
Richtungskampf in der AfD: Verteidigungssprecher Lucassen wirft das Handtuch

Ein politisches Erdbeben erschüttert die AfD-Bundestagsfraktion: Rüdiger Lucassen, der bisherige verteidigungspolitische Sprecher der Partei und Oberst a.D., hat seinen Rücktritt von diesem Amt erklärt. Was auf den ersten Blick wie eine bloße Personalrochade wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen einen fundamentalen Richtungsstreit, der die Partei in ihrem Kern erschüttert – und der weit über die Frage hinausgeht, wer künftig die Verteidigungspolitik der Fraktion nach außen vertritt.
Flucht nach vorn statt Abwahl
Lucassen kam mit seinem Rücktritt offenbar einer drohenden Abwahl zuvor. Bereits für den kommenden Dienstag war im verteidigungspolitischen Arbeitskreis der Fraktion ein Abwahlantrag eingebracht worden. In diesem Antrag soll von „Vertrauensverlust", „Alleingängen" und einem „Führungsdefizit" die Rede gewesen sein – Vorwürfe, die in der politischen Sprache kaum vernichtender formuliert werden können. Der Antrag hätte zunächst im Arbeitskreis mit einfacher Mehrheit angenommen werden müssen, bevor er in der Gesamtfraktion eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt hätte. Dass Lucassen diesem Prozedere zuvorkam, spricht Bände über die Kräfteverhältnisse innerhalb der Fraktion.
Der eigentliche Konflikt: Wohin steuert die AfD außenpolitisch?
Hinter dem Personalstreit verbirgt sich eine der drängendsten strategischen Fragen, die die AfD derzeit umtreibt: Soll die Partei einen dezidiert prowestlichen, auf massive Aufrüstung und transatlantische Bündnistreue ausgerichteten Kurs fahren? Oder soll sie sich für eine „multipolare Weltordnung" öffnen, die auch eine Annäherung an Russland einschließt? Lucassen stand unmissverständlich für Ersteres. Er sprach sich für eine umfassende Stärkung der Bundeswehr aus und vertrat einen harten Kurs gegenüber Russland und dem Iran. Diese Position brachte ihm zwar eine Einladung zur Münchner Sicherheitskonferenz im Februar ein – innerhalb der eigenen Fraktion jedoch zunehmend Gegenwind.
Insbesondere mit Torben Braga, einem engen Vertrauten des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke, hatte sich Lucassen einen öffentlichen Schlagabtausch geliefert. Auf der Plattform X lieferten sich beide Lager einen für alle sichtbaren Stellungskrieg um die Seele der Partei. Der sogenannte „Friedensflügel" der AfD, dem Braga zugerechnet wird, propagiert eine Öffnung gegenüber Russland und lehnt die bedingungslose Westbindung ab.
Ein Symptom tieferliegender Verwerfungen
Dieser Konflikt ist keineswegs neu. Bereits Ende 2025 hatte der Fraktionsvorstand ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen eingeleitet, nachdem dieser Björn Höcke in einer Bundestagsrede wegen dessen ablehnender Haltung zur Wehrpflicht öffentlich attackiert hatte. Was damals noch als Einzelfall abgetan werden konnte, hat sich inzwischen zu einem veritablen Machtkampf ausgewachsen. Im Kern prallen hier zwei grundverschiedene Weltbilder aufeinander: der westdeutsch geprägte, staatstragende Flügel auf der einen Seite und die ostdeutsch verwurzelte, gegenüber der NATO und den USA skeptische Strömung auf der anderen.
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass dieser Riss die AfD noch lange beschäftigen wird. Denn die Frage der außenpolitischen Positionierung ist keine akademische Übung – sie entscheidet darüber, ob die Partei jemals als ernstzunehmender Koalitionspartner in Frage kommt oder ob sie sich dauerhaft in der Opposition einrichtet. Eine Partei, die in der Verteidigungspolitik keine klare Linie findet, wird es schwer haben, dem deutschen Bürger glaubhaft zu vermitteln, dass sie die Sicherheit des Landes gewährleisten kann.
Was bedeutet der Rücktritt für die Zukunft der AfD?
Lucassen bleibt zwar Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion, doch sein Rückzug vom Sprecherposten ist ein unmissverständliches Signal: Der prowestliche Flügel verliert an Einfluss. Für eine Partei, die den Anspruch erhebt, Deutschland besser regieren zu können als die derzeitige Große Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Friedrich Merz, ist das ein bedenkliches Zeichen. Denn gerade in Zeiten, in denen der Nahost-Konflikt eskaliert, der Ukraine-Krieg andauert und die USA unter Präsident Trump mit massiven Zollerhöhungen die transatlantischen Beziehungen belasten, braucht Deutschland eine Opposition, die in sicherheitspolitischen Fragen mit einer Stimme spricht.
Die entscheidende Frage lautet nun: Wer folgt Lucassen nach? Und wird der Nachfolger den Kurs der Partei in Richtung einer russlandfreundlicheren Position verschieben? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die AfD aus diesem internen Machtkampf gestärkt oder geschwächt hervorgeht. Eines steht jedoch fest: Eine Partei, die sich in existenziellen Fragen der nationalen Sicherheit selbst zerfleischt, wird es schwer haben, das Vertrauen jener Bürger zu gewinnen, die sich nach einer starken, souveränen und handlungsfähigen deutschen Außenpolitik sehnen.
Für den deutschen Bürger, der sich angesichts der geopolitischen Verwerfungen nach Stabilität und klarer Führung sehnt, ist dieser innerparteiliche Richtungsstreit mehr als nur eine Fußnote der Parlamentsgeschichte. Er ist ein Spiegelbild der fundamentalen Orientierungslosigkeit, die weite Teile der deutschen Politik erfasst hat – von der Regierungsbank bis in die Reihen der Opposition.
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