
Private-Credit-Beben: BlackRock und Golub kapitulieren – Anleger sitzen in der Falle

Es knirscht gewaltig im Maschinenraum der amerikanischen Hochfinanz. Was Investorenlegende Jeffrey Gundlach seit Monaten warnend prophezeit, nimmt nun konkrete Gestalt an: Der Markt für Private Credit, jenes lange als Goldesel gepriesene Finanzkonstrukt, entpuppt sich zunehmend als tickende Zeitbombe. Gleich zwei Schwergewichte der Branche mussten in dieser Woche unangenehme Wahrheiten eingestehen – und die Anleger zahlen die Zeche.
BlackRock: 5 Prozent weniger Wert über Nacht
Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock, dessen verwaltetes Vermögen die astronomische Marke von 14 Billionen Dollar überschreitet, musste den Wert seines börsennotierten Mittelstands-Kreditfonds BlackRock TCP Capital Corp. um rund fünf Prozent nach unten korrigieren. Die Abschreibungen summierten sich im Quartal bis zum 31. März auf satte 35 Millionen Dollar. Der Fonds mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar versuchte zwar mit Floskeln über eine "verbesserte Kreditqualität" abzulenken – doch die Realität spricht eine andere Sprache.
Bereits im Januar hatte derselbe Fonds den Nettoinventarwert seiner Vermögenswerte um schockierende 19 Prozent zusammengestrichen, woraufhin die Aktie abstürzte. Besonders pikant: Im März berichteten wir bereits, dass BlackRock den Wert eines seiner Privatkredite – jenen an Infinite Commerce Holdings – innerhalb weniger Monate von 100 Prozent auf null abschrieb. Ein Lehrstück darüber, wie rasant Werte in diesem Schattenmarkt verdampfen können.
E-Commerce-Aggregatoren als Sprengstoff im Portfolio
Die Achillesferse des Fonds liegt offen zutage: Engagements bei sogenannten E-Commerce-Aggregatoren, die Amazon-Händler aufkaufen und verwalten, sowie das insolvente Heimwerkerunternehmen Renovo Home Partners. Kredite mit Zahlungsausfall ("non-accrual status") machen weiterhin alarmierende 7,6 Prozent auf Kostenbasis aus – immerhin ein leichter Rückgang von zuvor 9,7 Prozent. Doch dieser Rückgang kam nur zustande, weil ein Kredit verkauft und zwei restrukturiert werden mussten. In dreizehn Portfoliounternehmen werden die Schuldner ihren Verpflichtungen schlicht nicht mehr gerecht.
CEO Phil Tseng räumte ein, dass der größte Treiber der Abschreibungen ein Investment in Job and Talent gewesen sei, einem Personaldienstleister mit schwacher Performance. Fast ein Drittel der Wertberichtigungen entfiel auf Software-Investments – jene Branche also, die durch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz gerade einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sein dürfte.
Golub Capital schließt die Schotten
Doch BlackRock ist beileibe nicht allein in diesem Schlamassel. Der letzte große Private-Credit-Fonds, von dem die Märkte noch eine Reaktion erwarteten, hat nun ebenfalls die Notbremse gezogen: Golub Capital kündigte an, Auszahlungen aus seinem Private-Credit-Fonds zu deckeln, nachdem Anleger 8,5 Prozent ihrer Anteile zurückgeben wollten.
Der Golub Capital Private Credit Fund, kurz GCRED, will die quartalsweise Auszahlungsobergrenze von fünf Prozent der ausstehenden Stammaktien strikt durchsetzen. Der rund 9,9 Milliarden Dollar schwere Fonds plant, Rückkaufsanträge für 8.891.200 Anteile zu bedienen. In einem Brief an die Aktionäre versuchte das Management zu beschwichtigen: Die Rückgabewünsche seien auf eine kleine Untergruppe konzentriert gewesen, die etwa fünf Prozent der über 12.000 Anteilseigner repräsentiere.
Vergleichsweise glimpflich – im Maßstab des Wahnsinns
Im Vergleich zu anderen Branchengrößen wirkt Golub fast wie ein Musterknabe. Die beiden großen Blue-Owl-BDCs OTIC und OCIC sahen sich mit Rückgabewünschen von 41 Prozent beziehungsweise 22 Prozent konfrontiert – Werte, die jeden Vergleich mit einem Bankrun überflüssig machen. Dass mittlerweile zweistellige Rückgabequoten als Normalität durchgehen, sagt mehr über den Zustand dieses Marktes aus als jede beschönigende Pressemitteilung.
Ein 1,8-Billionen-Dollar-Markt unter Druck
Der gesamte Private-Credit-Markt umfasst inzwischen gigantische 1,8 Billionen Dollar – und steht zunehmend unter dem Brennglas kritischer Beobachter. Die Fortschritte im Bereich künstlicher Intelligenz drohen, die Wetten dieser Kreditgeber auf den Software-Sektor zu zerschmettern, der einen erheblichen Teil ihrer Portfolios ausmacht. Was als Hochrendite-Eldorado vermarktet wurde, entpuppt sich für viele Investoren zunehmend als Falle ohne Ausgang.
Die Mechanik ist perfide: Solange die Märkte boomen, fließt das Geld. Sobald jedoch die Stimmung kippt und Anleger ihr Kapital zurückfordern, fallen die Schotten – und das Geld bleibt eingesperrt. "Gating" nennt sich das im Branchenjargon. Für den durchschnittlichen Anleger bedeutet es schlicht: Sein Geld ist nicht mehr verfügbar, wenn er es am dringendsten braucht.
Die zeitlose Lehre aus dem Schattenbankendebakel
Während die Hochfinanz mit immer komplexeren Konstrukten jongliert und die Risiken in undurchsichtigen Schichten versteckt, zeigt sich erneut, warum physische Edelmetalle ihren festen Platz in jedem soliden Portfolio verdienen. Gold und Silber kennen keine Auszahlungssperren, keine Wertberichtigungen durch Bilanzkosmetik und keine plötzlich verdampfenden Kredite. Sie sind das, was sie sind – greifbar, knapp und seit Jahrtausenden bewährt. Wer auf eine breit gestreute Vermögenssicherung setzt, sollte angesichts dieser sich häufenden Warnsignale aus dem Schattenbankensektor über eine angemessene Beimischung physischer Edelmetalle als stabilisierendes Element nachdenken.
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