
Öl-Schock trifft Gold: Fällt jetzt die 4.000-Dollar-Marke?

Drohnen über Saudi-Arabien, Brent bei 112,50 Dollar, Gold unter Druck: Am Donnerstag rutschte der Goldpreis im asiatischen Handel zeitweise um 1,8 Prozent ab und landete auf einer entscheidenden Unterstützungszone. Gleichzeitig verlieren Aktien und Bitcoin an Boden. Die nächsten Tage dürften zeigen, ob das Edelmetall nur verschnauft oder ob noch eine Verkaufswelle kommt.
Feuer im Ölfeld, Panik an der Börse
Den Auslöser liefert der Ölmarkt. Medienberichten zufolge kamen bei einem Drohnenangriff auf das saudische Shaybah-Ölfeld zwei Menschen ums Leben. Das Feld liegt tief in der Wüste Rub al-Chali und gehört zu den wichtigen Förderanlagen des Königreichs. Schon 2019 war es Ziel von Drohnen.
Washington reagierte schnell. Die USA forderten nicht dringend benötigte Botschaftsmitarbeiter und deren Familien auf, Saudi-Arabien zu verlassen. Brent stieg daraufhin zeitweise um 3,4 Prozent. Spätestens jetzt ist klar: Der Iran-Konflikt hat die wichtigste Ölregion der Welt erreicht.
Warum Gold gerade nicht als sicherer Hafen gefragt ist
Eigentlich gilt eine einfache Regel: Bei Krieg, Krise und fallenden Renditen steigt Gold. Derzeit passiert das Gegenteil. Der Grund ist die Inflation. Teureres Öl schiebt die Preise weiter an. Damit wächst die Sorge, die US-Notenbank Fed müsse die Zinsen erneut anheben. Für ein Metall ohne laufende Zinsen ist das Gegenwind.
Dazu kommt ein Effekt, den erfahrene Anleger aus früheren Krisen kennen. Wer bei Aktien Verluste macht, verkauft oft das, was sich noch gut verkaufen lässt. Häufig ist das Gold. Auch im Herbst 2008 und im März 2020 gab das Edelmetall zunächst nach, weil Anleger Bargeld brauchten. In beiden Fällen stieg es danach auf neue Höchststände.
Die KI-Blase bekommt Risse
Der Anleihemarkt sendet widersprüchliche Signale. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel vom jüngsten Hoch bei 5,36 Prozent auf 5,08 Prozent. Sie liegt damit aber weiter über der Fünf-Prozent-Marke. Grund ist laut Marktbeobachtern vor allem der Ausverkauf bei KI-Aktien: Anleger ziehen Geld aus teuren Tech-Werten ab und kaufen Staatsanleihen.
Gleichzeitig wachsen die Zweifel, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren je auszahlen. Bleibt der KI-Boom hinter den Erwartungen zurück, könnte das die US-Konjunktur deutlich bremsen. Die Realrendite zehnjähriger inflationsgeschützter US-Anleihen sank von 2,92 Prozent am 7. Oktober auf 2,70 Prozent. Das ist weniger, aber immer noch genug, um mit Gold zu konkurrieren.
Showdown am Dreifachtief
Charttechnisch wird es eng. Gold notiert bei rund 4.087 Dollar und damit unter der 50-, 100- und 200-Tage-Linie. Noch vor wenigen Tagen lag der Preis über 4.200 Dollar. Entscheidend ist nun die Zone um 4.066 Dollar, an der der Preis schon am 7. und 14. Oktober nach oben drehte. So zeichnet sich ein Dreifachtief ab.
- 4.066 Dollar: zentrale Unterstützung, das mögliche Dreifachtief
- 4.000 Dollar: psychologisch wichtige Marke
- 3.960 Dollar: Marke, an der sich der weitere Trend entscheiden dürfte
- 3.942 Dollar: Jahrestief
Hält die Unterstützung, wäre zunächst eine technische Erholung möglich. Bricht sie, drohen Kurse um 4.000 Dollar. Die nächste Probe kommt am 28. Oktober mit der Zinsentscheidung der Fed. Die Märkte erwarten überwiegend eine Pause. Für Dezember rechnet die Mehrheit jedoch mit einer weiteren Zinserhöhung.
Unser Fazit: Kurzfristig unruhig, langfristig solide
Ein Blick auf das Gesamtbild hilft. Steigende Energiepreise, wachsende US-Schulden, wackelnde Tech-Werte und eine Notenbank, die nur schwer gegensteuern kann: Das sind genau die Bedingungen, unter denen Gold seinen Wert als Absicherung zeigt. Kurzfristige Kursschwankungen ändern daran nichts.
Wer sein Vermögen gegen Inflation und Krisen absichern möchte, kann Rücksetzer nutzen, um Bestände schrittweise aufzubauen. Physisches Gold und Silber eignen sich dafür als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen. Bitte informieren Sie sich vor jeder Anlageentscheidung selbst. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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