
Silber durchbricht die 86-Dollar-Marke – und das ist erst der Anfang

Während deutsche Sparer zusehen müssen, wie die Inflation ihre Ersparnisse auffrisst und die neue Große Koalition mit einem 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket die nächste Entwertungswelle vorbereitet, sendet der Silbermarkt ein unmissverständliches Signal: Das weiße Edelmetall hat am Mittwoch die Marke von 86 US-Dollar je Feinunze durchbrochen – ein Anstieg von zeitweise 6,6 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Eine Rallye, die ihresgleichen sucht
Die Zahlen sind atemberaubend. Innerhalb eines Jahres hat sich der Silberpreis mehr als vervierfacht und erreichte zwischenzeitlich Höchststände von über 121 Dollar je Unze. Selbst nach einem historischen Einbruch Ende Januar, bei dem die Notierungen um bis zu 36 Prozent abstürzten, liegt das Edelmetall immer noch mehr als 160 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der jüngste Sprung über 86 Dollar bedeutet, dass Silber bereits ein Drittel seiner Januar-Verluste wieder aufgeholt hat. Wer hätte das gedacht – ausgerechnet in einer Zeit, in der uns Finanzexperten gebetsmühlenartig die Vorzüge von ETFs und Aktiensparplänen predigen?
Sechstes Defizitjahr in Folge prognostiziert
Das Silver Institute hat einen Bericht veröffentlicht, der aufhorchen lässt. Demnach steuere der globale Silbermarkt auf sein sechstes Defizitjahr in Folge zu. Die Nachfrage übersteigt das Angebot – und zwar strukturell. Zwar werde die industrielle Nachfrage, insbesondere aus dem Solarbereich, voraussichtlich „moderat" zurückgehen, da Hersteller angesichts der hohen Preise nach Alternativen suchten. Doch die steigende Investmentnachfrage dürfte diesen Rückgang mehr als kompensieren.
Besonders bemerkenswert ist die Situation in China. Dort kämpfen Produzenten und Händler damit, einen Rückstau an Bestellungen abzuarbeiten, der durch die enorme spekulative Nachfrage der vergangenen Monate entstanden sei. Physisch verfügbares, lieferbares Silber ist dort praktisch nicht mehr zu bekommen. Die Aufschläge für kurzfristige Lieferkontrakte sind drastisch gestiegen.
„Untradeable" – wenn ein Markt außer Kontrolle gerät
Einige Händler haben Silber mittlerweile als „untradeable" – also unhandelbar – bezeichnet. Ein starkes Wort, das die Dramatik der Lage verdeutlicht. Physische, verkaufbare Bestände seien stark begrenzt oder schlicht nicht verfügbar. Die extreme Volatilität habe das Vertrauen mancher Investoren erschüttert, konstatierten Analysten der Commerzbank nüchtern. Doch genau hier liegt die Chance: Aakash Doshi, globaler Leiter der Goldstrategie bei State Street, sieht bereits wieder verstärkte Käufe bei Kursrückgängen – das klassische „Dip Buying", das erfahrene Anleger seit jeher praktizieren.
Die Defizit-Debatte: Mehr als nur Zahlenspielerei
Nicht alle Marktbeobachter teilen die alarmistische Sichtweise. BMO Capital Markets etwa argumentiert, man solle den Markt nicht vorschnell als „defizitär" bezeichnen. Entscheidend sei vielmehr, wie das Silberangebot im Verhältnis zum tatsächlichen Verbrauch stehe – also jener Nachfrage, die Barren unwiderruflich dem Markt entziehe, sei es für Schmuck oder industrielle Anwendungen. Die BMO-Analysten prognostizieren, dass Silber in den kommenden Jahren relativ zu Gold günstiger werden könnte, sobald sich die physische Verfügbarkeit verbessere.
Gold selbst notierte derweil bei über 5.100 Dollar je Feinunze – ein Niveau, das vor wenigen Jahren noch als reine Fantasie gegolten hätte. Doch in einer Welt, in der Regierungen Schulden in astronomischer Höhe auftürmen und Zentralbanken die Gelddruckmaschinen auf Hochtouren laufen lassen, erscheinen solche Preise fast schon logisch.
Was bedeutet das für den deutschen Anleger?
Die Botschaft könnte kaum deutlicher sein. Während die Bundesregierung unter Friedrich Merz trotz gegenteiliger Wahlversprechen ein halbe Billion Euro neuer Schulden plant und damit die Kaufkraft des Euro weiter untergräbt, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein verlässlicher Wertspeicher in unsicheren Zeiten. Die aktuelle Silberrallye ist kein Zufall – sie ist die logische Konsequenz einer Geldpolitik, die den Bürger systematisch enteignet.
Wer sein Vermögen langfristig schützen möchte, sollte physische Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios in Betracht ziehen. Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Krisenzeiten ihren Wert bewahren – eine Eigenschaft, die man von Papiergeld und politischen Versprechen leider nicht behaupten kann.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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