
PlĂŒnderer am Domplatz: Meloni schickt die Armee nach Mailand!

Zwei Tage lang wurde in der MailĂ€nder Innenstadt randaliert und geplĂŒndert, jetzt greift Rom durch. MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni lĂ€sst 500 zusĂ€tzliche Soldaten in die lombardische Metropole verlegen. Am Dienstag will das Kabinett in einer Sondersitzung auĂerdem ein deutlich schĂ€rferes Sicherheitsdekret beraten.
Zwei Tage Ausnahmezustand rund um den Dom
Am Wochenende verwandelte sich das Herz der Modemetropole in ein Schlachtfeld. Am Sonntag zogen rund 2.000 meist junge Leute durch die StraĂen rund um den Domplatz, viele schwarz gekleidet und vermummt. Sie schlugen Schaufenster ein, plĂŒnderten LĂ€den und einen Supermarkt und bewarfen Polizisten mit Steinen und Böllern. Die Beamten setzten Wasserwerfer und TrĂ€nengas ein.
Angefangen hatte alles mit Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten und schlechte öffentliche Dienstleistungen. Medienberichten zufolge kamen die Randalierer ĂŒberwiegend aus dem linksextremen und migrantischen Umfeld. Auch in Turin, Bologna und weiteren StĂ€dten Norditaliens gab es ZusammenstöĂe.
Die Zahlen hinter dem Chaos
Die Nachrichtenagentur Ansa nennt allein fĂŒr Sonntag folgende Zahlen:
- 271 Personen wurden zur Polizeiwache gebracht, darunter 220 MinderjÀhrige und 60 AuslÀnder
- 32 Festnahmen, darunter 23 MinderjÀhrige und 13 AuslÀnder
- 28 weitere VerdÀchtige wurden angezeigt
- 14 Angehörige der SicherheitskrÀfte wurden verletzt
Mehr als vier von fĂŒnf Personen, die zur Wache gebracht wurden, waren minderjĂ€hrig. Was lĂ€uft in einer Gesellschaft schief, in der Teenager ganze StraĂenzĂŒge verwĂŒsten? Im Luxusviertel herrschte am Montag Angst: Chanel, HermĂšs und Pomellato schlossen vorzeitig. Italienischen Medien zufolge liegt der Schaden bei ĂŒber einer Million Euro.
Soldaten mit Polizeibefugnissen
Die zusĂ€tzlichen KrĂ€fte sollen die Polizei im Rahmen der MilitĂ€roperation âStrade Sicureâ (âSichere StraĂenâ) unterstĂŒtzen. Italien setzt diese Operation seit August 2008 ein. Erst vor rund zwei Wochen hat ein Parlamentsausschuss Berichten zufolge eine Aufstockung um 3.200 auf rund 10.000 Soldaten gebilligt.
Verteidigungsminister Guido Crosetto stellt allerdings eine Bedingung. Die Soldaten mĂŒssten vorĂŒbergehend wie Polizisten handeln dĂŒrfen, so der Minister. Diese Regelung soll auf drei Monate befristet sein. Die rechtliche Grundlage muss das Kabinett erst noch schaffen.
Das steht im geplanten Dekret
Der vorbeugende Polizeigewahrsam soll auf bis zu 24 Stunden verlĂ€ngert werden und auch fĂŒr MinderjĂ€hrige gelten. Nach schweren SachbeschĂ€digungen sollen Festnahmen leichter werden, auch wenn die TĂ€ter nicht direkt am Tatort gefasst werden. FĂŒr Teilnehmer an gemeinschaftlichen Gewalttaten prĂŒft die Regierung Versammlungsverbote. Der genaue Text steht noch nicht fest.
Mahnungen aus Rom, Warnungen der Opposition
StaatsprĂ€sident Sergio Mattarella nannte die Gewalt inakzeptabel und erklĂ€rte sich mit den verletzten Polizisten solidarisch. Er verlangte eine grĂŒndliche Untersuchung der Ursachen. Die Krawalle seien offenbar von bislang unbekannten Gruppen ausgegangen, deren Vorgehen neue Fragen aufwerfe.
Die oppositionellen Sozialdemokraten warnten davor, die Ausschreitungen zu nutzen, um friedliche Proteste gegen hohe Preise schlechtzumachen. Auch aus Washington kam eine Reaktion. Laut italienischen Medien sagte US-PrĂ€sident Donald Trump, die Proteste hĂ€tten auch in Italien mit Einwanderung zu tun. Zuvor hatte er Frankreich aufgefordert, seine Grenzen zu schlieĂen. Dort hatten die Behörden nach tagelangen Unruhen in einzelnen Vierteln Ausgangssperren verhĂ€ngt.
Rom handelt, und Berlin?
Meloni brauchte nicht einmal 48 Stunden von der Krisensitzung bis zum Gesetzentwurf. Ob Soldaten in FuĂgĂ€ngerzonen die richtige Antwort sind, darĂŒber kann man streiten. FĂŒr viele BĂŒrger zĂ€hlt aber vor allem eines: Der Staat zeigt, dass er seine StĂ€dte nicht kampflos aufgibt.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Signal, das auch in Berlin ankommen sollte. Dort wÀchst die Sorge um die innere Sicherheit seit Langem, und die Kriminalstatistik meldet Rekordwerte. Konsequentes Handeln lÀsst trotzdem oft auf sich warten.
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