
Preis-Zirkus der Regierungstreuen: Warum eine ZDF-Moderatorin den Hessischen Verfassungspreis erhält
Es gibt Momente, in denen die politische Selbstbeweihräucherung dieses Landes eine neue Blüte erreicht. Der jüngste Fall trägt einen Namen: Mai Thi Nguyen-Kim. Die Wissenschaftsjournalistin des ZDF soll im Oktober im ehrwürdigen Wiesbadener Kurhaus mit dem erstmals verliehenen Hessischen Verfassungspreis geehrt werden. Und die Begründung? Sie warne, so heißt es, „vor den Gefahren durch Desinformation und Populismus“ und entlarve „populäre Mythen“. Man reibt sich die Augen.
Ein Preis, frisch aus der Retorte
Bemerkenswert ist bereits die Konstruktion dieser Auszeichnung. Der Hessische Landtag hat den Preis eigens neu erfunden, künftig soll er alle fünf Jahre an zwei Personen gehen, die sich – so die feierliche Formulierung – um „wichtige Impulse für die Stärkung und Weiterentwicklung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ verdient gemacht hätten. Parlamentspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) lobt Nguyen-Kims „innovative Vermittlungsformate“. Klingt gut. Doch wer entscheidet eigentlich, was ein „Mythos“ ist und was schlichte Wahrheit? Genau hier beginnt das Problem.
Untergehende Systeme, so lehrt die Geschichte, waren immer besonders freigiebig mit Orden und Ehrenzeichen.
Von der Corona-Botschafterin zur preisgekrönten Ikone
Einem breiteren Publikum wurde Nguyen-Kim vor allem in den Corona-Jahren bekannt. Über ihren zum öffentlich-rechtlichen funk-Netzwerk gehörenden YouTube-Kanal maiLAB berichtete sie damals ausgesprochen wohlwollend über die weitreichenden staatlichen Zwangsmaßnahmen. Sie sprach sich, gestützt auf vermeintlich eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, wiederholt für drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens aus. Man erinnere sich: Es waren jene Jahre, in denen abweichende Meinungen als gefährlich gebrandmarkt wurden und ganze Bevölkerungsgruppen gesellschaftlich ausgegrenzt wurden.
Heute, mit dem nötigen Abstand und einer erdrückenden Studienlage, wirken viele der damals als unumstößlich präsentierten Gewissheiten reichlich verblasst. Doch statt einer kritischen Aufarbeitung erlebt Deutschland das Gegenteil: Wer die offizielle Linie am eifrigsten vertreten hat, wird nun mit Bronzeskulpturen und Urkunden dekoriert.
Wenn sich die Elite selbst beklatscht
Seit dem Ende von maiLAB ist Nguyen-Kim in reichweitenstarken ZDF-Formaten wie Terra X präsent. Auch dort werden wissenschaftliche Grundannahmen gerne zu umfassenden politischen Deutungsmustern verdichtet – gebührenfinanziert, versteht sich. Der Preis selbst ist übrigens undotiert. Neben der Urkunde gibt es eine Bronzeskulptur des Kasseler Bildhauers Stephan Balkenhol. Geehrt wird in diesem Jahr auch der Künstler Gunter Demnig, der Begründer der „Stolpersteine“.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Warum ausgerechnet eine Journalistin, die während der wohl umstrittensten Phase der jüngeren deutschen Geschichte den staatlichen Kurs so verlässlich flankiert hat? Man muss kein Zyniker sein, um in diesem Vorgang ein Muster zu erkennen. Die politisch-mediale Klasse dieses Landes verteilt ihre Ehrungen bevorzugt an jene, die ihr nach dem Mund reden. Kritische Stimmen hingegen suchen auf solchen Preislisten vergeblich nach sich selbst.
Ein Fazit jenseits der Festreden
Was bleibt, ist ein fahler Beigeschmack. Wenn Auszeichnungen weniger die tatsächliche Leistung würdigen und mehr die Nähe zur jeweils herrschenden politischen Linie belohnen, dann verkommen sie zu bloßen Instrumenten der Machtsicherung. Vertrauen in Institutionen aber lässt sich nicht mit Bronzefiguren erkaufen – es entsteht durch Ehrlichkeit, durch Aufarbeitung und durch den Mut, eigene Fehler einzugestehen.
In einer Zeit, in der das Vertrauen in Staat und Medien beständig erodiert, in der Bürger täglich erleben, wie zwischen Realität und offizieller Erzählung eine Kluft klafft, sind wackere Ehrungen für regierungsnahe Gesichter kaum das richtige Signal. Es ist eben dieses Gefühl, das viele Deutsche zunehmend beschleicht: dass hier ein geschlossenes System sich selbst applaudiert – während die eigentlichen Sorgen der Menschen an den Rand gedrängt werden.
Warum Beständigkeit am Ende zählt
In einer solchen Gemengelage aus politischer Unsicherheit, ausufernder Staatsverschuldung und schwindendem Vertrauen in Institutionen suchen viele Bürger nach etwas, das sich nicht per Festrede umdeuten lässt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gehören seit Jahrtausenden zu jenen Werten, die keiner politischen Willkür und keinem Preisverleihungs-Zirkus unterliegen. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens haben sie schon manche Zeit des Umbruchs überdauert – ganz ohne Bronzeskulptur und Urkunde.
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