
Öl über 100 Dollar: Vance verspricht die Wende im Iran-Krieg

US-Vizepräsident JD Vance hat in einem Interview mit der New York Post an Bord der Air Force Two eine baldige Zäsur im Krieg gegen den Iran in Aussicht gestellt. Der Konflikt werde "in ein paar Monaten" in eine "deutlich andere Phase" eintreten, sagte Vance dem Blatt. Zugleich räumte er ein, dass allein der Präsident als Oberbefehlshaber entscheide, wann Kriege beginnen und wann sie enden.
Phase eins abgehakt – Phase zwei ohne Enddatum
Vance zufolge sei der erste Abschnitt des Feldzugs abgeschlossen: die Zerstörung des iranischen Atomprogramms, der konventionellen Streitkräfte und der Fähigkeit Teherans, Macht über die eigenen Grenzen hinaus zu projizieren. Die zweite Phase bestehe darin, einen Wiederaufbau zu verhindern und "so viel globale Stabilität wie möglich" zu erhalten.
Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche erklärt, der Krieg werde unmittelbar nach den Kongresswahlen am 3. November enden – der Iran könne nicht länger durchhalten. Ein Datum, das verdächtig nah an einem Wahltermin liegt. Beobachter fragen sich, ob hier militärische Lagebeurteilung oder politischer Kalender den Takt vorgibt.
Die unbequemen Fakten aus dem Feld
Die Realität liefert ein anderes Bild. Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom 10. September, der sich auf US-amerikanische und nahöstliche Regierungsvertreter stützt, habe der Iran die Produktion ballistischer Raketen in unterirdischen Anlagen wieder aufgenommen – unter anderem am Komplex Khojir. Montiert würden demnach sowohl Flüssig- als auch Feststoffraketen, allerdings in geringeren Stückzahlen und aus eingelagerten Bauteilen.
Auch von einer ausgeschalteten Schlagkraft kann kaum die Rede sein: In der Nacht vom 8. auf den 9. September feuerte Teheran Berichten zufolge rund 20 ballistische Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien. Der Krieg, der am 28. Februar mit der Operation "Epic Fury" begann, geht in seinen siebten Monat.
"Wir können die Zukunft nicht vorhersagen" – JD Vance im Interview mit der New York Post
Warum das deutsche Sparer trifft
Für Europa ist der Nebenkriegsschauplatz Energiemarkt entscheidend. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist zuletzt eingebrochen, Brent-Öl notiert Medienberichten zufolge seit knapp einer Woche über 100 US-Dollar je Fass. Nach einem Drohnenangriff auf eine saudische Pipeline erklärte Vance, Washington stehe in direktem Kontakt mit den Huthis sowie mit Riad und Abu Dhabi.
Ein dauerhaft dreistelliger Ölpreis bedeutet: teurere Energie, teurere Logistik, neuer Inflationsdruck. Eine deutsche Industrie, die ohnehin unter hohen Strompreisen, Bürokratie und einer teuren Klimaagenda ächzt, kann solche Schocks immer schlechter abfedern. Die Rechnung landet am Ende beim Verbraucher.
Gold als Seismograf
An den Märkten ist die Nervosität längst sichtbar. Der Goldpreis bewegt sich aktuell um die 4.300 US-Dollar je Feinunze, nachdem im Januar 2026 ein Allzeithoch von rund 5.598 Dollar markiert worden war. Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung, wenn Kriege, Blockaden und Haushaltsdefizite die Kaufkraft von Papierwährungen aushöhlen.
Bemerkenswert bleibt die politische Lage in Washington: Das Repräsentantenhaus verabschiedete Medienberichten zufolge bereits zum dritten Mal eine Resolution zur Begrenzung weiterer Militärschläge – zuletzt mit 220 zu 204 Stimmen. Der Krieg läuft dennoch weiter.
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