
Papst Leo XIV. predigt Frieden – und kehrt zu Traditionen zurück, die sein Vorgänger aufgab
Es war ein Ostersonntag, wie ihn der Vatikan lange nicht mehr erlebt hat. Unter strahlend blauem Himmel versammelten sich mehr als 40.000 Gläubige auf dem Petersplatz, um dem ersten Osterfest des neuen Papstes Leo XIV. beizuwohnen. Der 70-jährige Pontifex – der erste aus den Vereinigten Staaten – nutzte die Gelegenheit, um mit einem eindringlichen Friedensappell an die Welt zu treten. Doch mindestens ebenso bemerkenswert wie seine Worte war das, was er tat: Leo XIV. knüpft erkennbar an Traditionen an, die unter seinem Vorgänger Franziskus in Vergessenheit geraten waren.
Ein Appell, der bewusst vage bleibt
Von der zentralen Loggia des Petersdoms rief Leo XIV. mit Nachdruck dazu auf, Waffen niederzulegen und Konflikte durch Dialog statt durch Gewalt zu lösen. „Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!" – so die zentrale Botschaft des Oberhauptes von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit. Dabei warnte er eindringlich davor, sich an die allgegenwärtige Gewalt zu gewöhnen. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod Tausender, gegenüber Hass und Spaltung, gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen durch Kriege – all das prangerte er an.
Was er allerdings nicht tat: Er nannte keinen einzigen Konflikt beim Namen. Weder den andauernden Krieg in der Ukraine, noch die dramatische Eskalation im Nahen Osten zwischen Israel und dem Iran fanden explizite Erwähnung. Manche Beobachter hatten sich mehr erhofft. Doch wer die diplomatische Zurückhaltung des Vatikans kennt, weiß, dass konkrete Schuldzuweisungen von der Loggia des Petersdoms die absolute Ausnahme wären. Die Frage bleibt dennoch: Reichen wohlklingende Appelle in einer Welt, die zunehmend in Flammen steht?
Rückkehr zur Tradition – ein stilles Signal
Weitaus aufschlussreicher als die Worte des neuen Papstes waren seine Gesten. Leo XIV. nahm eine Tradition wieder auf, die Franziskus hatte fallen lassen: Er wünschte in gleich zehn Sprachen frohe Ostern. Auf Deutsch sagte er: „Frohe Ostern! Bringt allen die Freude des auferstandenen Jesus, der unter uns gegenwärtig ist." Sein Vorgänger hatte auf mehrsprachige Grüße verzichtet – ein Detail, das vielen Gläubigen schmerzlich aufgefallen war.
Doch damit nicht genug. Am Gründonnerstag wusch Leo XIV. zwölf Priestern die Füße – in Erinnerung an das letzte Abendmahl. Franziskus hatte diese Zeremonie stattdessen bei Häftlingen vollzogen, was zwar medienwirksam war, aber bei traditionsbewussten Katholiken für Irritationen sorgte. Bei der Karfreitagsprozession im Kolosseum trug Leo das Kreuz eigenhändig, während sein gebrechlicher Vorgänger dies zuletzt nicht mehr vermocht hatte. Mehr als 30.000 Gläubige verfolgten die abendliche Zeremonie – ein eindrucksvolles Bild.
Der Kontrast zum vergangenen Ostersonntag könnte kaum größer sein. Vor einem Jahr konnte Franziskus den Segen Urbi et Orbi nicht mehr selbst sprechen. Am Morgen danach verstarb er im Alter von 88 Jahren. Nun stand Leo XIV. aufrecht im Papamobil, winkte fröhlich den Massen zu und segnete immer wieder kleine Kinder. Ein Bild der Vitalität, das dem Vatikan nach den schweren letzten Monaten unter Franziskus sichtlich guttat.
Tradition als Kompass in unruhigen Zeiten
Man mag es als symbolische Geste abtun, doch die Rückkehr zu bewährten Ritualen sendet ein klares Signal. In einer Zeit, in der sich westliche Gesellschaften zunehmend von ihren kulturellen und religiösen Wurzeln entfernen, in der traditionelle Werte als überholt belächelt werden und in der die Beliebigkeit zum Prinzip erhoben wird, wirkt ein Papst, der sich bewusst auf das Bewährte besinnt, fast schon revolutionär. Es ist eine stille Korrektur des Kurses, den Franziskus eingeschlagen hatte – ein Kurs, der zwar medial gefeiert wurde, aber bei vielen gläubigen Katholiken tiefe Verunsicherung hinterlassen hat.
Der Segen Urbi et Orbi – „Der Stadt und dem Erdkreis" – wurde in zahlreiche Länder live übertragen. In vielen katholisch geprägten Familien gehört es seit Generationen zur Tradition, sich an Ostern und Weihnachten vor dem Fernseher zu versammeln, um die Übertragung aus dem Vatikan gemeinsam zu verfolgen. Vor allem unter dem polnischen Papst Johannes Paul II. wurden diese Momente zu weltweiten Medienereignissen. Dass Leo XIV. an diese Tradition anknüpft, dürfte nicht nur konservative Katholiken erfreuen, sondern all jene, die in einer zunehmend orientierungslosen Welt nach Halt und Beständigkeit suchen.
Ob die Friedensappelle des neuen Papstes tatsächlich Gehör finden werden, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Realität in der Ukraine, im Nahen Osten und an zahllosen anderen Brandherden dieser Welt spricht eine andere Sprache. Doch vielleicht liegt die eigentliche Stärke dieses Pontifikats nicht in der großen Geste, sondern in der stillen Rückbesinnung auf das, was Generationen vor uns zusammengehalten hat: Glaube, Tradition und die Überzeugung, dass es Werte gibt, die größer sind als der Zeitgeist.
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