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17.10.2026
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Schienenmaut-Schock: Bald fahren weniger Regionalzüge!

Schienenmaut-Schock: Bald fahren weniger Regionalzüge!
Symbolbild: KI-generiert

Millionen Pendlern in Deutschland drohen ausgedünnte Fahrpläne und teurere Tickets. Ab 2027 steigen die Trassenentgelte für Regionalzüge um acht Prozent, die Verkehrsminister der Länder schlagen Alarm. Bei ihrem Treffen auf Schloss Neuschwanstein verlangen sie vom Bund Geld und eine Reform. Aus Berlin kommt bisher wenig.

„Geld, das keiner hat“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, findet gegenüber der „Bild“-Zeitung deutliche Worte:

„Wir müssen jetzt acht Prozent Steigerungen für das kommende Jahr auffangen. Das ist Geld, das keiner hat.“

Einige Länder hätten schon Verbindungen abbestellt, etwa Schleswig-Holstein. Auch in Bayern könne es nach 2028 eng werden. Bernreiter fühlt sich offenbar hintergangen. Man habe Verträge geschlossen und dabei auf die Deckelung der Trassenpreise vertraut, sagte er. „Die laufen jetzt aus dem Ruder.“

Erst die Nacht, jetzt der ganze Fahrplan?

Sein Kieler Amtskollege Claus Ruhe Madsen (CDU) sieht es genauso düster. Vor zwei Jahren habe man Kürzungen noch auf Nachtstunden und Wochenenden beschränken können. Wenn die Länder mit den höheren Trassenpreisen jetzt allein blieben, drohten weit größere Einschnitte.

Madsen rechnet auch mit steigenden Fahrpreisen, weil die Schienenmaut einen großen Teil der Gesamtkosten ausmache. Laut Medienberichten liegt ihr Anteil je nach Unternehmen zwischen 10 und 40 Prozent. Setze der Bund die im Koalitionsvertrag versprochene Reform nicht um, seien Abbestellungen im ganzen Land unvermeidbar, warnte Madsen. Für Neuschwanstein hat er nach Angaben der „Bild“-Zeitung eine Beschlussvorlage erarbeitet. Sie sieht unter anderem eine dauerhafte Senkung der Trassenpreise vor.

Luxemburg kippt den Preisdeckel

Was steckt dahinter? Wer mit einem Zug das Netz nutzt, zahlt dem Betreiber DB InfraGO, einer Tochter der Deutschen Bahn, eine Art Maut pro Kilometer. Für den Regionalverkehr durfte diese Gebühr bisher nur sehr begrenzt steigen. Diesen Schutz hatten die Länder einst durchgesetzt. Fern- und Güterverkehr mussten dafür entsprechend mehr zahlen.

Am 19. März 2026 erklärte der Europäische Gerichtshof diese Regelung für unvereinbar mit EU-Recht. Die Klage kam laut Berichten ausgerechnet von der DB InfraGO selbst. Sie berief sich auf eine EU-Richtlinie, die dem Netzbetreiber Unabhängigkeit bei der Preisgestaltung zusichert. Das Verwaltungsgericht Köln hatte den Fall nach Luxemburg weitergereicht. Danach erhöhte die Bundesnetzagentur die Entgelte für Regionalzüge ab 2027 um acht Prozent.

Die Kette der Kosten

  • Die Länder bestellen den Regionalverkehr und vergeben ihn an Eisenbahnunternehmen.
  • Steigen deren Kosten stärker als geplant, zahlen die Länder die Differenz.
  • Wenn das Geld dafür fehlt, werden Züge gestrichen oder Tickets teurer.

Funkstille im Finanzministerium

Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht der knappe Satz: „Das Trassenpreissystem reformieren wir.“ Getan hat sich bislang wenig. Laut Bernreiter hat das Bundesfinanzministerium unter Lars Klingbeil (SPD) ein Gespräch mit den Ländern sogar abgelehnt.

Das ist bemerkenswert. Die Regierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur aufgelegt und die Klimaneutralität ins Grundgesetz geschrieben. Für die Krankenschwester, die morgens um sechs in die Regionalbahn steigt, findet sie aber offenbar keinen Termin. Kritiker sehen darin einen bekannten Ablauf: Die Politik verkündet ehrgeizige Ziele für die Verkehrswende und lässt die Länder die Rechnung bezahlen.

Gleichzeitig sorgt eine EU-Richtlinie dafür, dass ein deutscher Kompromiss vor Gericht gekippt wird. Bezahlen müssen das am Ende die Pendler, mit längeren Wartezeiten auf zugigen Bahnsteigen oder mit höheren Ticketpreisen.

Ob die Runde in Neuschwanstein Berlin zum Handeln bringt, ist offen. Bleibt die Reform aus, dürften Bahnfahrer schon bald spüren, dass die Kosten steigen und ihr Angebot schrumpft.

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