
Presse unerwünscht: Baerbocks Columbia-Professur wirft Fragen auf

Als zwei deutsche Redaktionen bei der Columbia University in New York anfragten, ob sie zur Antrittsvorlesung von Annalena Baerbock kommen dürften, kam laut dem Bericht der Berliner Zeitung eine Absage – nach Angaben der Universität in Rücksprache mit Baerbock selbst. Ein kleiner Vorgang. Und doch einer, der die gesamte Debatte in ein grelles Licht taucht.
Ein Streit, in dem niemand die wichtigste Frage stellt
Seit Wochen tobt in Deutschland ein Kulturkampf um die frühere Außenministerin. Die eine Seite sieht Häme und Missgunst, die andere wittert Vetternwirtschaft. Beide Lager kommen dabei erstaunlich gut ohne die Frage aus, um die es eigentlich gehen müsste: Wie kam diese Berufung zustande?
Medienberichten zufolge wechselt Baerbock nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung an die Columbia School of International and Public Affairs. Die Position soll auf rund drei Jahre angelegt sein und auf Praxiswissen statt auf Forschung zielen. Über die Vergütung solcher Stellen kursieren unter Verweis auf New Yorker Transparenzregeln Zahlen im sechsstelligen Dollarbereich.
Ausschreibung? Vertragsdauer? Lehrdeputat? Fehlanzeige
Bis heute ist öffentlich nicht nachvollziehbar dokumentiert, ob es eine Ausschreibung gab oder einen Vorschlagsweg, wie die Stelle finanziert wird – und ob die Verhandlungen über die Professur zeitlich mit dem laufenden UN-Amt überlappten. Genau das wäre die klassische Compliance-Frage.
Sie wird, so der Befund der Berliner Zeitung, in der breiten Berichterstattung nicht einmal erkennbar gestellt. Stattdessen: Lagerbildung. Wer prüft, gilt als Neider. Wer verteidigt, verteidigt eine Person, nicht ein Verfahren.
Wer Nähe inszeniert, darf sich über Nähe nicht wundern
Auffällig ist der Kontrast, den der Bericht herausarbeitet: Die Taxifahrt durch Manhattan mit High Heels und Soundtrack landete auf Instagram, der Bagel-Laden ebenfalls. Ausgerechnet dort aber, wo es um die inhaltliche Substanz der neuen Rolle ginge, bleibt die Tür geschlossen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das der Kern des Problems: maximale Sichtbarkeit bei minimaler Überprüfbarkeit. Öffentlichkeit als selbst kuratiertes Produkt – nicht als Zumutung, die zum Amt gehört. Wer seine Person zur Botschaft macht, kann schwerlich beklagen, dass über die Person geredet wird.
Der Fall Helga Schmid – und das Prinzip auf dem Prüfstand
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der in der Debatte gern übersehen wird. Die Spitzendiplomatin Helga Schmid war 2024 für die Präsidentschaft der UN-Generalversammlung nominiert, bevor Baerbock den Posten übernahm. Baerbock verweist darauf, die vorgezogene Neuwahl habe die Ausgangslage verändert.
Formal nachvollziehbar. Nur bleibt die unbequeme Beobachtung: Eine Frau mit jahrzehntelanger diplomatischer Laufbahn musste weichen. Wer feministische Solidarität zum Markenkern erklärt, muss sich daran messen lassen, wenn sie etwas kostet – nicht nur, wenn sie nützt.
Warum das mehr ist als eine Personalie
Für viele Bürger ist der Fall längst zum Symbol geworden: Während in Deutschland Betriebe schließen, Steuern und Abgaben drücken und der Staat ein 500-Milliarden-Schuldenpaket auflegt, landen Spitzenpolitiker nach dem Amt in lukrativen internationalen Anschlussverwendungen. Ob das so war, lässt sich seriös erst beantworten, wenn Verfahren, Vertrag und Finanzierung offenliegen.
Solange das nicht geschieht, bleibt weder der Vorwurf belegt noch die Verteidigung überzeugend. Transparenz wäre die einfachste Antwort. Sie wurde bislang nicht gegeben.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
- Themen:
- #Grüne
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik




















