
Politbarometer-Schock für die CDU: AfD führt jetzt sogar bei Bildung

Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liefert die Forschungsgruppe Wahlen ein Stimmungsbild, das in der Union Nervosität auslösen dürfte. Im „Politbarometer Extra“ für das ZDF liegt die AfD bei 40 Prozent – und punktet erstmals auch beim Kernthema Schule. Gewählt wird am 6. September.
40 zu 23 – der Abstand ist brutal
Die Projektion der Mannheimer Wahlforscher: AfD 40 Prozent, CDU 23 Prozent, Linke 13, SPD neun, Grüne sechs, FDP und BSW jeweils drei Prozent. Für die Liberalen und das Wagenknecht-Bündnis hieße das: raus aus dem Landtag.
Der Vergleich mit 2021 zeigt das Ausmaß der Verschiebung. Damals holte die CDU 37,1 Prozent, die AfD 20,8. Die Christdemokraten würden also rund 14 Punkte verlieren – die AfD ihr Ergebnis nahezu verdoppeln.
Erhoben wurde vom 25. bis 27. August unter 1.053 Wahlberechtigten. Wichtig: Laut den Wahlforschern wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie überhaupt wählen. Da ist bis Sonntag noch einiges offen.
Bildung: Das Lieblingsthema der Union bröckelt
Besonders bemerkenswert ist die Kompetenzfrage. Beim Thema Bildung trauen 23 Prozent der AfD die beste Politik zu, der CDU nur 21 Prozent. Ausgerechnet Schule – klassische Ländersache und jahrzehntelang Heimspiel der Union.
Die AfD hatte in diesem Feld mit der Forderung Position bezogen, die Schulpflicht durch eine Unterrichtspflicht zu ersetzen. Ein Vorschlag, der heftig umstritten ist – offenbar aber Wähler erreicht, die von maroden Schulen und Unterrichtsausfall genug haben.
Beim Thema Flüchtlinge und Asyl ist der Vorsprung noch deutlicher: 36 Prozent für die AfD, 17 für die CDU. Bei der Wirtschaftslage – dem laut Umfrage wichtigsten Problem im Land – liegen beide Parteien mit je 27 Prozent gleichauf. Nur bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze hält die Union die Nase vorn.
Die Brandmauer wackelt – aber nicht bei den CDU-Anhängern
Und dann jene Zahl, die politisch am schwersten wiegt: 51 Prozent aller Befragten sprechen sich dagegen aus, dass die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausschließt. 44 Prozent wollen den Ausschluss beibehalten.
Doch die Parteibasis tickt anders. Unter CDU-Anhängern votieren 65 Prozent für das Festhalten an der Abgrenzung, nur 30 Prozent wollen eine Prüfung. Gegenüber der Linken zeigt sich die eigene Klientel deutlich lockerer: 67 Prozent der CDU-Anhänger lehnen dort einen Ausschluss ab.
Man muss diesen Befund nüchtern lesen: Die Brandmauer hat für viele Bürger im Land offenbar an Überzeugungskraft verloren – während sie im Milieu der Unionswähler weiter steht. Für die CDU-Führung ist das eine Zerreißprobe mit Ansage.
Schulze vorn, Siegmund hinten – und ein Vier-Parteien-Bündnis am Horizont
Beim Duell um die Staatskanzlei liegt Amtsinhaber Sven Schulze (CDU) mit 48 Prozent klar vor AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund mit 32 Prozent. Begeisterung sieht anders aus: Auf der Skala von plus bis minus fünf erreicht Schulze mageren 0,1, Siegmund minus 0,4.
Eine AfD-Alleinregierung fänden 54 Prozent schlecht, 30 Prozent gut. Sollte es der AfD nicht zur absoluten Mehrheit reichen, bliebe rechnerisch nur ein Bündnis aus CDU, Linke, SPD und Grünen – ein Konstrukt, das aus Sicht unserer Redaktion die politische Fliehkraft im Land eher verstärken als bremsen dürfte.

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