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Kettner Edelmetalle
01.08.2026
11:09 Uhr

Rekordförderung, Rekordkosten – und der Westen verkauft ausgerechnet jetzt sein Gold

Rekordförderung, Rekordkosten – und der Westen verkauft ausgerechnet jetzt sein Gold

Die Goldminen der Welt haben noch nie so viel Metall aus der Erde geholt – und noch nie so viel dafür bezahlt. Der jüngste Quartalsbericht des World Gold Council liest sich wie eine Bestandsaufnahme einer Branche im Ausnahmezustand: 966 Tonnen Minenproduktion im zweiten Quartal, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert, der jemals für ein Juni-Quartal registriert wurde. Im ersten Halbjahr waren es 1.867 Tonnen, drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Rekord über Rekord. Und trotzdem bleibt das Angebot in Summe flach.

Der Preis der Förderung: 1.785 Dollar je Unze

Denn parallel zur Produktion explodieren die Kosten. Die branchenweiten All-in-Sustaining-Costs kletterten im ersten Quartal auf ein Allzeithoch von 1.785 Dollar je Unze – fünf Prozent mehr als im Vorquartal, sechzehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der World Gold Council führe dies vor allem auf höhere Lizenzabgaben und gestiegene Verwaltungskosten zurück, heißt es. Übersetzt: Je höher der Goldpreis, desto gieriger greifen die Staaten über Royalties zu. Ein Mechanismus, den man in Deutschland unter dem Namen „kalte Progression" kennt – nur eben für Bergbaukonzerne.

Bemitleiden muss man die Produzenten dennoch nicht. Bei einem Durchschnittspreis von 4.872,90 Dollar im ersten Quartal blieb eine implizite Marge von rund 3.100 Dollar je Unze übrig. Das ist keine Krise, das ist eine Lizenz zum Gelddrucken – solange der Preis hält.

Wer fördert, wer schwächelt

Die Zuwächse verteilen sich auf wenige Länder. Kanada legte um 29 Prozent zu, angetrieben von hochfahrenden Projekten wie Detour Lake. Chile schaffte 24 Prozent, Burkina Faso 17, Ghana acht Prozent. Auf der Verliererseite stehen Mexiko mit einem Minus von 23 Prozent, Nicaragua mit 33 Prozent, die USA mit zwölf Prozent und China mit acht Prozent – letzteres wegen Sicherheitsstilllegungen nach einem tödlichen Unglück in Shandong. Das Recycling ging um sechs Prozent auf 326 Tonnen zurück; die Menschen geben ihr Gold offenbar auch bei hohen Preisen nicht her. Ein bemerkenswertes Signal des Misstrauens gegenüber Papierwährungen.

Notenbanken kaufen, während der Westen abstößt

Die eigentliche Nachricht steckt jedoch im offiziellen Sektor. Die Zentralbanken kauften im zweiten Quartal netto 289 Tonnen – ein Plus von 62 Prozent zum Vorjahr und ein Rekord für ein zweites Quartal. Größter Käufer war ausgerechnet die Nationalbank Polens mit 51 Tonnen, die ihre Reserven auf 632 Tonnen ausbaute und sich damit ihrem selbstgesteckten Ziel von 700 Tonnen nähert. Die People's Bank of China legte 33 Tonnen nach, so viel wie seit Ende 2023 nicht mehr, und meldet nun 2.346 Tonnen. Usbekistan, Kasachstan, Jordanien und Tschechien folgten.

Notenbanken blieben bedeutende Käufer, wenn auch in etwas langsamerem Tempo als in den vergangenen vier Jahren, erklärte Louise Street, Analystin des World Gold Council.

Man halte sich das vor Augen: Warschau, Peking, Astana – sie alle stocken auf. In der jüngsten Reservenumfrage des Councils hätten 89 Prozent der Befragten steigende globale Goldbestände erwartet, und ein Rekordanteil von 45 Prozent plane eigene Zukäufe. Wer in Europa mit Souveränität ernst macht, kauft physisches Metall. Wer stattdessen 500 Milliarden Euro an neuen Schulden für „Infrastruktur" beschließt und die Klimaneutralität ins Grundgesetz schreibt, hofft offenbar darauf, dass Vertrauen in eine Währung durch Gesetzestexte ersetzt werden könne.

Die ETF-Anleger kapitulieren – Asien nicht

Während die Notenbanken zulangten, zogen sich westliche Finanzinvestoren zurück. Physisch hinterlegte ETFs verloren im Quartal 45 Tonnen, allein im Juni 74 Tonnen. Nordamerikanische Fonds büßten im Halbjahr 61 Tonnen ein – das schwächste erste Halbjahr seit 2013. Die Investmentnachfrage ohne OTC brach um 46 Prozent auf 262 Tonnen ein.

Doch der Barren- und Münzabsatz hielt sich mit 307 Tonnen stabil, wertmäßig 44,5 Milliarden Dollar gegenüber 33,3 Milliarden im Vorjahr. China allein nahm 107 Tonnen ab, ein Halbjahresrekord. Der Unterschied könnte kaum deutlicher sein: Der Westen handelt Zertifikate, Asien kauft Metall. Dazu kamen 327 Tonnen aus OTC- und Lagerbeständen, ein Plus von 91 Prozent – jener unsichtbare Teil des Marktes, über den große Vermögen sich still positionieren.

Zinsangst als Bremsklotz

Kurzfristig drückt die Geldpolitik. Die Federal Reserve beließ ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent, gegen drei falkenhafte Gegenstimmen. Bei Ölpreisen über 90 Dollar und einem schwelenden Nahost-Konflikt taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit einer September-Erhöhung auf 63 Prozent. Gold gab entsprechend nach, der fortlaufende Comex-Kontrakt rutschte um 1,6 Prozent auf 4.037,86 Dollar, Silber verlor 2,8 Prozent auf 57,35 Dollar. Der unabhängige Analyst Ross Norman sagte, Gold bewege sich weiterhin in der Korrekturphase eines übergeordneten strukturellen Bullenmarktes.

Korrekturphase – nicht Trendwende. Bei Schmuck zeigt sich derweil das klassische Bild hoher Preise: Die Nachfrage fiel um 17 Prozent auf 278 Tonnen, China sogar auf das schwächste zweite Quartal seit 2004. Der Umsatzwert stieg dennoch um 14 Prozent auf 40 Milliarden Dollar. Man kauft leichter, dünner, niedrigkarätiger – aber man kauft.

Das Fazit dieses Quartals ist unbequem für alle, die Gold für ein Relikt halten: Die Minen fördern am Limit, die Kosten steigen, das Recycling versiegt, und die Notenbanken der aufstrebenden Welt saugen das Metall auf. Wer glaubt, ein Portfolio ausschließlich aus Papierwerten, ETFs und schuldenfinanzierten Staatsversprechen sei krisenfest, sollte sich diese Zahlen sehr genau ansehen. Physisches Gold und Silber gehören als Fundament in jedes breit gestreute Vermögen – nicht als Spekulation, sondern als Versicherung gegen die Fehlkalkulationen der Politik.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist auch nicht als solche zu verstehen. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Hinzuziehung qualifizierter Berater. Für Vermögensdispositionen und deren Ergebnisse trägt jeder Anleger die alleinige Verantwortung. Eine Haftung für Verluste jedweder Art ist ausgeschlossen.

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