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Kettner Edelmetalle
13.08.2026
08:23 Uhr
KI-generiert

Raketen aus der Prignitz: Ein Weltraumbahnhof ohne Startbahn zur Realität

Raketen aus der Prignitz: Ein Weltraumbahnhof ohne Startbahn zur Realität
Symbolbild: KI-generiert

Brandenburgs Junge Union will prüfen lassen, ob mitten in der Prignitz ein Weltraumbahnhof entstehen kann. Der Antrag des CDU-Nachwuchses stand am vergangenen Wochenende beim Landestag in Potsdam auf der Tagesordnung. Medienberichten zufolge hatte die interne Antragsprüfung den Vorstoß bereits abgelehnt – diskutiert wurde trotzdem.

Erst die Schlagzeile, dann die Machbarkeitsstudie

Im Antrag heißt es, man wolle die Errichtung eines Weltraumbahnhofs in der Prignitz „als langfristige Zukunftsvision" prüfen. Eine Machbarkeitsstudie solle klären, was ein Startplatz dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Brandenburg bringen könnte.

Die Begründung klingt zunächst plausibel: große, dünn besiedelte Flächen im Nordwesten des Landes, dazu eine wachsende Luft- und Raumfahrtbranche im Berliner Umland. Zwischen Lenzen und Heiligengrabe stehen Windräder, Felder und wenig Industrie. Wirtschaftlicher Aufbruch wäre dort tatsächlich dringend nötig.

Nur: Die Reihenfolge stimmt nicht. Zuerst kommt die Forderung, danach die Frage, ob Physik und Geografie ĂĽberhaupt mitspielen.

Warum Europa 8.000 Kilometer weit fliegt

Europas Ariane-Raketen starten nicht ohne Grund im Dschungel von Französisch-Guayana. Bauteile und Satelliten werden über den Atlantik nach Kourou verschifft – teuer, langwierig, aber sicher. Geht ein Start schief, fallen die Trümmer ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet.

Ein Sprecher des Deutschen Zentrums fĂĽr Luft- und Raumfahrt (DLR) brachte das Grundprinzip laut dem Bericht auf den Punkt:

„Raketen dürfen nur dort starten, wo sie weder den Flugverkehr noch Einrichtungen und Menschen am Boden gefährden."

Das DLR hat im Auftrag Mecklenburg-Vorpommerns bereits Peenemünde und Rostock-Laage untersucht. Ergebnis dem Bericht zufolge: aus Sicherheitsgründen nicht machbar. Für Rostock-Laage galt vertikaler Raketenstart als unpraktikabel, aussichtsreicher erschien ein sogenannter Airlaunch – ein Flugzeug trägt die Rakete über offenes Meer, erst dort wird gezündet.

Wenn es an der Ostsee scheitert, warum dann im Binnenland?

Die Prignitz liegt tiefer im Landesinneren als jeder dieser geprüften Standorte. Ein Start Richtung Osten führte über deutsches Gebiet weiter in Richtung Polen, nach Norden liegt ebenfalls nicht sofort freies Meer. Rund um die Region leben Millionen Menschen, der Luftraum gehört zu den am dichtesten beflogenen Europas.

Hinzu kommt die Erdrotation: Je näher am Äquator, desto mehr Schwung gibt der Planet einer Rakete gratis mit. Deshalb liegen Europas kleine Startplätze wie Andøya und Kiruna hoch im Norden – dort geht es über leeres Polarmeer – und Kourou nahe dem Äquator.

Selbstbewusstsein ersetzt keine Vorarbeit

Aus Sicht unserer Redaktion ist das Eigentliche an dieser Geschichte nicht die Raketenrampe, sondern das dahinterliegende Politikverständnis. Die Junge Union ist die Kaderschmiede künftiger Abgeordneter, Staatssekretäre und Minister. Von diesem Nachwuchs darf man erwarten, dass er offensichtliche Einwände selbst erkennt – und nicht erst Gutachter, Behörden und Fachleute damit beschäftigt.

Dabei wäre echtes Potenzial durchaus vorhanden. Satellitenbau, Komponentenfertigung, Missionskontrolle, Software – in diesen Feldern könnte Brandenburg tatsächlich punkten, ganz ohne Startrampe. Kritiker sehen im Vorstoß deshalb ein Symptom: Große Visionen bekommen Applaus, solide Vorbereitung bekommt keine Schlagzeile.

Ein Land, das seine Industrie halten will, braucht keine kosmischen Luftschlösser – sondern bezahlbare Energie, funktionierende Netze und Entscheider, die wissen, wovon sie reden.

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