
Roboter auf Feindsuche: US-Armee testet autonome Jäger für Europa!

Auf dem Militärgelände Fort Knox im US-Bundesstaat Kentucky hat das Pentagon am 15. Oktober vier unbemannte Geländefahrzeuge auf die Suche nach feindlichen Zielen geschickt. Die Roboter spürten mithilfe von Satellitenbildern ein Ziel auf, danach folgte ein simulierter Raketenschlag. Das Brisante daran: Das Szenario wurde ausdrücklich für einen möglichen Einsatz in Europa durchgespielt.
Ein Späher, drei Wartende, dann der Schlag
Anfangs setzte sich nur eines der vier Fahrzeuge in Bewegung. Gesteuert anhand von Satellitenaufnahmen fuhr es einen Hügel hinauf und suchte dabei das Gelände ab. Die anderen drei warteten in Deckung. Auf halber Höhe dann der Fund: Die Maschine erfasste ein mögliches Ziel und hielt abrupt an.
Danach rückten zwei weitere Robotervehikel zur Unterstützung vor. Kurz darauf schlug eine simulierte Rakete in rund 300 Yards Entfernung ein, das sind etwa 275 Meter. Das klingt nach einer Szene aus „Terminator“. Tatsächlich war es eine ganz reale Militärerprobung.
Vom Wüstenrennen zum Gefechtsfeld
Die Testfahrzeuge stammen aus dem RACER-Programm der DARPA, der Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums. Unbemannte Bodenfahrzeuge sollen damit ohne Fahrer durch schwieriges Gelände kommen. Das Programm startete 2021. Fachberichten zufolge sieht es sich als Erbe der Grand Challenge von 2004 und 2005. Dieses Roboterrennen durch die Wüste gilt als Startschuss für das selbstfahrende Auto.
RACER ist dabei kein einzelnes Fahrzeug, sondern eine Software, die sich auf verschiedene Plattformen übertragen lässt. Laut Berichten soll sie auch ohne GPS und ohne vorab kartierte Routen funktionieren. Bei einer Übung in Texas im Oktober 2025 soll ein RACER-Fahrzeug bereits selbstständig eine Gasse durch ein Minenfeld geräumt haben.
Der Mensch drückt noch den Knopf
Die DARPA betont, dass weiterhin ein Mensch über den Einsatz tödlicher Gewalt entscheide. Ein Bediener habe geprüft, was die Roboter fanden, und erst dann über den Start einer Sprengstoff-Drohne entschieden. Das System sei so gebaut, dass es die Vorgaben des Pentagons zur menschlichen Kontrolle einhalte.
Bleibt die Frage, wie lange dieser Grundsatz im Ernstfall hält. Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, wächst der Druck, die Maschine allein entscheiden zu lassen. Der Ukraine-Krieg, in dem Drohnen das Kampfgeschehen prägen, zeigt, wie schnell sich Kriegstechnik unter Druck weiterentwickelt.
Warum gerade Europa?
In Auftrag gegeben hatte die Vorführung das US-Europakommando EUCOM. Es wollte wissen, ob autonome Fahrzeuge vor den eigenen Truppen fahren und feindliche Kräfte aufspüren können, ohne Soldaten direkt zu gefährden. Fort Knox wurde unter anderem gewählt, weil das Gelände Bedingungen nachbildet, wie sie US-Truppen in Europa vorfinden könnten. Am Rande: Weltweit bekannt ist Fort Knox eigentlich als Lager der amerikanischen Goldreserven.
DARPA-Vizeprogrammleiter Jason Gregory sagte gegenüber einem US-Militärportal, man habe untersucht, wie eine Einheit solche Fähigkeiten in einem Einsatzgebiet wie EUCOM einsetzen könne. Dabei sei es um den militärischen Nutzen und die technischen Hürden gegangen. Sein Fazit:
„We showed what's possible.“ (Wir haben gezeigt, was möglich ist.)
Noch ist die Technik im Versuchsstadium. Die DARPA hofft aber, dass andere Pentagon-Programme darauf aufbauen und Systeme für den echten Kampfeinsatz entwickeln.
Eine unbequeme Botschaft an Berlin
Die US-Armee testet derzeit viele weitere unbemannte Fahrzeuge. Sie sollen Nachschub liefern, Verwundete bergen, Gegner aufspüren und Angriffe unterstützen. In einer Ausschreibung bezeichnete die Armee die „letzte taktische Meile“ zu den Truppen an der Front als oft gefährlichsten und logistisch schwierigsten Abschnitt.
Für Deutschland bedeutet das: Wie Europa künftig verteidigt werden könnte, wird gerade in Kentucky erprobt. Ob die Bundeswehr mit ihrer oft langsamen Beschaffung da mithalten kann, bezweifeln viele Beobachter. Washington macht vor, wie Hightech Soldatenleben schützen soll. In Berlin dagegen dreht sich die Debatte meist noch um Formulare und Zuständigkeiten.
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