen, beim Gas nicht. ADNOC Gas meldete fĂŒr das zweite Quartal im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 32,5 Prozent bei der heimischen Gasproduktion und von 54,5 Prozent bei ExportflĂŒssigkeiten wie LPG und Naphtha. Der LNG-Anteil des Konzerns fiel um 63 Prozent. Der Umsatz sank um 39 Prozent, das entspricht rund 2,3 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal. Der Nettogewinn brach um 52 Prozent ein.
Ein Detail sticht heraus: Laut ADNOC Gas waren die Anlagen zu 99,9 Prozent verfĂŒgbar. Die tatsĂ€chliche Auslastung fiel dagegen von 80 auf 54 Prozent. Die Anlagen hĂ€tten also laufen können. Es fehlten aber Rohstoffe, Lagerplatz und Exportwege.
Seitdem geht es nur langsam voran. In Habshan war die Gasversorgung bis zum 10. August zu 85 Prozent wiederhergestellt. Borouge hatte sein Werk Ende Juni repariert, lief mangels Rohstoff aber nur zu 60 Prozent. Die AluminiumhĂŒtte rechnet erst Anfang 2027 wieder mit vollem Betrieb.
Reserven fĂŒr gut zehn Tage
Am 19. Oktober lagerten in Fujairah 7,25 Millionen Barrel Ălprodukte. Vor dem Krieg waren es rund 20,7 Millionen, also 65 Prozent mehr. Die VorrĂ€te an Benzin und Naphtha liegen 87 Prozent unter dem Vorkriegsstand. Bei Diesel und Kerosin betrĂ€gt das Minus 23 Prozent, davon allein 18 Prozent in einer einzigen Oktoberwoche. Und das kurz vor dem Winter.
Die Rechnung des Energieanalysten Karl Miller fĂ€llt deutlich aus: Fallen Exportwege fĂŒr eine Million Barrel pro Tag weg und stehen nur zehn Millionen Barrel nutzbarer Lagerraum zur VerfĂŒgung, mĂŒssten die Ălfelder nach etwa zehn Tagen gedrosselt werden. Eine strategische Reserve sieht anders aus.
Der Notausgang ist zu klein
Die Pipeline von Habshan nach Fujairah schafft 1,5 Millionen Barrel tĂ€glich, bestenfalls 1,8 Millionen. ADNOC gibt seine FörderkapazitĂ€t aber mit 4,85 Millionen Barrel an. Eine zweite Leitung ist erst fĂŒr 2027 geplant.
Ein Rekord auf Reserve
Woher kommt also der Rekord im September? Ein Teil stammt aus echten Reparaturen. Ein weiterer Teil folgt aus dem Austritt der Emirate aus der OPEC zum 1. Mai, wodurch die Förderquoten wegfielen. Und laut IEA sanken die LagerbestĂ€nde im September um rekordhohe 270.000 Barrel pro Tag. Der Rekord wurde also zum Teil aus den Reserven bezahlt. In der gesamten Golfregion lagen die Exporte von Ălprodukten im September bei 1,9 Millionen Barrel tĂ€glich. Vor dem Krieg waren es 4,7 Millionen.
Miller rĂ€umt ein, dass es kein vollstĂ€ndiges öffentliches Verzeichnis der SchĂ€den gibt. Die Tendenz sei trotzdem klar. Medienberichten zufolge wird in Washington gleichzeitig ĂŒber eine weitere Angriffswelle gegen Iran nachgedacht. Kommt es zu neuen VergeltungsschlĂ€gen, hĂ€tten die Emirate nur noch ein Drittel ihres frĂŒheren Puffers.
FĂŒr Europa und fĂŒr Deutschland, das bei Energie stark von Importen abhĂ€ngt, ist das eine Warnung. Knappe Diesel- und KerosinvorrĂ€te am Golf können sich schnell auf Preise und Inflation auswirken. In solchen Lagen gelten physisches Gold und Silber fĂŒr viele Sparer als bewĂ€hrte ErgĂ€nzung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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