
Schulden-Notruf aus Paris: Jetzt sollen die Sparer den Staat retten!

Die französische Nationalversammlung hat am 30. Oktober einem ungewöhnlichen Plan zugestimmt: Eine Staatsanleihe über 50 Milliarden Euro, die nur Franzosen kaufen dürfen. Zehn Jahre Laufzeit, 3,5 Prozent Zinsen, und auf die Erträge fällt keine Steuer an. Die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu lehnt das Vorhaben ab. Trotzdem zeigt schon der Beschluss, wie verzweifelt Paris inzwischen nach Geld sucht.
Patriotismus statt Haushaltsdisziplin
Der Vorschlag kommt von der kleinen Zentrumsfraktion LIOT, vorangetrieben vom Abgeordneten Michel Castellani. Er steht als Änderungsantrag im Haushaltsentwurf für 2027. Die Idee dahinter: Frankreich soll sich weniger bei ausländischen Investoren verschulden und mehr bei den eigenen Bürgern. Über zehn Jahre wollen die Initiatoren so bis zu 25 Milliarden Euro an Zinsen sparen.
Kritiker halten diese Rechnung für Wunschdenken. Französischen Medienberichten zufolge ist mit dem Votum auch noch kein Produkt entstanden, das Sparer tatsächlich kaufen könnten. Das Geld wäre außerdem zehn Jahre lang gebunden.
Ein Deal mit Haken
Für die Bürger ist das Angebot alles andere als großzügig. Die Inflation in Frankreich liegt Berichten zufolge über drei Prozent. Nach Abzug der Teuerung bleibt vom Zins also kaum etwas übrig. Am Markt warf eine zehnjährige französische Staatsanleihe im Oktober zeitweise mehr als fünf Prozent ab. Das war der höchste Wert seit 2002.
Bleibt die Frage, welchen Wert die Steuerfreiheit wirklich hat. Bei einer Abgeltungssteuer von rund 30 Prozent entsprechen steuerfreie 3,5 Prozent ungefähr fünf Prozent vor Steuern, also etwa dem Marktniveau. Ein echter Bonus für die Sparer ist das nicht. Das Ausfallrisiko bleibt gleich, egal ob der Gläubiger in Paris oder in Tokio sitzt.
Ein Land am finanziellen Abgrund?
Die Zahlen sind ernst. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 eine Staatsverschuldung von 118,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zu Beginn der Euro-Krise 2010 waren es noch rund 86 Prozent. Das Haushaltsdefizit dürfte bei etwa 5,4 Prozent liegen. Die EU-Regeln erlauben drei Prozent.
Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen stieg im Oktober auf rund 1,6 Prozentpunkte, so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Inzwischen muss Paris sogar höhere Zinsen zahlen als Italien. Das einstige Kernland Europas wird so selbst zum Sorgenkind.
Die Regierung Lecornu dreht weiter an der Steuerschraube. Sie hat die Sonderabgabe auf Gewinne großer Konzerne und die Mindeststeuer für hohe Einkommen verlängert. Auch der Entwurf für 2027 enthält neue Belastungen. Die Staatsquote liegt bei über 57 Prozent. Kann man ein Land so noch wettbewerbsfähig halten?
Von Mélenchon bis Le Pen: Ideen, die nervös machen
Der Bürgerkredit ist nicht der einzige fragwürdige Vorschlag. Wie berichtet wird, will Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon (La France insoumise) die französischen Staatsanleihen in der Bilanz der Banque de France einfach streichen lassen. Damit würden die Schulden auf einen Schlag um etwa 18 Prozent sinken. Ökonomen warnen, dass ein solcher Schritt das Vertrauen der Anleihemärkte schwer beschädigen könnte.
Auch Marine Le Pen vom Rassemblement National hat Berichten zufolge eine Idee: Ein Teil der EU-Beiträge soll sich nach der CO₂-Intensität der Volkswirtschaften richten. Für Deutschland mit seiner Industrie könnte das deutlich teurer werden. Der deutsche Steuerzahler sollte also genau hinsehen, wer in Europa am Ende die Rechnung bezahlt.
Was Sparer daraus lernen sollten
Frankreich ist kein Einzelfall. Auch die Bundesregierung unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen eine riesige neue Schuldenlast beschlossen. Margaret Thatcher hat dazu einmal gesagt, das Problem mit dem Sozialismus sei, dass einem irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht. Wer dem Staat sein Erspartes leiht, verlässt sich darauf, dass dieser Staat solide wirtschaftet.
Physisches Gold und Silber bringen kein Ausfallrisiko gegenüber einem Schuldner mit, weil es keinen Schuldner gibt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb eine sinnvolle Absicherung gegen Schuldenkrisen und Inflation sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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