
Porsche im Widerspruch: 6000 Jobs vor dem Aus â doch der Luxus-Bolide rollt trotzdem

Es ist ein LehrstĂŒck ĂŒber die Schizophrenie der deutschen Automobilindustrie. WĂ€hrend in Zuffenhausen bis zu 6000 BeschĂ€ftigte um ihre Existenz bangen mĂŒssen, feilt Porsche-Chef Michael Leiters gleichzeitig am nĂ€chsten Prestige-Objekt fĂŒr die zahlungskrĂ€ftige Elite. Sparen bei den Arbeitern, protzen bei den Reichen â so lĂ€sst sich die neue Strategie des Stuttgarter Sportwagenbauers auf einen bitteren Nenner bringen.
Der groĂe Kahlschlag â und niemand redet Klartext
Laut Medienberichten sollen bis zum Jahr 2035 zwischen 5000 und 6000 ArbeitsplĂ€tze verschwinden. Damit verdoppelt Porsche sein bisheriges Abbauprogramm. Man erinnere sich: Erst vor rund eineinhalb Jahren hatte der Konzern angekĂŒndigt, in der Region Stuttgart bis 2029 etwa 1900 Stellen "sozialvertrĂ€glich" zu streichen. Rund 2000 befristete VertrĂ€ge liefen ohnehin aus. Nun folgt die nĂ€chste Welle â und sie trifft eine Belegschaft, die einst als Vorzeigebeispiel deutscher Ingenieurskunst galt.
Doch damit nicht genug. Die jĂ€hrlichen Sonderzahlungen, die in guten Zeiten hoch vierstellig ausgefallen seien, sollen kĂŒnftig bei mageren 1500 Euro gedeckelt werden. Auch am Weihnachtsgeld will man den Rotstift ansetzen. Der Aufsichtsrat, so heiĂt es, stehe hinter dem sogenannten "Zukunftspaket". Eine Einigung mit Betriebsrat und IG Metall stehe allerdings noch aus. Man fragt sich: Zukunft fĂŒr wen?
Ein Supersportwagen fĂŒr die oberen Zehntausend
Und wĂ€hrend die Arbeiter zittern, plant die Chefetage einen Boliden, der oberhalb des legendĂ€ren 911 angesiedelt sein soll. Intern trage das Projekt den Namen "S1", verrĂ€t der Spiegel. Ein zweitĂŒriger Kraftprotz mit Achtzylinder-Boxermotor, gestaltet vom neuen Designchef Tobias SĂŒhlmann. Preisschild: angeblich rund eine halbe Million Euro. Marktstart: frĂŒhestens 2031.
Sparen bei den Mitarbeitenden, Prestige-Projekte fĂŒr die Oberschicht â treffender lĂ€sst sich die Schieflage der deutschen Autoindustrie kaum zusammenfassen.
Das ursprĂŒnglich geplante Gemeinschaftsprojekt "X11" mit Lamborghini sei geplatzt. Stattdessen setzt Porsche auf teure Verbrenner-Nostalgie â ausgerechnet in einer Zeit, in der die Politik den Verbrennungsmotor am liebsten per Dekret aus dem Verkehr ziehen wĂŒrde.
Elektro-TrÀume auf Eis, Millionen im Sande verlaufen
Bemerkenswert ist, wo Porsche gleichzeitig spart. Der elektrische Panamera? Verschoben in die 2030er-Jahre. Aktive Entwicklungsprojekte mit dem Volkswagen-Rivian-Gemeinschaftsunternehmen? Fehlanzeige. Und dennoch flieĂen jĂ€hrlich mindestens 700 Millionen Euro in diese Allianz â fĂŒr Leistungen, die derzeit offenbar gar nicht abgerufen werden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Konzern kĂŒrzt seinen eigenen Leuten das Weihnachtsgeld, verpulvert aber dreiviertel Milliarde Euro pro Jahr fĂŒr ein BĂŒndnis ohne greifbaren Nutzen.
Auch die milliardenschweren Wetten auf das Silicon Valley wollen nicht aufgehen. Der Versuch, Anteile am Software-Unternehmen Applied Intuition an einen japanischen Investor zu verkaufen, scheitere bislang am Veto des FirmengrĂŒnders. Die glĂ€nzenden Zukunftsversprechen von einst â sie verpuffen im Nebel der RealitĂ€t.
Symptom einer kranken Standortpolitik
Was sich in Stuttgart abspielt, ist kein Einzelfall, sondern das Sinnbild einer verfehlten Politik. Jahrelang wurde die deutsche Autoindustrie mit ideologischen Vorgaben, ĂŒberzogenen COâ-Auflagen und einem staatlich erzwungenen Umstieg auf die ElektromobilitĂ€t gegĂ€ngelt. Explodierende Energiepreise, erdrĂŒckende BĂŒrokratie und eine Steuerlast, die ihresgleichen sucht â all das macht den Standort Deutschland zunehmend unattraktiv. Kein Wunder, dass selbst eine Traditionsmarke wie Porsche ins Straucheln gerĂ€t.
FĂŒr die BeschĂ€ftigten bleibt am Ende ein schwacher Trost: Eine verlĂ€ngerte BeschĂ€ftigungssicherung solle betriebsbedingte KĂŒndigungen bis Mitte 2030 ausschlieĂen. Doch was nĂŒtzt das Versprechen, wenn die Stellen ohnehin ĂŒber natĂŒrliche Fluktuation und auslaufende VertrĂ€ge verschwinden? Es sind die Arbeitnehmer, die einmal mehr die Zeche zahlen fĂŒr strategische Fehlentscheidungen und eine wirtschaftsfeindliche Politik in Berlin.
Was bleibt fĂŒr den Sparer und Anleger?
Die Turbulenzen bei einem der einstigen AushĂ€ngeschilder deutscher Wertarbeit sollten jedem Anleger zu denken geben. Wer sein Vermögen ausschlieĂlich auf Aktien einzelner Konzerne oder auf die deutsche Industrie setzt, spĂŒrt solche ErschĂŒtterungen unmittelbar im Depot. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und schwelender Standortkrisen erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewĂ€hrter Anker der StabilitĂ€t. Sie kennen keine Quartalszahlen, keine gescheiterten Software-Wetten und keine politisch verordneten Fehlinvestitionen â sondern bewahren ihren Wert ĂŒber Generationen. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie einen krisenfesten Gegenpol zu einer zunehmend fragilen Industrielandschaft.
Hinweis: Die in diesem Beitrag geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen geben ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion wieder und stellen keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenstĂ€ndig zu informieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. Ziehen Sie im Zweifel einen unabhĂ€ngigen Fachberater hinzu.
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