
Spahns Rentenrevolution: Wer länger studiert, soll weniger Rente bekommen

Unionsfraktionschef Jens Spahn hat eine Debatte losgetreten, die es in sich hat – und die in Deutschland längst überfällig war. Der CDU-Politiker fordert nichts Geringeres als eine fundamentale Neuausrichtung des Rentensystems: Nicht mehr das starre Renteneintrittsalter soll künftig über die Höhe der Bezüge entscheiden, sondern die tatsächlich geleistete Lebensarbeitszeit. Ein Vorschlag, der den Nerv einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft trifft.
Der Handwerker gegen den Akademiker
Spahn bringt es auf eine provokante, aber treffende Formel: Es müsse einen Unterschied machen, ob jemand mit 18 Jahren als Geselle ins Berufsleben eingestiegen sei und jahrzehntelang durchgearbeitet habe – oder ob er bis 28 an der Universität gesessen habe. Studienjahre könnten nicht einfach mit Arbeitsjahren gleichgesetzt werden, so der Fraktionschef gegenüber der „Augsburger Allgemeinen". Ein Gedanke, der bestechend logisch klingt und dennoch in der bisherigen Rentenpolitik sträflich vernachlässigt wurde.
Denn wer ehrlich hinschaut, erkennt die groteske Schieflage: Der Dachdecker, der seit seinem 16. Lebensjahr bei Wind und Wetter auf dem Dach steht, wird im aktuellen System kaum besser behandelt als der Politikwissenschaftler, der nach einem gemütlichen Jahrzehnt an der Universität erst mit Ende 20 seinen ersten Beitrag in die Sozialkassen einzahlt. Dass ausgerechnet Spahn – selbst gelernter Bankkaufmann – diesen Vorschlag unterbreitet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, verleiht ihm aber zugleich Glaubwürdigkeit.
Die demografische Zeitbombe tickt
Spahns Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Die demografische Entwicklung in Deutschland gleicht einem Zug, der ungebremst auf eine Mauer zurast. Wenn die Lebenserwartung auf 100 Jahre steige, könne man nicht nur bis Mitte 60 arbeiten, warnte der CDU-Politiker. Eine Binsenweisheit, die von der Politik jahrelang ignoriert wurde – aus Angst vor dem Wähler, aus Bequemlichkeit, aus ideologischer Verblendung.
Die Wahrheit ist unbequem: Das deutsche Rentensystem in seiner jetzigen Form ist ein Auslaufmodell. Die Babyboomer-Generation geht in den Ruhestand, immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren, und die bisherigen Regierungen – allen voran die Ampelkoalition unter SPD-Führung – haben das Problem mit teuren Wahlgeschenken wie der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren eher verschärft als gelöst.
Auch das Gesundheitssystem im Visier
Doch Spahn belässt es nicht bei der Rente. Auch das Gesundheitswesen nimmt er ins Visier – und hier wird es richtig brisant. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung kletterten derzeit um acht bis neun Prozent jährlich, während die Einnahmen nur halb so stark wüchsen. Sein Vorschlag: Eine gesetzliche Kopplung der Ausgaben an die Einnahmenentwicklung. Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker – alle müssten gleichermaßen den Gürtel enger schnallen. Es sei das „fairste Modell, um zu sparen", so Spahn.
Ob diese Rechnung aufgeht, darf bezweifelt werden. Denn „fair" ist ein dehnbarer Begriff, wenn gleichzeitig Krankenhäuser schließen, Arztpraxen auf dem Land verschwinden und die Wartezeiten auf Facharzttermine bereits jetzt skandalöse Ausmaße annehmen. Dennoch: Der Grundgedanke, dass ein System nicht dauerhaft mehr ausgeben kann als es einnimmt, ist so simpel wie richtig – und wurde in der deutschen Politik viel zu lange mit schuldenfinanzierten Sondervermögen und kreativer Buchführung kaschiert.
Ein überfälliger Realitätscheck
Spahns Vorschläge sind kein Allheilmittel. Aber sie markieren einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik. Wer arbeitet, muss belohnt werden – und zwar nicht nur mit warmen Worten, sondern mit einer Rente, die den tatsächlichen Beitrag zur Gesellschaft widerspiegelt. In Zeiten, in denen das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten wird, ist jeder Ansatz willkommen, der wenigstens den Versuch unternimmt, die ausufernden Sozialausgaben in den Griff zu bekommen.
Ob Friedrich Merz und seine Große Koalition den Mut aufbringen werden, solche Reformen tatsächlich umzusetzen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Erfahrung lehrt: In Deutschland werden unbequeme Wahrheiten gerne ausgesprochen – aber selten in Gesetze gegossen.
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